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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_09/0034
Fabriano durch den Blumenschmuck eines Wandteppichs
beitrug. In der Mitte der hufeisenförmigen
Tafel thront Jesus, ihm zur Rechten und zur Linken
reihen sich die Apostel; dem Heiland gegenüber, an
der anderen Seite des blendend weissen Tisches,
sitzt Judas allein.

Das unerreichte Zusammenschliessen lionardesker
Gruppen wird man bei Castagno vermissen; auch
führt ein weiter Weg von der befangenen Sprache
seiner Hände zur noblen Geste jener Cortegiani des
Himmels, die Lionardo malte. Castagnos Apostel
sind nur Fischer und Netzeflicker, und sie folgen
dem Sohn eines Zimmermannes, den kein Abglanz
göttlicher Majestät umstrahlt. Aber jeder einzelne
ist ein Charakter, manche gleichen in ihrer grandiosen
Strenge zürnenden Propheten des alten Bundes, und
alle sind des Herrn voll. Selbst dem Niedrigsten
gab Castagno einen Zug ins Heroische. In seinem
Judas mischen sich Gemeinheit und Grossartigkeit
seltsam miteinander. Die Schwächen dieses Cenacolo
sollen freilich auch gesagt sein. Castagno machte
den Raum zu schmal im Verhältnis zur Länge, und
die mangelnde Tiefe lässt das Ganze flächenhaft
wirken. Dann erscheint der Abstand zwischen den
Köpfen der Apostel und der flachen Decke viel zu
gross, und die brillant gemalten leeren Marmorplatten
, die ihn ausfüllen, erdrücken förmlich die
Gestalten. Ferner leidet die Gruppierung an dem
Fehlen einer alles beherrschenden Mittelfigur, die
naturgemäss Christus sein müsste. Aber dieser beherrscht
die Tafelrunde nicht, und den Hauptaccent
hat, sehr bezeichnend für Andrea — schon durch
die isolierte Stellung — der Verräter. Trotz alledem
blieb Castagnos Abendmahl unübertroffen bis
auf die Tage Lionardos, und dass selbst dieser Grosse
sich Andreas Einfluss nicht gänzlich zu entziehen vermochte
, lehrt ein Vergleich der beiden Judasköpfe.

Das zeitlich letzte Werk Andreas, dessen wir uns
erfreuen, ist sein Reiterbildnis des Niccolö da Tolen-
tino im Dom zu Florenz. Ein Jahr nach dessen Vollendung
, am 19. August 1457, zwang den Siebenund-
sechzigjährigen der Tod nieder. Vielleicht zur rechten
Zeit für seinenRuhm. Castagno war der idealeKünstler
einer Generation, in der die stahlgepanzerte Faust und
Dreinschlagenkönnen Eindruck machten. Aber die
Tage der Condottieri waren tot, und dem Florenz
der Medici deuchte ein Mann „senza lettere" wenig
mehr denn ein Bauer. Auch Castagno. Die Künstler
freilich wussten ihn stets zu schätzen. Die beiden
Pollaiuoli und Signorelli sind kaum vorstellbar ohne
sein Schaffen, und Baldovinetti mag ihm viel zu
danken haben. Den Florentiner Bürgern jedoch, die,
des Schwertes längst entwöhnt, zu Spiessbürgern
herabgesunken waren, behagte Andreas Rustica-Stil
nicht mehr. Das sechzehnte Jahrhundert bereits
verdeckte seine Fresken mit Altarbildern, und drei
Menschenalter später wurden die Werke eines
Künstlers, den seine Zeitgenossen als „den Besten"
gefeiert, weiss übertüncht und von den Wänden
heruntergeschlagen. Emil Schaeffer.

Gemme aus der Römischen Kaiserzeit.
Zu vergleichen mit Castagnos Tomyris, Tafel 41.

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