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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_08/0055
Der deutsche Holzschnitt und der deutsche Kupferstich.

WER die deutsche Kunst in Gemäldegalerien
studiert, wird schwerlich dem Irrtum entgehen
, sie zu unterschätzen. Kaum irgendwo stehen
Bildtafeln, auf die der Deutsche mit sicherem Stolze
hinweisen könnte, wenn ihm die Ueberlegenheit
fremder Kunst vor diesem oder jenem Werke gepriesen
wird. Solange überhaupt Einzelnes mit Einzelnem
verglichen wird, bleibt die deutsche Kunst arg im
Nachteil; ihr günstiger fällt die Messung aus, sobald
das Ganze des südlichen Schaffens dem Ganzen des
deutschen Schaffens gegenübergestellt wird. In der
traurig kurzen Zeitspanne, in der die deutsche Malkunst
sich in eigener Sprache mit Sicherheit auszudrücken
vermochte, sind ihr nicht viele Bilder von
vollkommener Harmonie gelungen. Der moderne
Beobachter, dessen Ansprüche freilich durch die
Kenntnis der italienischen Kunst gebildet sind, fühlt
vor den deutschen Malwerken nur allzu häufig einen
Widerspruch zwischen dem Gewollten und dem
Erreichten, zwischen der Aufgabe und der Absicht
des Meisters, zwischen der Anschauung und den
Ausdrucksmitteln des Malers. Die selbst vor Dürers
Gemälden oft beklagte Unzulänglichkeit wird in der
üblichen Art historisch abgeleitet, sei es aus Mängeln
der deutschen Anlagen, sei es aus Hemmungen, die
politische, kirchliche oder soziale Umstände dem
Schaffen bereiteten.

Denjenigen Grad von Bewunderung, zu dem
der freundlichste Beurteiler vor keiner einzelnen
Schöpfung zu steigen vermag — der Beurteiler des
gesamten deutschen Schaffens wird ihn erreichen,
wenn er nur gerecht und ausdauernd ist. Der Weg
zu dieser sehr hohen Schätzung ist allerdings mühsam.
Nicht hier oder dort mit einem Schlage enthüllt
sich die Grösse der deutschen Kunst; allmählich aus
der Betrachtung vieler unscheinbarer Zeugnisse erwächst
die Vorstellung von einer Gestaltungskraft,
deren Umfang und Originalität unvergleichlich sind.

Mit behaglichem Verweilen und Sich-Vertiefen
in die Feinheit, die Qualität der Schöpfungen ists
nicht gethan, es gilt, die Leistung in der Quantität
zu ehren und in der breiten Masse der
Gebilde die ausserordentliche Mannigfaltigkeit, die

nimmer müde Triebkraft und Schlagfertigkeit des
deutschen Gestaltens zu begreifen. Die zweifelhafte
ästhetische Maxime ,,1'art pour l'art" darf den Beobachter
nicht hindern, Grenzgebiete zu betreten und

Moses vor dem Herrn. Lev. XIX.

Dieser und die sieben folgenden Holzschnitte gehören zu den „Bildern des
Alten Testamentes" von Holbein, die 1538 bei den Brüdern Trechsel zu Lyon
erschienen. Die Zeichnungen sind schon um 1525 in Basel entstanden, und
die Ausführung im Holzschnitt rührt von H. Lützelburger her, der 1526

schon gestorben ist.

die Kunst dort aufzusuchen, wo sie im Dienste,
fremden Gesetzen unterworfen, mit lehrhaften, litterarischen
, mit polemischen und satirischen Aufgaben
belastet ist. In schweren Fesseln hat die deutsche
Kunst gelitten, aber auch ihre Spannkraft gestählt.
Wenn es ihr gar schwer gemacht wurde, im Monumentalen
und Dekorativen das Höchste zu erreichen,
so gewann sie dafür Ausdrucksfähigkeit und die
leichteste Beredsamkeit. Sache einer unverständigen
und philiströsen Kritik ist es, diese Eigenschaften
einer Kunstübung zu preisen, die Abwesenheit jener
dabei zu beklagen. Es ist doch wohl nötig zu fragen,
ob dieses und jenes Ziel zugleich erreicht werden
konnten. Der Ruhm und die Ehre der deutschen
Kunst liegt darin, dass sie das Gefäss eines reichen
seelischen und geistigen Inhalts ist.

In der Mitte des 15. Jahrhunderts erfand ein
Deutscher die Buchdruckerkunst, nämlich dasDrucken
mit Schrifttypen. Den Glanz dieser Erfindung kann
man auf allerlei Art verdunkeln, indem man auf die
ältere Anwendung ähnlicher Mittel, indem man auf


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