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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_06/0027
Dolchklinge aus einem Grab von der Burg von Mykenae. Nationalmuseum in Athen.

Altkretische Kunst.

ERST wenige Jahrzehnte ist uns die Epoche der
antiken Kunst bekannt, die man die mykenische
zu nennen sich gewöhnt hat. Als Heinrich Schliemann
die sagenberühmten Stätten der Argolis uns
erschlossen, als er vor allem die reichen Königsgräber
auf der Burg von Mykenae aufgedeckt hatte, da erkannte
man mit Staunen, dass die in den homerischen
Gesängen so lebendige Vorstellung von dem goldenen
Glänze der Heroenzeit nicht des Dichters Phantasie
entsprungen war, sondern einen guten Hintergrund
hatte. Aber es war auch eine ganz fremde Welt,
in die wir zum ersten Mal blickten. Nicht nur die
an den Orient erinnernde Pracht der Funde, auch
ihre Formen wollten nicht zu dem stimmen, was
wir als Griechisch kannten. Schwerlich hätte ein
Grieche der klassischen Zeit den Geist seines Volkes
in ihnen gespürt.

Die zahlreichen aus Edelmetall und anderen
kostbaren Stoffen hergestellten Werke bezeugten zunächst
eine hochentwickelte Technik. Da sind Dolchklingen
, deren zum Teil bildliche Verzierung mit
Gold und Silber in den dunklen Grund der Bronze
eingelegt ist. In Feinheit und Sorgfalt der Arbeit
wie in der koloristischen Wirkung der Metalle erinnern
sie durchaus an japanische Erzeugnisse. Aber
auch die Verteilung des Zierates, die wir besonders
bei den Werken der Keramik beobachten können,
findet ihr Gegenstück in der Kunst des fernen
Ostens. Zeigen uns die griechischen Gefässe strenge
Einteilung der Oberfläche und Unterordnung des
Schmuckes unter die Gesamtform, so tritt uns auf
den Vasen der mykenischen Epoche die Freiheit
entgegen, die auch in unserer heutigen Keramik
siegreich eingezogen ist, und zwar nicht ohne den
Einfluss der zwei zeitlich und örtlich so weit entfernten
Kunstzentren, des japanischen und dessen,
das gerade den Gegenstand unserer Betrachtung
bildet. Zu der mangelnden Strenge der Verzierung
stimmt auch die Gestalt der meisten Gefässe mit den
sanften Uebergängen und den leise geschwungenen

Profilen, die in vollem Gegensatz zu den stark ausgesprochenen
Formen der griechischen Keramik steht.
Zwei Beispiele mögen uns hier die Vorstellung vermitteln
. Das eine Gefäss ist mit weiss auf dunklen Grund
gemalten Pflanzen geschmückt. Die Farbenwirkung
ist ähnlich wie die der oben genannten Dolchklingen,
und gewiss haben solche Metallarbeiten vielfach die
Vorbilder für den Töpfer abgegeben. Die zweite
Vase mit hellem Grund, eine sehr elegante, schlanke
Form,ist mit niederenSeetieren,Seesternen, Schnecken
und Korallen bedeckt. Wir lernen so die Elemente
kennen, aus denen die Gefässdekoration in der Blütezeit
dieser Kunst bestand, abgesehen von linearen
Ornamenten, unter denen die Spirale besonders beliebt
war. Nicht Unvermögen, andere Dinge zu zeichnen
, sondern ein feiner künstlerischer Sinn brachte
die Gefässmaler zu dieser Beschränkung. Sie sind
schon weit entfernt von dem Trieb naiver Völker,
die in ihren Zeichnungen mit grösserem oder kleinerem
Geschick ihre Umgebung zu schildern versuchen
, die Bilder auf unseren Gefässen dienen nicht
der Darstellung der betreffenden Gegenstände, sondern
nur dem Schmuck. Auch die Zwanglosigkeit der Anordnung
ist keine Wildheit, sie beruht ebenso auf
reifer Ueberlegung, wie die überraschende Naturwiedergabe
in dieser ganzen Kunst mit sehr feiner
Stilisierung sich verbindet. Dies lehrt uns vielleicht
am besten die wundervoll behandelte Pflanze auf dem
Rest einer Wandmalerei auf Stuck aus den Ruinen
eines Herrschersitzes, der vor zwei Jahren bei dem
Kirchlein Aja Triada in der Nähe des alten Phaistos
an der Südküste von Kreta aufgedeckt wurde.

Auch jene zwei Gefässe stammen von dieser Insel.
In dem Reiche des Minos vermutete man schon früher
den Herd dieser Kunst, die neuen Ausgrabungen
der Engländer und Italiener haben diese Vermutung
in glänzender Weise bestätigt. Die Aufdeckung der
durch ihre Anlage wie durch den Aufbau prächtigen
Paläste von Knossos und Phaistos hat auch eine Fülle
von Einzelwerken geliefert, die so sehr mit den in


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