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Ferdinand
(1806—
v. Rayski
1890).
DIE deutsche Jahrhundertausstellung in Berlin,
1906, hatte sich vornehmlich die Aufgabe gestellt,
die Werke der halbvergessenen Künstler wieder ans
Licht zu ziehen und damit den Anlass zu einer Revision
der geschichtlichen Darstellung der deutschen
Kunst im 19. Jahrhundert zu bieten. Viel dringender
war dies in unserem Lande der Dezentralisation geboten
als etwa in Frankreich, wo die 1900 in Paris veranstaltete
Centennale grosse Ueberraschungen kaum
zu Tage förderte. Und doch hatte wohl niemand
erwartet, auf der Berliner Ausstellung einem bedeutenden
, völlig in Vergessenheit geratenen Künstler
zu begegnen, von dem ein einziges Bild durch Zufall
in den Besitz des Leipziger Museums gelangt
war: Ferdinand v. Rayski.
Es ist das Verdienst von Dr. Georg Graf Vitzthum
, zuerst wieder auf Rayski hingewiesen zu
haben, so dass noch rechtzeitig drei Bilder von
ihm zur Jahrhundertausstellung gesandt werden
konnten. Das Aufsehen, das die Bilder erregten,
war ungeheuer. Man bemühte sich, noch etwa
zwanzig Werke von seiner Hand zusammenzubringen,
um einen einigermassen klaren Ueberblick über sein
Schaffen zu erlangen. Der Wunsch nach einer
umfassenden Vorführung aller erreichbaren Werke
Rayskis wurde bereits im Frühjahr 1907 durch die
Ausstellung im Arnoldschen Kunstsalon in Dresden
erfüllt. Es kamen etwa 100 Oelbilder und ein Dutzend
Zeichnungen zusammen. Erst diese Ausstellung vermochte
ein klares Bild von der Bedeutung Rayskis zu
geben, weil sie fast lückenlos die ganze Entwickelung
vor Augen führte. Es traf sich glücklich, dass kurz
vorher eine Biographie über Rayski von Ernst Sigismund
(Dresden, Verlag vonWilhelm Baensch, 1907) erschienen
war. Denn über die Persönlichkeit des Künstlers
wusste man so gut wie nichts. Nur ganz vage
Gerüchtewaren über ihn verbreitet. Man wusste nur,
dass er Offizier gewesen war und dann den Abschied
genommen hatte. Aus dieser Tatsache glaubte man
die mannigfachsten Schlüsse ziehen zu dürfen. Die
Ausstellung bei Arnold offenbarte, dass die wirklich
schwachen Leistungen den letzten beiden Jahrzehnten
des Meisters angehören, in denen er sich
Aufgaben stellte, die über seine Kräfte gingen.
Im folgenden sollen an der Hand der Biographie
Sigismunds einige Angaben über das äussere Leben
Rayskis gegeben werden, sodann eine Charakteristik
seiner Kunst unter Berücksichtigung der hauptsächlichsten
Werke.
xi. 7. —
Ferdinand v. Rayski stammt aus altadeligem
böhmischen oder ungarischen Geschlecht, das bereits
seit Beginn des 18. Jahrhunderts in Kursachsen
nachweisbar ist. Seine Vorfahren gehörten sämtlich
dem Offiziersstande an. Der Vater stand in
einem sächsischen Kavallerieregiment in Pegau,
Dort ist Louis Ferdinand am 23. Oktober 1806
geboren. Als Oberst eines sächsischen Dragonerregimentes
zog der Vater unter Napoleon nach
Russland, geriet in Gefangenschaft und starb. Hilfsbereite
Freunde ermöglichten die Erziehung Ferdinands
im Freimaurerinstitut zu Dresden. Hier wurde
auch das Zeichnen unter dem Landschaftsmaler
Traugott Faber eifrig gepflegt. Rayski bevorzugte
die Militär- und Genremalerei, ein Zeichen für sein
selbständiges Vorgehen schon in früher Jugend.
(Vergl. das kleine Oelbild „Sächsische Kavalleristen",
das er 1818, also mit 12 Jahren malte. Abb. bei
Sigismund S. 8/9.) Während seines i fünfjährigen
Aufenthaltes im Freimaurerinstitut war Rayski schon
fest entschlossen, sich ganz der Kunst zu widmen.
Aber die Notwendigkeit, sich einem sicheren Beruf
zuzuwenden, trat an ihn heran. Er wurde ins Dresdener
Kadettenkorps aufgenommen und fand nebenbei
Gelegenheit zum Besuch der Kunstakademie.
Aber in Rayski regte sich noch vor Absolvierung
der Kadettenanstalt der Freiheitsdrang. Er meldete
sich 1825 zur Grenadiergarde des Herzogs von Anhalt
und wurde angenommen. Nur wenige Jahre
sollte er dem Militärstande treubleiben. Er geriet
in Schulden, verscherzte sich schliesslich des Herzogs
Gunst und sah sich genötigt, den Abschied zu
nehmen. In Ballenstedt mag Rayski manche künstlerische
Anregung erfahren haben. Wie weit die
Malerin Caroline Bardua damals bestimmend auf
seine Zukunft einwirkte, ist noch nicht sicher. Einige
Zeit fand er Aufträge, vermutlich als Porträtmaler.
1831 kehrt er zur weiteren Ausbildung nach Dresden
zurück und besuchte, wenn auch vielleicht nur kurze
Zeit, die Kunstakademie. Eine mehrjährige Reise
(1834—39) führte ihn zuerst nach Paris, wo er vermutlich
nur ein Jahr oder weniger blieb, dann ging
er über Trier nach Frankfurt, Würzburg und München
. Ende 1839 kehrt er nach dem Besuch von
Koburg und Düsseldorf nach Dresden zurück. Fast
die ganze folgende Zeit hat Rayski in Sachsen, zumeist
in Dresden oder auf den Schlössern und
Gütern seiner Freunde und Verwandten zugebracht.
1862 unternahm er als Begleiter eines Freundes
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