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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_05/0036
eine kurze Reise nach England, also zu einer Zeit,
wo ein bestimmender Einfluss auf ihn kaum noch
möglich war. Die letzten Jahre lebte Rayski zurückgezogen
von der Welt, nachdem alle seine Verwandten
gestorben waren. Einsam und verlassen starb er
an seinem Geburtstage, am 23. Oktober 1890, in
seiner "Wohnung in Dresden, im sogenannten „Götterhaus
" an der Bürgerwiese.

Sigismund gliedert die Schaffenszeit Rayskis in
vier Abschnitte: in die Lehrjahre (1816—25), die
Wanderjahre (1825—39), die Meisterjahre (1840—65)
and den Niedergang (1866—90). In den Lehrjahren
auf dem Freimaurerinstitut und im Kadettenhaus
wird durch den Unterricht bei Traugott Faber und
in der Kunstakademie die Grundlage für die spätere
Künstlerlaufbahn geschaffen. Die Wanderjahre umfassen
die Zeit des Militärdienstes, die Rückkehr
auf die Kunstakademie in Dresden und die Studienreise
nach Paris und durch Deutschland. Die
Meisterjahre reichen von der Zeit, wo er als gereifter
Künstler dauernd nach seiner Heimat zurückkehrt
bis etwa in die Mitte der sechziger Jahre.
Dann erfolgt eine rapide Abnahme der physischen
Kräfte und damit auch der künstlerischen Fähigkeiten.

Uns interessiert hier vorwiegend die Reifezeit
des Meisters, in der er sein Eigenstes, Bestes gibt,
die Frühzeit nur insoweit, als sie für die Folgezeit
von Bedeutung ist.

Für "den Historienmaler der damaligen Zeit
waren Horace Vernet und Delaroche die leuchtenden
Vorbilder, und nicht mehr Rom, sondern Paris
war das Ziel der Lernbegierigen. Nach Vernet
hatte Rayski schon während der ersten Dresdener
Akademiezeit gearbeitet: ein Oelbild „Husaren und
Kosaken im Gefechte", nach einer Zeichnung von
Vernet, war 1825 auf der Dresdener akademischen
Ausstellung zu sehen. Es ist kaum anzunehmen,
dass er ein Oelbild Vernets im Original gesehen
hat, und doch erinnert ein Bildnis von Rayskis
Oheim, des Rittmeisters v. Sichart in Kürassieruniform
(um 1830) in der Farbengebung und Auffassung
durchaus an Vernet, ja fast noch mehr an
dessen malerisch ausserordentlich fortgeschrittenen
Schüler Gericault. Viel freier erscheint das lebens-
grosse Bildnis des Obersten v. Berge, das 1831 signiert
ist und dem Fünfundzwanzigjährigen ein glänzendes
Befähigungszeugnis ausstellt (Taf. 49). Es beweist
, wieviel Eigenes Rayski schon vor seiner Studienreise
nach Paris und durch Deutschland zu geben
vermochte. Die Behandlung des Hintergrundes
mit den kleinen Nebenfiguren mag konventionell
und in der Perspektive verunglückt sein; die Hauptfigur
ist von einer Natürlichkeit der Haltung, die zu
jener Zeit in Deutschland unerhört war und einen
Sturm der Entrüstung hervorgerufen haben mag.

Der nur neun Jahre ältere Krüger hätte eine solche
Stellung nie gewagt. Dieses Bildnis ist Persönlichkeit
vom Scheitel bis zur Sohle, keine Kostümfigur
in vorschriftsmässiger Uniform mit mehr oder weniger
ähnlichen Gesichtszügen. Auch die malerische Behandlung
ist von ungewöhnlicher Feinheit. Das Weiss
des Frackes ist leicht abgetönt, das Gold der betress-
ten Epaulettes, des Bandeliers und des Leibriemens
in warmes Orangebraun mit diskreten Lichtern übergeführt
und das Blau der Hosen grau beschattet.
Auf der Brust leuchten die blauen und roten Bänder
der beiden Orden.

Nebenbei pflegte Rayski auch die Genremalerei,
aber mit wenig Glück, und wohl nur, um seine
Einnahmen zu erhöhen. Dagegen wird in Paris die
alte Vorliebe für die Historienmalerei wieder aufs
neue geweckt, vor allem durch die Werke von Vernet
und Delaroche. Eine Reihe von Skizzen mit
historischen Darstellungen sind noch erhalten, doch
ist nicht bekannt, ob je eine zur Ausführung gelangt ist.

Von Delaroche konnte Rayski aber auch auf
seinem eigensten Gebiet, der Bildnismalerei, Anregung
erfahren. Mit Recht hat Sigismund gerade
auf den Einfluss dieses Meisters hingewiesen, im
Gegensatz zu anderen, die in den späteren Werken
der vierziger Jahre immer nur englische Vorbilder
(Lawrence!) sehen wollen. In einem Schulverhältnis
wird er kaum zu einem der französischen Meister
gestanden haben. Wie weit sich der französische
Einfluss unmittelbar nach dem Pariser Aufenthalt
bemerkbar "macht, würden die Porträts erkennen
lassen, die Rayski bald darauf in Frankfurt und
Würzburg geschaffen hat, doch hat bisher keines
wieder nachgewiesen werden können. Nach Rayskis
eigenhändigen Aufzeichnungen sind in Würzburg
allein zwanzig meist grössere Bildnisse entstanden.
In München bot die neuerbaute „Alte Pinakothek"
ein reiches Studienmaterial. Ob ihn freilich der
durch seine süssliche „Schönheitengalerie" hinlänglich
bekannte Joseph Stieler besonders gefesselt hat, wie
Sigismund meint, darf man wohl mit Recht bezweifeln
.

Es ist nicht zu verwundern, dass in den ersten
Jahren nach der Rückkehr von der Studienreise
eine ganze Reihe bedeutender Bildnisse entsteht.
Denn die starken Eindrücke der vergangenen Jahre
mussten naturgemäss die eigene künstlerische Produktion
steigern. Das Erstaunliche an den zwischen
1840 und 1845 entstandenen Porträts ist die von
jeder Schablone freie Auffassung, die schon an dem
vor Paris geschaffenen Bildnis des Obersten v. Berge
auffällt. Aber auch malerisch sind sie von einer
stets aufs neue überraschenden Feinheit. Meist
stehen zwei Haupttöne nebeneinander, denen die
anderen diskret sich unterordnen.


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