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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_05/0037
Welche Wandlung sich innerhalb von zehn
Jahren vollzieht, lehrt ein Vergleich zwischen dem
Bildnis des Obersten von Berge (1831) und dem
des Generals v. Gablenz (um 1842. Abb. bei Sigismund
neben S. 38). Bei dem ersten waren es verhaltene
, in breiten Flächen hingesetzte Töne von
dünnem Farbenauftrag; hier erscheinen pikante
leuchtende Lichter auf dem stark faltigen bläulichen
Tuch des Waffenrocks mit dem breiten grünen
Moireeband und den goldgestickten Aufschlägen,
eine malerische Belebung sondergleichen.

Aus derselben Zeit stammt das Bildnis eines
sitzenden kleinen Knaben mit Peitsche und Birne
in den Händen (siehe Taf. 50 und die Erläuterung).
Es ist ein wirkliches Freilichtbild, das wohl nur
deshalb nicht vollendet wurde, weil das Kind nicht
unter denselben Bedingungen sitzen konnte. Als
rasche Niederschrift des unmittelbar Gesehenen ist
es von dokumentarischem Wert, denn es zeigt, wie
früh sich Rayski mit dem Problem der Beleuchtung
im Freien und der dadurch bedingten Veränderung
der Erscheinung befasst.

Als Rayskis Hauptwerk wird allgemein das
1843 gemalte Bildnis des Domherrn v. Schroeter
angesehen. (Siehe Taf. 51 und die Erläuterung).
Man hat es „das stärkste deutsche Porträt des
19. Jahrhunderts" genannt. Und schwerlich kann
mit ihm ein zweites aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts
von annähernd gleichen malerischen Qualitäten
in Parallele gesetzt werden. Man bedenke,
was es heisst, eine stehende männliche Figur, lebens-
gross, im reizlosen schwarzen Frack, ohne die Requisiten
vergangener Jahrhunderte, malerisch reizvoll
zu gestalten. Rayski bringt Rhythmus und Leben
in die Gestalt durch das Aufstützen des rechten
Armes auf die Stuhllehne und das Entlasten des
rechten Beines. Er schafft nicht nur ein verblüffend
lebendiges Bildnis, sondern findet auch die geistreiche
, fast raffiniert zu nennende Kombination von
Violett und Schwarz, indem er, angeregt durch die
Farbe des Ordensbandes am Halse, dem Sammet-
bezug des Lehnstuhls eine violette Färbung mit
breiten sprühenden Lichtern gibt.

Am nächsten steht dem „Domherrn" ein Bildnis
der Schwester Rayskis. (Siehe Taf. 52 und die
Erläuterung). Es ist undatiert, aber wahrscheinlich
unmittelbar vor dem Domherrn und etwa gleichzeitig
wie der „sitzende Knabe" gemalt. War beim
Domherrn die Wirkung von Schwarz und Violett
eine feierlich-ernste, so ist hier, gleichsam als Ausdruck
des heiteren Wesens der Dargestellten, neben
das schlichte Weiss des bauschigen Musselinkleides
das helle Blau des seidenen Stuhlbezuges gesetzt.

Im Domherrn v. Schroeter hat Rayski den
Typus des Aristokraten seiner Zeit festgehalten, dem

Gewandtheit und Sicherheit des Auftretens im Blute
liegt. Zwei Jahre später, 1845, malt er das Bildnis
des Leipziger Konsuls und Kunstmäcens Schletter
(im städtischen Museum zu Leipzig), den Typus
des hochangesehenen Bürgerstandes. Man ist überrascht
, nach dem „Domherrn" hier eine viel wärmere
Farbengebung zu finden. Schletter ist freilich im
Alltagsgewande, einem rötlichbraunen Rock und
schwarzen Hosen, dargestellt. Rayski hat mit feinem
Gefühl die leichte Befangenheit, die in der abgewandten
Haltung zum Ausdruck kommt, nicht zu
mildern gesucht, in der sicheren Erkenntnis, wie sehr
auch die leisesten Nüancen der Körperbewegung
fürden Eindruck eines Bildnisses von Bedeutung sind.

Die Reihe der bedeutenderen Bildnisse der vierziger
Jahre beschliesst ein lebensgrosses Jägerporträt
des Kammerherrn v. Wiedebach. Die Studie, z. T.
wohl auch die Ausführung, ist im Freien gemalt.
Der Kammerherr steht, die Linke leicht auf einen
Stock gestützt, in voller Jagdausrüstung vor einer
Waldlichtung, hinter ihm am Boden ein erlegter
Rehbock. Hier finden sich, zum erstenmal wohl,
Landschaft, Stilleben und Porträt vereint. Sonnenlicht
fällt von links ein und wirft vom Gewehr, dem
Stock u. a. Schatten. Es sind nur wenige verhaltene
Töne im Bild: ein warmes Grün im Sammetrock,
ein lichtes Braun in den Hosen, natürliche Lederfarbe
in den hohen Jagdstiefeln. Nur das Weiss
der Weste leuchtet stärker.

Es scheint, dass Rayski in den nächsten Jahren
Gefahr lief, in die Bahn der Konventionellen zu
geraten. Bei den beiden Bildnissen des Kammerherrn
v. Schoenberg und seiner Gemahlin (1850)
kann man sich des Gefühls nicht erwehren, dass
Rayski vom künstlerischen Kapital zehrt. Hier ist
malerisch kein Fortschritt gegenüber den früheren
Jahren zu verzeichnen.

In den Jahren 1848—50 entstehen auch die
ersten grösseren Landschaften für einen Raum in
einem kleinen aus dem 18. Jahrhundert stammenden
Haus des Schlosses Bieberstein i. Sa., dem Sitz des
Domherrn v. Schroeter. Für einen dekorativen
Zweck gemalt können sie auch nur innerhalb des
betreffenden Raumes zur richtigen Geltung kommen.
Das stärkste sind wohl die beiden Ansichten der
Schlösser Bieberstein und Reinsberg, das erstere
im Morgenrot, das letztere in Abendbeleuchtung.
Beide sind von überraschender Weiträumigkeit und
Stimmung. Hier mag auch eine Landschaftstudie
hervorgehoben werden, die für ein Bild „Jagdfrühstück
im Hermsdorfer Walde" gemalt ist. Sie ist
von ungewöhnlicher Frische: helle entblätterte Birkenstämme
, in der Mitte eine knorrige Eiche, am Boden
braunes Laub, darüber intensiver lichtblauer Himmel,
in der Ferne violette Hügel. So etwas könnte

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