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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_07/0035
Gustave Courbet, Das Atelier. Bezeichnet 1855.
Früher Paris, Sammlung Desfosses. Auf Leinwand, h. 3.59, br. 5.96.

Gustave

(1819-

Courbet

1877).

NOCH immer ist das Urteil über die grossen
Meister des 19. Jahrhunderts empfindlichen
Schwankungen unterworfen. Eben erst ist ein lange
Verkannter zur verdienten Schätzung gelangt, da
versucht man ihn schon wieder zu stürzen oder doch
wenigstens seine Bedeutung einzuschränken. Zum
nicht geringen Teil liegt es daran, dass die Werke
dieser Meister noch durchaus nicht so bekannt sind,
wie man denken sollte. Die guten Tizian, Rubens,
Rembrandt sind seit langem in der überwiegenden
Mehrzahl in öffentlichen Besitz übergegangen, die
besten Corot, Millet, Manet befinden sich in weitverstreutem
, zuweilen unzugänglichem Privatbesitz.
Was das Louvre und einige Provinzialmuseen besitzen
, ist durch zufällige Schenkungen dahin gelangt
oder durch Staatsankäufe, bei denen jetzt längst überwundenen
Bedenken, Neigungen und Abneigungen
Rechnung getragen werden musste. Selbst Millets
Glaneuses ragen nicht an den Hammelpark oder den
Ruhenden Winzer heran. Und so verhält es sich
erst recht mit dem Mattre-peintre des 19. Jahrhunderts
, dem Ahnherrn der modernen Wirklichkeitsmalerei
, Gustave Courbet. Sein Begräbnis von
Omans ist an einen so dunklen Ort und so hoch
gehängt, dass es schlechterdings nicht zu geniessen
ist, und mit dem Schlupfwinkel der Rehe und dem
Hirschkampf ist es kaum besser bestellt. Von den

Provinzstädten besitzt nur das weitabgelegene Montpellier
eine grössere Anzahl von seinen Werken.
Die berühmten Steinklopfer, die nicht nur auf die
französische sondern vielleicht noch mehr auf die
belgische Kunst einen entscheidenden Einfluss ausgeübt
haben, kennen wohl nur die Besucher der Weltausstellung
von 1889, das Atelier, dieses Wunderwerk
von Tonschönheit, war nur gelegentlich der Versteigerung
der Sammlung Desfosses im April 1899
zwei Nachmittage lang sichtbar. Was aber von seinen
Werken in den Handel kommt, das sind fast ausschliesslich
Bilder aus seiner späteren, sehr fruchtbaren
aber ungleich schwächeren Zeit. Solchen
Werken stehen dann Kritiker wie Publikum gleich
ratlos gegenüber. Sie begreifen nicht, wie man diesen
altmeisterlich malenden Künstler einen Revolutionär
hat nennen können, sie sprechen den zum Teil in
etwas matten Tönen gehaltenen und obendrein nachgedunkelten
Landschaften jedes Naturgefühl ab, sie
stossen sich an Unebenheiten und Flüchtigkeiten
und bedenken nicht, dass der alt gewordene Meister
in fieberhafter Hast arbeitete, ja zuweilen nur leicht
übergangene Arbeiten von Schülern signierte, um
die ihm für seine Schuld am Umsturz der Vendöme-
Säule auferlegte Entschädigungssumme aufzubringen.

Dazu kommt dann bei Courbet noch, dass wir
seine Kunst zu wenig von seiner Person trennen.

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