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Vorsehen Hause in Klein-Flottbek, um .8,0.
7immer im Baron Voghtscnen
Aquarell, Hamburg, Privaten,
^ p„ in Deutschland im i9- Jahrhundert.
Geschmackswandlungen in ueu
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UM das Jahr 1800 steht in Deutschland der
Geschmack in den bildenden Künsten unter
dem Zeichen des Rückgriffs zur Kunst des klassischen
Altertums. Dieses war bei uns auf anderen
Wegen als in Frankreich zur Herrschaft gelangt.
Schon vier Jahrzehnte zuvor war die erste Anregung
von den Gelehrten ausgegangen. Während hier
Winckelmann die edle Einfalt und stille Grösse der
griechischen Kunst als Vorbild pries und in der
Nachahmung der Alten den einzigen Weg zu einer
Erneuerung des guten Geschmackes in der Gegenwart
sah, befürwortete dort Diderot den grossen
strengen antiken Geschmack und das Studium der
Antike „um die Natur sehen zu lernen". Aber noch
ein Menschenalter verfloss, bis der Sieg der Antike
ein allgemeiner war. In Frankreich zeitigte die neue
Richtung zunächst die zierliche Nachblüte der Renaissance
, die von Ludwig XVI. ihren Namen trägt.
Erst als der Klassizismus sich mit der Revolution
verbündet hatte, gelangte er zur Herrschaft. Die
alten Republiken mussten als Vorbilder wie für die
Organisation des Staates, so auch für die Kunst und
den Geschmack dienen. Die Franzosen begannen
sich als Römer zu fühlen. Von da war, als die
politischen Verhältnisse zum Kaiserreich drängten,
der Weg gewiesen. Das Rom der Kaiserzeit sollte
wiedererstehen im Paris des Empire. Dieselbe
mächtige Woge nationaler Begeisterung, die für eine
Weile die Franzosen einer Weltherrschaft nahebrachte
, überflutete auch die Künste, die Tracht, den
Hausrat, die öffentlichen Feste. So wurde in Frankreich
der antikisierende Stil ein einheitlicher vollkommener
Ausdruck seiner Zeit und der das französische
Volk in der Sturm- und Drangzeit der
Revolution und in den Ruhmesjahren des Kaisertums
bewegenden Ideen.
Anders in den deutschen Landen, wo die antikisierende
Strömung, anstatt von einer nationalen
Hochflut geschwellt zu werden, gelehrten und literarischen
Anregungen entfloss und um 1800 schon
Gegenströmungen auftreten. Goethes und Schillers
Propyläen" leben nicht über die Wende des Jahr-
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