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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_09/0053
urkundliche Notizen, die Licht auf die Lebensumstände
des Malers werfen, gebieten uns Einhalt.
Leider — wie die Dinge liegen — erblicken wir den
Lebensweg, der älteren Meister gewöhnlich nur dort
beleuchtet, wo er sich mit dem Wege der gemeinen
Ordnung kreuzt. Verfehlungen gegen die staatlichen
Vorschriften, Geldverlegenheiten und Nachlassbestimmungen
: das bleibt als dürre Speise, nachdem
alles Sagenhafte und Unbeglaubigte aus den Künstlerbiographien
ausgeschieden ist. Die wenigen „sicheren"

Nachrichten über das Leben des Frans Hals klingen
sehr traurig.

Am 20. Februar 1616 erscheint der Meister vor
den Stadthäuptern, verklagt wegen Misshandlung
seiner Gattin, und verspricht, sich der Trunkenheit und
anderer Ausschreitungen zu enthalten. Wenige Tage
darauf stirbt die Frau. Ein Zusammentreffen, das
— vielleicht ganz ungerecht — der Verfehlung die
Farbe schwerer Schuld giebt. Am 12. Februar 1617
geht Frans Hals eine zweite Ehe ein — mit Lysbeth

Frans Hals, Lachendes Mädchen.
Ehemals in der Sammlung Habich in Cassel.

Reyniers. 1652 werden sein Hausgerät und seine
Gemälde versteigert, auf Antrag eines Bäckers, dem
er eine beträchtliche Summe schuldet. Geldnöte
begleiten den Meister auf seinem Wege bis zum
Ende. Da seine Schaffenskraft abgenommen hat,
fällt er der Stadtkasse zur Last. Im Jahre 1664
setzt die Gemeinde dem Maler, der ihre Wohl-
thätigkeit schon öfters in Anspruch genommen hat,
eine jährliche Unterstützung von 200 Gulden aus.

Nicht weniger sicher aber als diese Thatsachen
ist, was die Werke des Meisters berichten. Ein
Künstler, der so ganz aus dem Eigenen, so unmittelbar
, ohne Falschheit und frei von Prätentionen

schuf wie Frans Hals, muss, in welcher Form auch
immer, seine Seele offenbart haben. Die vielen Bildnisse
, die wir von ihm besitzen, sind in gewissem
Sinne sämtlich Selbstporträts. Das aus den Urkunden
aufgestiegene Charakterbild scheint seine
Züge zu ändern. Statt Rohheit und dumpfer Schwelgerei
blickt uns aus lachenden Augen Lebenskraft
und Genussfreudigkeit an, und über den Jammer
des Alters breitet sich der Schleier philosophischer
Resignation. Niemand hat das Lachen in hundert
Nüancen gemalt wie Frans Hals, selbst Jan Steen
nicht. Niemand hat das körperliche Behagen, den
seligen Leichtsinn des fahrenden Volkes, die Lust


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