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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_05/0033
boren. So löste er das Problem
einer harmonischen
Verbindung des Menschen
mit der Architektur in dem
Amsterdamer Sippenbild
(Taf. 41) dahin, dass er
die Figuren zu Bildsäulen
werden Hess: breit und
schwer sitzen Frauen mit
versteinerten Gesichtern
am Boden, stehen Männer
regungslos miturwäldlichen
Bärten umher. Ihre Körperstellung
ist denkbar gemessen
: es gibt fast nur
halbe und ganze Wendungen
(sieben Figuren sind
von vorn, drei im Profil,
drei von hinten gesehen).
Nur ein paar Kinder durchkreuzen
mit täppischen Einfällen
wie die Drolerien gotischer
Kapitelle die Struktur
regelmässiger Linien.
So gelang auch dem weltfremden
Künstler die Darstellung
des Asketen in der
Wüste (Taf. 44). War doch
bei ihm wie bei allen grossen
Holländern das Empfinden
für die einzelne
Persönlichkeit sostark, dass
bei Kompositionen mit vielen
Figuren das Ganze leicht
zersprengt wurde (wie bei
dem zweiten Gemälde in
Wien). In der Einzelfigur
haben die holländischen
Meister oft ihr Bestes
gegeben.

In endloses Sinnen versunken sitzt die Gestalt
des Täufers tief unten in einer freundlichen Waldlandschaft
, deren behagliche Linien den Blick in
eine städtereiche Ferne locken. Er achtet nicht der
Tiere, die ihn umspielen, der Rehe am Wasser, der
Hasen, die am Farren knappern, der Vögel in der
Luft, nicht des Lammes, das auf der Weide neben
ihm ruht; eng und streng kauert er in sich gekehrt am
Boden. Nichts mehr von der repräsentativen Kunst
des fünfzehnten Jahrhunderts, die Johannes stehend
mit der Hand auf das Lamm weisend, darstellte.
Mit allen den grossen Personifikationen tiefen Nachsinnens
in der Kunst, mit der Melancholie oder dem
h. Antonius Dürers, mit Michelangelos Jeremias oder
Lorenzo Medici, mit Rembrandts Jünglingsgestalt zu

Geertgen tot Sint Jans: Die Verehrung des Kindes.
Berlin, Sammlung v. Kaufmann.

Füssen Christi auf dem Hundertguldenblatt, ist ihm
gemeinsam, dass er sich bequem und nachlässig, des
Beschauers nicht achtend, gesetzt hat (denn bei tiefem
Nachdenken muss alle körperliche Anstrengung ausgeschaltet
werden), dass er seine Glieder auf das
kleinste Volumen zusammendrängt und alles, was
zur Betätigung nach aussen strebt, die Hände und
die Füsse fest an den Körper schliesst.

Die durch die Entstehungszeit bedingten Mängel,
der zu hohe Augenpunkt in der Landschaft, die
Sonderung des Menschen von dem Grund, die ungleichen
Verhältnisse der Figur und der Tiere stören
nicht, da alle einzelnen Teile gross und persönlich
gesehen sind. Etwa die Bäume und Pflanzen. Man
könnte schwerlich ihre Arten bestimmen, wie bei


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