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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_08/0085
Umbau gegen Ende des XVII. Jahrhunderts zerstört wurde.
Wenig später wohl entstanden vier schöne Tafeln mit Geschichten
aus dem Marienleben, die noch heute die Kirche
zieren. Die „Darbringung" mag als typisches Beispiel seines
Stiles gelten: so erscheinen die heiligen Frauen, so die ehrwürdigen
Greisengestalten auf allen seinen vollendet durchgeführten
Tafeln. Das Inkarnat spielt meist, am stärksten in
seinen frühen Arbeiten, ins Graue. Ein erhöhtes Interesse gewinnt
diese Tafel dadurch, dass der Meister den Vorgang in
das Innere der Incoronata selbst verlegt hat, deren goldige
Ornamentik sehr reizvoll den Hintergrund belebt; die alte Gestalt
der Kirche und eine Erinnerung an sein eigenes Fresko,
von dem wenigstens ein Stück zu sehen ist (hinter Josephs
Kopf), ist dadurch der Nachwelt bildlich erhalten geblieben.

19. Hercules Seghers: Ansicht der Stadt Rhenen. Von
Hercules Seghers, dem besonderen Radierer, der auf Rembrandts
Landschaftsauffassung so stark wirkte, sind nur drei Bilder
erhalten. Das hier reproduzierte ist das einzige, das er mit vollem
Namen bezeichnet hat (links unten). Nach altem Schema der
landschaftlichen Malkunst ist das Bild gearbeitet: der hügelige
Vordergrund ist braun, der unvermittelt anschliessende Mittelgrund
mit Häusern und Kirchen grün. Auf der linken Seite
trennt der weisse Strich des Flusses energisch das Braun vom
Grün. Die Ferne ist in unendliche Weite gerückt, im oberen
wolkigen Teil des Himmels tönt das helle Licht des Horizontes
mild ab. Die lebende Staffage, Hirten und Schafe sind kräftig
in den schattigen Vordergrund hineingestellt. Der Hund neben
der Windmühle hebt sich in pikanter Silhouette vom hellen
FIuss ab. So äussert sich in der alten engen Form viel junges
kräftiges Leben.

20. Rembrandt: Die Landschaft mit den drei Bäumen.

Unter den vielen radierten Landschaften Rembrandts ist die mit
den drei Bäumen die einzige, in der mehr gezeigt wird, als die
einfache holländische Ebene in prunkloser Wirklichkeit. Grellstes
Licht und tiefster Schatten geben eine gespenstische Beleuchtung
und ergreifende Stimmung. Wie Rembrandt im Innenraum
seine Menschen ins spielende Licht rückt, so hat er hier einmal
im Freien mit Hell und Dunkel herrisch gewaltet. Die Lichtführung
, die Unbegrenzung des Raumes, die sonnige Heiterkeit
in der Ferne wecken den herzrührenden Ton. Der beklemmende
Ernst des Landschaftsbildes mit den gewaltigen Bäumen auf
der Anhöhe wird durch freundliche und schalkhafte Beigaben
gemildert: das (kaum erkennbare) Liebespaar unten rechts im
Schatten, oder der Angler und die Frau am Wasser, der sitzende
Mann oben auf der Höhe. In den Wolken hat man Gesichter
erkennen wollen. Diese wie die Regenstriche links sind wahrscheinlich
Reste von einer früheren Verwendung der Platte.
Die Radierung ist vom Jahre 1643.

21. Die Brüder Le Nain: Die Heimkehr von der Heuernte.
Leber das Leben der drei Brüder Le Nain, Antoine, Louis und
Mathieu besitzen wir nur ganz wenige zuverlässige Daten. Sie
waren am Ende des XVI. Jahrhunderts in Laon geboren und
kamen erst spät nach Paris, wo sie 1648 in die Akademie aufgenommen
wurden. Zwei von ihnen starben schon in demselben
Jahre, der dritte lebte bis 1677 Ihr Lebenswerk besteht hauptsachlich
aus Porträts und Bildern aus dem ländlichen Leben,
dazu kommen einige religiöse Gemälde. Fast alle sind von
massigem Umfange. [n den Bauernbildern halten sie sich von
der Ausgelassenheit der Vlamen und der erbarmungslosen
Karikatur Callots gleich weit entfernt, sie sind schlicht, meist
ernst, zuweilan sehr herb Dazu passt auch das äusserst einfache
Kolorit. Die „Heimkehr von der Heuernte" ist fast grau
m grau, nur etwas mit Gelb aufgehellt. Eigentlich farbig sind
nur Einzelheiten, so die Aermel des zweiten und vierten Madchens
, die in grünen und roten Tönen gehalten sind. _ _

22. De Heem: Fruchtstück. Jan de Heem vereinigt auf
dem Felde der Stilllebenmalerei harmonisch holländische und
vlämische Traditionen. In Utrecht aufgewachsen, derjenigen
holländischen Stadt, die am engsten mit den südlichen Kunststätten
verbunden war, trat er während eines vierjährigen
Aufenthaltes in Levden mit spezifisch holländischen Stilllebenmalern
in Beziehung, machte sich aber seit 1636 etwa in Antwerpen
ansässig. In Antwerpen gestaltete er seinen Stil aus,
angeregt durch Daniel Seghers. Das hier abgebildete Gemälde
zeigt alle Vorzüge seiner Kunst, die Gewissenhaftigkeit im
Kleinsten, die Feinheit der Stoffcharakteristik - besonders schon
in den strotzenden und glühenden Weinbeeren — und den Geschmack
des Arrangements. Weit mehr Naturalist als Seghers
ist de Heem reicher und üppiger in seinen Darstellungen als
Heda und Pieter Claesz; er gehört zu den Glücklichen, die auf
ihrem Gebiete Vollkommenes erreichen.

23. DonateJlo: Maria mit dem Kinde. Die „Madonna von
Fontainebleau", unter welchem Namen dieses Bronzerelief im
Louvre bekannt ist, galt dort bis vor kurzem und gilt vielfach
auch jetzt noch als das Werk eines Nachahmers von Michelangelo
. Eine hervorragende, eigenhändige Arbeit von Michelangelos
grösstem Vorläufer wurde für eine Nachahmung nach
dem Meister selbst ausgegeben, wohl weil man sich die eigentümlich
„barocken" Elemente in dieser Komposition nicht anders

zu erklären wusste. Aber diese sind für Donatello schon ebenso
charakteristisch wie für Jacopo della Quercia und vor beiden
für Giovanni Pisano. Ist es doch ein Kennzeichen wahrhaft
genialer Naturen, dass sie ihre eigenen Wege gehen und bei
der Wiedergabe der Natur rein künstlerische Mittel wählen, auf
die andere Künstler nicht kommen. So auch hier Donatello
nicht nur in auffallenden Details, wie in der Anbringung von
Cherubim im Nimbus und im Kostüm der Maria, in ihren, wie
mächtige Armringe wirkenden Stickereien am Gelenk und Oberarm
, in der Haartracht u. a., sondern in der ganzen Komposition,
in der Anordnung von Mutter und Kind, in der Behandlung der
Kostüme, in der Haltung der Hände und Finger, in Ausdruck
und Empfindung, die durchaus dem Charakter zahlreicher
anderer Madonnenkompositionen entsprechen, die uns von Donatello
noch erhalten sind.

24. Luca della Robbia: Die Madonna im Rosenhaag. Die
anmutige Darstellung der „Madonna im Rosenhaag" hat Luca,
der erste Ganz-Moderne in der Madonnen-Darstellung, aus dem
Mittelalter übernommen. Wo die Komposition es möglich
machte: in der Darstellung der Maria in ganzer Figur, finden
wir fast regelmässig die holdseligen Gestalten dieser Gruppe
von Luca auf einem Hintergrund von Lilien oder Rosen angebracht
, die sich farbig von dem blauen Grunde abheben und
zur Erhöhung der Stimmung ebenso sehr beitragen, wie zur
Verstärkung der farbigen Wirkung. In der grossen Madonna
von Or San Michele finden wir die Lilien beiderseits auf dem
Hintergrunde; in dem kleineren Relief mit der im Profil gegesehenen
Madonna in der Galerie Liechtenstein zu Wien greift
das Kind nach ein paar in Relief gebildeten farbigen Lilienstengeln
vor ihm, die in sehr geschmackvoller Weise durch
andere Lilienstengel vermehrt sind, welche auf dem blauen
Grunde in Gold aufgemalt sind. In ähnlicher Weise wendet
sich das Kind in unserem Relief, das bis vor etwa 10 Jahren
als angebliche Fälschung in die Magazine der Uffizien verbannt
war, vom Schosse der Mutter zur Seite, um von der Hecke
hinter der Bank eine weisse Rose zu pflücken.

25. Antonis Moro: Bildnis eines Goldschmiedes. In
kritischer Zeit, da die niederländische Malerei im allgemeinen
ihre besten Tugenden verleugnete, mit ihren Leistungen wie
mit ihrem Ansehen sehr tief stand, wahrte, mindestens auf dem
Felde der Porträtmalerei, der Holländer Antonis Moro ihre Ehre.
Keineswegs durch die Lebensumstände gegen die Lockungen
der italienischen Hochrenaissance gesichert, vielmehr als der
bevorzugte Porträtist fast an allen europäischen Höfen heimisch,
ebensowohl in Italien wie in Spanien und England thätig, hielt
er seine Kunst frei von Manier. Die Grösse der Auffassung
wusste er aufs Glücklichste mit einer gediegenen Modellierung,
einer tiefen und ernsten Charakteristik zu vermählen. Das hier
abgebildete, von 1564 datierte Bildnis stellt einen stattlichen
Goldschmied, dem Typus nach einen Germanen, dar. Wir
wissen nicht, wo der Meister sich 064 aufhielt, und können
keine Mutmassung über die Pen-on des Dargestellten wagen.
Aus holländischen Privatgalerien kam das Gemälde in die Sammlung
Wilhelms V.

26. Holländischer Meister, 1. Hälfte des 16. Jahrh.: Die Anbetung
der Könige. Der Meister dieser zierlichen Tafel ist
wohlbekannt, von dem Namen abgesehen. Eine ganze Reihe
anderer Bilder, namentlich Bildnisse, werden ihm noch mit
gutem Recht zugeschrieben. Eine zarte, sehr saubere Malweise
und eine etwas gezierte Auffassung gehören zu seinen Eigenschaften
. In der Kleidung und im Gebahren seiner Figuren
wird eine Hinneigung zum hofmässigen Zeremoniell bemerkt.
Von verschiedenen Seiten gleichzeitig ist die Vermutung ausgesprochen
worden, dass unser Maler der Holländer Jan Mostaert
sei, der am Hofe der niederländischen Statthalterin thätig war,
und über den der Künstlerbiograph van Mander ausführlich
spricht. Die Hypothese hat viel für sich. Das Hauptwerk
unseres Malers ist ein grösserer Flügelaltar mit der Kreuzabnahme
im Mittelbilde, den kürzlich die Brüsseler Galerie
erwarb Die Tafel mit der Anbetung der Könige wurde 1879
auf der Versteigerunglsendorn ä Blois für das Rijksmuseum gekauft.

27. 28. Velazquez: Aesopus — Menippus. Die beiden
Philosophen des Prado sind offenbar Studien nach dem
Leben, Porträts von Strassenfiguren, vielleicht stadtbekannte
Persönlichkeiten, die ein Witzbold mit dem Namen der alten
Weltweisen bezeichnet hatte; doch ist es auch nicht schwer,
ihren Charakter mit den beigeschriebenen Namen in Einklang
zu bringen. Dem Künstler, der diese Vorliebe für Strassen-

verkäufer, Landstreicher, Bettler und Zwerge, die er übrigens
mit den meisten seiner Landsleulc teilte, sich bis ins Mter bewahrt
, waren diese schäbigen Kerle hochwillkommene Modelle.
Wie er sie gegen die graue Mauer ins Tageslicht gestellt,
dienten sie ihm zu Experimenten, so löste er malerische Probleme
. Aesop, nur mit einem Gewand von stumpfer, gelbbrauner
Färbung dürftig bekleidet, ist ein Typus von abschreckender
Hässlichkeit. Aus dem erdfarbenen Antlitz blicken
zwei kleine, müde Augen blinzelnd heraus; die von einem
Kranz ungepflegter, weisser Haare umgebene flache Stirn ist
eben so gewöhnlich wie die sokratische Stulpnase. Der grosse

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