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Die italienische Bücherillustration der Renaissance
ES ist eine höchst interessante und beachtenswerte
Thatsache, dass die frühesten Leistungen
des Buchdruckes künstlerisch auch die vorzüglichsten
gewesen sind. Die junge Kunst des Druckes mit
beweglichen Lettern hatte, um sich in dem damals
anspruchsvollen Kreise der Bücherkaufenden Geltung
zu verschaffen, von vorn herein mit den kunstvoll
und sorgfältig hergestellten Handschriften in Wettbewerb
zu treten, sie hatte den individuellen und
kunstreichen Charakter des geschriebenen Buchstaben
zu bewahren und musste deshalb auf die
künstlerische Form gerade zuerst das grösste Gewicht
lesen. Die ältesten Drucker sind in erster Linie
wirkliche Künstler gewesen, denen nicht die massenhafte
Vervielfältigung als solche, sondern vielmehr
die Vollendung und Gleichmässigkeit der Form
ihrer Drucke das Wesentliche war.
Die künstlerische Entwickelung des Buchdruckes
bewegt sich, im Gegensatze zur Vervollkommnung
der Technik und zur quantitativen Steigerung der
Produktion, in absteigender Linie trotz mancher
Versuche und trefflicher Leistungen einzelner
Meister, wie Aldus' in Venedig oder Schönspergers
in Augsburg u. a. m. Die Bücherillustration hat
hierin das Schicksal der Druckkunst geteilt.
Ursprünglich erhielt wie das geschriebene so
auch das gedruckte Buch seinen Schmuck durch die
Hand des Miniators; schon früh jedoch begann
man Versuche zu machen, auch die Initialen, die
Umrahmungen der ersten Seiten und die Textbilder
durch den Druck herzustellen, um dem Buche ein
gleichmässigeres Aussehen zu geben und um die
Arbeit der Herstellung zu konzentrieren.
Wenn auch im Anfange in vereinzelten Fällen
der Metalltiefschnitt und der Kupferstich für die
Illustration verwendet wurden, so kam man doch
bald zu der Einsicht, dass der Holzschnitt die am
meisten geeignete Technik sei. Der Holzblock
bietet einen guten Grund für die Zeichnung, lässt
sich leicht bearbeiten und kann einfach in den
Letternsatz eingefügt und mit ihm abgedruckt werden.
Vor allem aber verbinden sich die Linien des Holzschnittes
mit denen der Drucktypen vorzüglich zu
einem einheitlichen künstlerischen Bilde.
Anfangs sollten allerdings die Holzschnitte nur als
Vorzeichnungen für den Miniator, der sie mit Farben
auszumalen hatte, dienen. In Deutschland blieb die
Sitte, die Holzschnitte zu kolorieren, bis zur Zeit
Dürers und noch später die Regel; in Italien hatte
man, nach wenigen Versuchen mit Bemalung, in
feinerem künstlerischen Gefühle bald erkannt, dass
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für das gedruckte Buch der unkolorierte, einfache
Umriss-Holzschnitt der einzig passende Schmuck
sei. Besonders gern verwendete man hier für die
Umrahmungen der ersten Seiten den Tiefschnitt,
bei dem die Linien der Zeichnung sich weiss auf
schwarzem Grunde abheben.
Das Bild kann das Wort nicht ersetzen, wie man
oft gemeint hat, sondern nur die Vorstellung des
Hörenden unterstützen, seinem Gedächtnisse den
Vorgang tiefer einprägen. Wie die Gemälde an den
Wänden der Kirchen, die Heiligenbilder, die den Zuhörern
nach der Predigt verkauft werden, das Bild,
auf das der Bänkelsänger auf der Strasse hinweist,
so soll auch die Illustration im Buche nur dem
Worte Nachdruck verleihen, die Aufmerksamkeit
des Hörers fesseln, seine Schaulust befriedigen; sie
soll einen Ruhepunkt bilden für das Auge des Lesers
und für seine ausgestaltende Phantasie, die Monotonie
der Zeilen unterbrechen und das Blatt schmücken.
Ihre Absicht ist also nicht sowohl eine belehrende,
als vielmehr eine künstlerische.
Die alten Illustratoren verallgemeinern deshalb
in richtigem, naivem Stilgefühl den darzustellenden
Vorgang so viel als möglich und geben von dem,
was ihn als das bestimmte Ereignis kennzeichnen
soll, nur soviel, als unbedingt notwendig ist; sie vermeiden
jene verwirrende Masse von Gestalten und
von Einzelheiten der Handlung, durch die die
spätere und besonders die moderne Kunst sich um
ihre beste, d. h. unmittelbare Wirkung bringt, indem
sie an das Wissen und die Findigkeit des Beschauers
zu grosse Anforderungen stellt und seiner
Phantasie keinen Spielraum mehr lässt.
Leider ist die künstlerische Blüte der italienischen
Buchillustration nur eine sehr kurze. Die weise
Beschränkung auf wenige, aber mit aller Sorgfalt
und Vorzüglichkeit ausgeführte Schmuckstücke und
Bilder macht bald, schon im Anfange des XVI. Jahrhunderts
, der Vorliebe für eine massenhafte und
wahllose Verwendung von Holzschnitten aus älteren
Büchern oder schwachen Kopien nach ihnen Platz,
und auch die grosse Masse der neuen Arbeiten
steht an Feinheit der Zeichnung und der Ausführung
weit hinter den Meisterwerken des XV. Jahrhunderts
zurück.
Während in Deutschland gerade seit dem Beginne
des XVI. Jahrhunderts die vorzüglichsten
Meister der Feder und des Pinsels, wie Dürer
Holbein, Burgkmair u. a., einen grossen Teil ihrer
besten Kraft den graphischen Künsten und im besonderen
der Buchausstattung widmen, fällt in
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