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Velazquez, Die Uebergabe von Breda (Mittelstück), Madrid, Prado.
nische übersetzt erscheinen. Die sieben Männer
aber, die ihn umringen, einer schon bekränzt, einer
im Begriff, knieend den Kranz aus den Händen des
Gottes zu empfangen, die übrigen ihrer Bekränzung
harrend, gehören ihren Typen wie ihrer Anordnung
nach zu den grossartigsten und lebensvollsten Volkscharakteren
, die jemals geschaffen worden sind.
In der „Schmiede Vulkans" (Bd.V,Taf.27,28) erscheint
Apollo, der Lichtgott, um dem ihm gegenüberstehenden
Feuergott, der zornig-erschreckt die Augen
rollt, die Geschichte von der Untreue seiner erlauchten
Gemahlin zu erzählen, während seine vier halbnackten
Schmiedegesellen unwillkürlich mit ihrer Arbeit
innehalten, um mit dem Ausdruck neugieriger
Spannung in den Mienen zu lauschen. Aller Augen
sind auf den Lichtgott gerichtet, dessen lorbeerbekränztes
Haupt im hellen Strahlenkranz leuchtet.
Seine Körperformen sind jugendlich zart; sein Gewand
ist lichtgelb. Wenn man mit Velazquez von
allem bildlich Hergebrachten
absiehts so wird man
diese Neugestaltung des
Sonnengottes durchaus nicht
im Widerspruch mit der
poetischen Ueberlieferung,
in hohem Masse überzeugend
aber den hageren,
sehnigen, ältlichen Typus
des Feuergottes finden,
dessen Hinken sogar in seiner
Körperhaltung zum Ausdruck
kommtjObgleich seine
Beine verhüllt sind. So
sorgfältig und doch so frei
und breit war Nacktes wohl
noch nie gemalt worden,
und so natürlich waren verschiedene
Lichtquellen, die
sich kreuzen, wohl noch
nie ineinander übergeleitet
worden, wie auf diesem
Bilde. Aeusserlich erscheint
es zunächst als die grossartigste
Darstellung einer
Schmiedewerkstatt, die es
giebt. Aber durch die mächtige
Gestaltung des dramatischen
Augenblicks wird
gerade hier auch dem „Historienbild
" als solchem
sein volles Recht. Justi sagt:
„Die sofortige Wirkung des
Bildes beruht auf dem unerreichten
Ausdruck der
Ueberraschung."
Die übrigen fünf mythologischen Bilder des
Velazquez waren bestellte Arbeit. Als Zimmerdekorationen
im eigentlichen Sinne des Wortes ordnen
sie sich ihren Formen und Farben nach in
höherem Masse als andere Bilder seiner Hand gegebenen
räumlichen Bedingungen unter; als Werke
der reifsten Schaffenszeit des Meisters aber zeigen
sie die ganze Fülle seines Könnens, den ganzen Reiz
der ihm eigentümlichen Pinselführung. Eines von
ihnen, der Mars (Taf. 19), jetzt im Madrider Museum,
prangte in der Torrede la Parada zwischen den Bildern
des griechischen Dichterphilosophen Aesop und
Menipp(Bd.VI,Taf.27,28).DassMars ruhend dargestellt
ist, ist in diesem Zusammenhang wohl kein Zufall.
Wenn der Kriegsgott rastet, blühen die Künste und
Wissenschaften des Friedens. In seiner Haltung
kommen unverkennbar Erinnerungen an Marsstatuen
zum Ausdruck, die der Meister in Rom gesehen
hatte. Aber Velazquez wäre nicht Velazquez gewesen,
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