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Domenico Ghirlandaio, Die
Geburt der Jungfrau. Fresko. - - Florenz, Sa. Maria novella.
Florentiner Monumentalmalerei
im späteren Quattrocento.
/jIOTTO wie Masaccio, von Natur mit tiefer
Neigung für das Wahre begabt, hielten ihr
Augenmerk stets auf den einfachsten Ausdruck bedeutend
erfasster Vorgänge gerichtet. Das hatte sie
davon abgehalten im einzelnen auszuführen, was, angedeutet
, innerhalb einer Komposition seinen Zweck
völlig erfüllt. Den Masaccio folgenden Generationen
die Aufgabe zu, das weite, von ihm eröffnete
Land anzubauen, indem jeder von den Künstlern
eine Domäne darin für sich übernahm; andere
wiederum zogen aus dem Gesamtkönnen ihrer Zeit
die Summe.
Auch innerhalb dieser Folgezeit des Jahrhunderts
bleibt die Entwicklung der Florentiner Malerei mehr
in den Freskencyklen, denn in den Tafelbildern
beschlossen. Die Ungunst der Zeit, der Zufall, der
hier zerstört, dort bestehen lässt, hat aber gerade
von den Trägern des Fortschritts das meiste oder
alles vernichtet; von andern wieder blieben die
Hauptschöpfungen erhalten, so dass sie als die Führer
erscheinen, während sie ihrem künstlerischen Rang
nach in die zweite Reihe gehören.
Zu denen, deren berühmteste Werke zu Grunde
gingen, zählen Meister wie Castagno, Domenico
Veneziano und Baldovinetti; nur Filippo Lippi traf
ein besseres Los; Gozzoli und Ghirlandaio dagegen
treten uns heute noch entgegen mit dem vollen
künstlerischen Gepäck beladen, das die Zeitgenossen
an ihnen kannten. Es ist seltsam: gerade die
Neuerer, die über Masaccio hinausgehend, neue
Raum-, Licht- und Luftwerte entdeckten, hat das
Geschick getroffen, die Dramatiker, die durch die
Kraft ihrer Leidenschaft ergreifen, und die auch vor
dem Unschönen, ja Brutalen nicht zurückweichen;
diejenigen dagegen, denen die glückliche Gabe der
Anpassungsfähigkeit verliehen war, erzählen uns
ebenso, wie den Quattrocentromenschen, wie rasch
sich das schwer Erworbene unter die Leute bringen
lässt.
Fra Filippo ist unter den Genannten gewiss
das grösste Talent. Die Arbeit ging ihm leicht von
der Hand; ein heiteres Temperament teilt sich den
Gestalten seiner Hand mit: so vermag er zwar
nicht zu erschüttern, doch stets zu fesseln und an-
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