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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_06/0028
Griechenland gemachten Funden
übereinstimmen, dass wir diese zum
guten Teil wohl als kretischen Import
ansehen und besser von einer
kretischen, als einer mykenischen
Kunst reden mögen.

Das enge Verhältnis zur Natur,
das schon die Gefässverzierung
verriet, kommt noch stärker in den
figürlichen Darstellungen anderer
Werke zum Vorschein. Ein hervorragendes
Interesse wendet diese
Kunst dem Tierleben zu. Wir erinnern
uns dabei der herrlichen
Schilderung der Tierwelt in den
Gleichnissen der homerischen Gedichte
. Bald ist es das friedlich
ruhende, weidende, sein Junges
säugende Tier, bald das auf Beute
lauernde, sein Opfer beschleichende,
das uns der Künstler zeigt. Besonders
aber reizt ihn der Kampf der
Tiere untereinander oder mit dem
Menschen. Fast unerschöpflich erscheint
die Fülle der Motive, wie
uns namentlich die geschnittenen
Steine erhalten haben. Oft wagt der
Künstler auch mehr als er kann,
aber immer verleiht die Freiheit von
festen Kompositionsschemen seinen Werken einen
hohen Reiz. Ein oft behandeltes Thema war der
Kampf der beiden mächtigsten Tiere, die den
Meistern bekannt waren, des Löwen und des Stieres.
Der hier in vergrössertem Massstab wiedergegebene
Abdruck eines Siegelsteines
gibt uns einen Begriff, wie
liebevoll diese Kunst die Gestalt
und Bewegung der Tiere
beobachtete. Ein Löwe hat
von rückwärts einen Stier
überfallen, er steht hochaufgerichtet
auf den Hinterfüssen
und hat sich in dem Nacken
seines Gegners verbissen. Wie
vortrefflich ist der Körper des
Stieres durchgebildet, wie ist
das Augenblickliche seiner Bewegung
erfasst! Er hat den
Kopf, in dem sich die wilde
Erregung und der starke
Schmerz ausspricht, tief gesenkt
, um im nächsten Moment
ihn mit gewaltigem Ruck zurückzuwerfen
und womöglich
den Feind abzuschütteln. Diese

Tongrefäss aus Kreta

Tongefäss aus Kreta
— 18 —

vortreffliche Anschauung vermittelten
die Produktionen der Stiergaukler
, die nach den Darstellungen
ein besonders beliebtes Schauspiel
jener Zeit waren. Die grösste Bewunderung
erregten die zwei als
Gegenstücke gearbeiteten Goldbecher
mit getriebenen Reliefs, die
in einem Fürstengrab in der Nähe
Spartas gefunden wurden (s. Tafel
40). Auf dem ersten sehen wir einen
nur mit leichtem Schurz bekleideten
Mann, der einen am Hinterfuss gefesselten
Stier hält. Dieser hat den
Kopf unmutig erhoben und brüllt
über den ungewohnten Zwang, aber
er muss sich fügen. Eine köstliche
Idylle bringt die folgende Gruppe,
Kuh und Stier, die zärtlich einander
anschauen. Die Kuh streckt die
Zunge heraus, um den Gefährten
zu lecken. Von hinten naht dessen
Nebenbuhler, ein lüstern schnuppernder
Stier, der besonders schön
gebildet ist. Den Gegensatz zu
diesen friedlichen Szenen bildet die
Darstellung des anderen Bechers.
Ein Stier hat sich in einem starken,
zwischen zwei Bäumen ausgespannten
Netz gefangen, die Vorderfüsse hat er
in die Maschen verwickelt, er kann sich nicht mehr
aufrichten, dumpf brüllend hebt er den Kopf. Nicht
recht gelungen ist die Stellung des Hinterkörpers,
der eigentümlich verrenkt erscheint. Aber wir verstehen
, was der Künstler
wollte, er suchte durch eine
gewisse perspektivische Ansicht
des Tierkörpers eine Vertiefung
des Bildes zu erreichen
, trotz des Misslingens
gewiss ein beachtenswerter
Zug. Ein zweiter Stier enteilt
mit gewaltigem Sprung nach
rechts der drohenden Gefahr.
Ein dritter hat seine Feinde,
die Männer, die ihn fangen
wollten, mächtig angegriffen,
den einen hat er hoch geworfen
— dieser ist vom Künstler im
Augenblick des Niederfallens
erfasst — den andern auf das
Horn gespiesst. Bemerkenswert
ist auch die Bedeutung
der Landschaft in diesen Bildern
. Nicht nur die Vege-


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