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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_09/0055
Zug der Götter zur Hochzeit des Peleus und der Thetis. Von der Francoisvase in Florenz.

Nach Furtwängler-Reichhold, Griechische Vasenmalerei Taf. i. 2.

Griechische Vasen.

WÄHREND die Meisterwerke griechischer
Plastik dem gebildeten Publikum gar wohl
vertraut sind, ist die griechische Keramik noch
ziemlich unbekannt. Oefter kann man in Museen die
Bemerkung machen, dass ihre Erzeugnisse nicht
einmal als griechisch erkannt, sondern gar für
ägyptisch oder assyrisch gehalten werden. Einer der
Gründe für diese Erscheinung ist wohl der, dass
jene Kunstwerke zum grössten Teil aus der Periode
der vollentwickelten Blüte stammen, die Vasen dagegen
meist der archaischen oder der noch ganz
strengen Kunst angehören, also nicht unmittelbar
zu dem modernen Kunstempfinden sprechen.

Die Griechen sind das einzige Volk des Altertums
, bei dem wir eine wirklich künstlerische Ausbildung
der Keramik finden. Ihre Betrachtung
gehört im Gegensatz zur Kunsttöpferei späterer Perioden
nicht nur in die Geschichte des antiken Kunstgewerbes
, sondern sie nimmt einen breiten Raum in
der allgemeinen Kunstgeschichte des Altertums ein.
Einmal nämlich müssen uns die Vasenbilder die
Vorstellung von der verlorenen Monumentalmalerei
ersetzen — in der alten Zeit ist der Abstand zwischen
beiden Zweigen sehr gering —, dann aber hat die
Vasenmalerei auch eine Glanzperiode gehabt, in der
sie so selbständige Wege ging, dass wir wirklich bedeutende
Künstlerindividualitäten unter ihren Meistern
fassen können.

Schon in der Gefässgattung, die man nach
ihrem ersten massenhaften Vorkommen in Mykenae
die mykenische nennt, und deren Blüte in die Mitte
des zweiten Jahrtausends v. Chr. fällt, treten uns
die Vorzüge entgegen, durch die sich die ganze
griechische Keramik von der anderer Völker unter-
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scheidet, der fein durchgearbeitete Thon, die aufs
mannigfaltigste entwickelte elegante Form und die
Verwendung der vorzüglichen sogenannten Firnisfarbe
, die bald rot, bald braun oder tiefschwarz
erscheint und durch einen Verglasungsprozess eine
herrlich glänzende Oberfläche erhält. Die Dekoration
ist vorwiegend naturalistisch, die Motive werden
der Pflanzenwelt und der niederen Tierwelt des
Meeres entnommen.

Ein Bauernstil mit rein geometrischen Ornamenten
verdrängt allmählich den mykenischen; vom
Anfang des ersten Jahrtausends an herrscht er
in der griechischen Keramik. Allmählich aber ist in
seinem strengen System eine Zersetzung zu bemerken.
Einmal dringen mykenische Motive, die nicht ganz
ausgestorben waren, wieder ein, dann aber macht
sich der starke Einfluss der orientalischen, hauptsächlich
assyrischen Kunst geltend. Ihre Vermittler
waren wohl die Phöniker. Gewerbliche Erzeugnisse,
wie Metallgefässe, reichverzierte Stoffe, mögen die
Träger des Einflusses gewesen sein. Diese Kunst
bringt der griechischen neue Ornamente, namentlich
die so fruchtbar werdende Verbindung der Palmette
mit der Lotosblüte, die dekorativ verwandten Reihen
laufender oder weidender Tiere.

Eine starke Triebfeder für die Entwickelung
der griechischen Kunst wurde schliesslich der überreiche
Sagenschatz des Volkes, der zu bildlicher,
mythologischer Darstellung drängte. Durch sie wird
der ornamentale Schmuck der Gefässe allmählich auf
die untergeordneten Stellen zurückgedrängt.

Wohl zwei Jahrhunderte hat dieser Gärungs-
prozess gedauert. Sein abgeklärtes Resultat liegt
uns in den Bildern des sogenannten schwarz-

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