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mals aus dem Mailändischen oder stammten wenigstens
von daher; sie brachten schwerfälligere Sitten
und dazu altmodische Kunstformen mit und stachen
noch ab gegen das entschiedene Renaissancewesen,
das in Florenz und auch in Rom längst herrschte.
Ihnen fühlt sich Cellini bald überlegen, und anschlägig
und erfindungsreich, wie er war, macht er
sich ihre soliden Kenntnisse zu eigen, behält sich
aber in allem übrigen eine gewisse Selbständigkeit vor.

Mit neunzehn Jahren kommt er dann, zunächst
für kurze Zeit, nach Rom und findet dort seinen
ersten Verdienst an einem silbernen Salzfass, eine
halbe Elle gross, das er nach einer antiken Porphyrwanne
macht und mit vielen Masken, Laubwerk
u. dergl. verziert. Er übt sich ferner im Fassen und
Schätzen von Edelsteinen und andern Juwelen, versäumt
weder das Zeichnen nach der Antike noch
Uebungen in der Komposition und im Darstellen von
Figuren; die Behandlung des Emails, des Niello und
der Tauschierarbeit lernt er kennen und gewöhnt
sich, auf Grund alter Ueberlieferungen, an selbsterprobte
, neue Kunstgriffe. Eine besonders häufig vorkommende
Aufgabe ist die Anfertigung grosser Prunk-
gefässe von Silber, für die er zuerst die Entwürfe von
älteren Meistern vorgelegt erhält, die er dann aber
selbständig erfindet und immer künstlicher ausgestaltet.

Nach dem, was Cellini von diesen seinen Werken
erzählt — erhalten ist von ihnen so gut wie nichts —,
und nach der Analogie entsprechender Werke
anderer Meister müssen wir uns solche Gefässe
meist in Form von eleganten, bauchigen Kannen
mit einem Henkel und einem Ausguss, oder als
zweihenklige Vasen, als flache oder tiefere Becken,
als Jardinieren, auch als Ergänzungsteile für Kristall-
und Halbedelsteingeräte denken: alles sehr reich im
Schmucke von reliefartigem, getriebenem Renaissanceornament
in Verbindung mit den schon erwähnten
Masken, ferner mit Kinderfiguren (den sogenannten
Putten) und mit allerlei Monstren, d. h. Mischwesen
aus menschlichen und tierischen, auch pflanzenhaften
Körperteilen zusammengesetzt; das Ganze silbern
oder golden, oder vergoldet, oder halbvergoldet,
oder mit farbigem Email, auch mit Edelsteinen,
koloristisch behandelt. Cellinis Besonderheit an
solchen Arbeiten scheint eine gewisse Uebertreibung
des phantastischen Beiwerks, ein Ueberreichtum der
Dekoration gewesen zu sein, der mit einer gelegentlich
allzu gewagten Zierlichkeit und Künstlichkeit verbunden
war. Berichtet doch Benvenuto voll Stolz,
er habe Zeichnungen von Gefässen erfunden, so
wunderlich und üppig, dass niemand sie nachmachen
konnte; und von einer Kanne erzählt er, der Henkel
sei von einer so zarten Stahlfeder gehalten worden,
dass diese unter einem etwas festen Griffe abbrach.
Auch bei den kleinsten Goldarbeiten gefiel er sich

in einer entschiedenen Ueberladung, die dann freilich
durch eine überraschend geschickte, feine und präcise
Arbeit muss erträglich geworden sein; er brachte
es fertig, an einem Ringe nicht weniger als vier
Kinderfiguren, mehrere Masken und dazu verbindendes
Laubwerk zu modellieren. Erinnern wir
uns der fast gleichzeitigen deutschen Goldschmiedearbeiten
, etwa des Wenzel Jamnitzer, so finden wir
auch bei diesem die ausgesprochene Neigung für
grosse Zierlichkeit und blendenden Formenreichtum,
aber, trotz der Anwendung vieler ähnlicher Ornamente
, einen abweichenden Grundzug: die weit
geringere Aufnahme antiker Motive und ihres Einflusses
und die originellere deutsche Phantastik.

Das Geschäft eines Goldschmiedes blieb für
Cellini bis zuletzt der Hauptberuf und der eigentliche
Broterwerb. Es hat ihn früh berühmt gemacht,
und wo er erschien und eine Werkstatt eröffnete,
strömten die reichen Kaufherren, die Edelleute, die
vornehmen Geistlichen, selbst die Fürsten als Kunden
so zahlreich ihm zu, dass er alsbald viele Gesellen
halten, auch, nach seinen Zeichnungen, bei andern
Meistern arbeiten lassen musste. Zunehmender
Wohlstand, Verbindung mit der höheren Gesellschaft,
selbst der häufige Zutritt zum Papst hoben ihn indessen
nicht über die bürgerliche Sphäre und Lebensführung
empor.

Je mehr dieser ganze Betrieb den Charakter
einer kunstgewerblichen Fabrik annahm, desto lebhafter
wandte sich Cellini auch zu freieren, rein
künstlerischen Aufgaben. Sein brennender Ehrgeiz
und die unerschütterliche Ueberzeugung, ihm müsse
alles gelingen und er sei mehr als jeder andere, bewogen
ihn immer aufs neue, nichts unversucht zu
lassen und sogar mit den ersten Bildhauern der
Zeit zu wetteifern. Die Neigung, aus einem Fache
mit intimen Wirkungen hinaus und nach kräftigeren
Wirkungen in grösserem Stil zu streben, ist ja bei
Künstlern aller Art sehr häufig.

Einen Uebergang von den Schmucksachen und
den Prunkgeräten in Goldschmiedearbeit zu Werken
der monumentalen Skulptur bildeten Medaillen und
Münzen, mit denen Cellini sich gern und glücklich
beschäftigte. Gegossene und geprägte Plaquetten,
Denkmünzen und Geldstücke waren schon im fünfzehnten
Jahrhundert und früher in hoher Vollendung
angefertigt worden: um 1530, als geschickte
Epigonen, im Besitze vieler Kenntnisse, Einsicht
und Handfertigkeit, das Erbe der jugendkräftigen
Frührenaissance ausbeuteten, sah man die Vorzüge
solcher Arbeiten nicht mehr wie ehedem hauptsächlich
in der charaktervollen, scharf und konzentriert
gegebenen Energie der Auffassung und
Modellierung, sondern der Beliebteste wurde nunmehr
der, dem die malerische Anordnung, die


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