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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_09/0057
umgestaltend auf die attische. Sie trifft hier in der
Keramik mit der schon vorhandenen höchsten Ausbildung
der technischen Mittel zusammen: die fein
geschlemmte Erde hat durch Farbezusatz einen
warmorangeroten Ton bekommen, die glänzende
schwarze Firnisfarbe hat eine Vorzüglichkeit erreicht,
die noch die Schönheit des japanischen Lacks übertrifft
, das Können der Töpfer ist virtuos.

Gleichzeitig beginnt eine neue Malweise, deren
Anfänge auch schon in Jonien vorhanden sind, die
aber in Attika ihre höchste Ausbildung findet. Es
ist die sogenannte rotfigurige Malerei, durch die
Attika bald die völlige Alleinherrschaft in der
Keramik erringt. Umgekehrt wie bisher wird der
Grund des Gefässes schwarz gedeckt, die Figuren,
die mit einem Griffel in kühnen aber sicheren Strichen
vorgezeichnet sind, werden in der Farbe des Thongrundes
ausgespart. Für die Innenzeichnung, namentlich
die Angabe der Muskeln, teilweise auch für die
malerische Wiedergabe des Haares und für die
Gewandfalten wird die Firnisfarbe in verdünntem
Zustande verwendet, in dem sie bald gelb, bald
rötlich braun erscheint.

Auch der Kreis der Darstellungen verändert
sich. Schon bei den Bildern der oben genannten
Amphora des Exekias konnte man beobachten, wie
ganz entsprechend einer Erscheinung in der christlichen
Kunst die mythologische Darstellung in das
Genrehafte überging. Jetzt tritt das tägliche Leben
in seine Rechte. Trinkgelage, schwärmende Zecher,
Bilder aus Handel und Wandel, aus der Palästra,
auch kräftige, aber genial vorgetragene Obscönitäten
schmücken die Gefässe. Die Künstler wollen Vorwürfe
, bei denen sie den nackten menschlichen
Körper in allen möglichen Stellungen und den damit
verbundenen Verkürzungen zeigen können. Von
mythologischen Szenen kommen darum besonders
solche zur Darstellung, die Gelegenheit zur Be-
thätigung dieses Strebens geben, wie z. B. die
Thaten des Herakles oder der tolle Schwärm des
Dionysos, der ein sehr beliebtes Thema bildet.
Diese Vorliebe für den nackten Körper ist ein unterscheidender
Zug der attischen wie der peloponne-
sischen Kunst dieser Zeit gegenüber der jonischen,
die den bekleideten bevorzugt. Der starke jonische
Einfluss hat also die Eigenart der attischen Kunst
nicht unterdrückt, sondern sie belebt, indem er ihr
die Mittel zu kräftigerer Aeusserung gab.

Wie sehr das Künstlerbewusstsein auch in den
Vasenmalern dieser Periode erwacht war, lehren
uns die bedeutend vermehrten Signaturen. Eu-
phronios, Duris und Brygos treten uns als die hervorragendsten
Meister entgegen. „Wie nie Euphronios"
schrieb ein wetteifernder Genosse, Euthymides, auf
eine Amphora, die jetzt in München aufbewahrt wird.

Von der attischen Malerei kurz vor und nach
den Perserkriegen geben uns die Werke dieser
Künstler fast allein eine Vorstellung. Es versteht
sich, dass hinter ihnen grössere Meister standen,
denen sie viel verdankten. Aber diese Thatsache
nimmt unsern Kleinmalern nicht das Verdienst
selbständig strebender Künstler, die als solche die
Anregungen der grossen Kunst zu verarbeiten
wussten. Für die von ihnen bevorzugten Stoffe aus
dem gewöhnlichen Leben bot ihnen die grosse
Kunst keine unmittelbaren Vorbilder, und bei den
grossen Trinkschalen, in deren Bemalung ihre
Hauptthätigkeit bestand, mussten sie in der gefälligen
Füllung des Rundes des Innenbildes wie
des noch viel schwierigeren Feldes der Aussenseiten
ihr Bestes aus sich selbst geben.

Ganz anders wird es in der Zeit nach den
Perserkriegen, da die Vasenmalerei ganz unter den
Einfluss der monumentalen Kunst des grossen
Thasiers Polygnotos und seines Genossen, des
Atheners Mikon kommt und sich sogar Kopien ihrer
Werke, deren viele die öffentlichen Gebäude in Athen
schmückten, auf Vasen nachweisen lassen. Wieder beherrschen
mythologische Stoffe den Kreis der Darstellungen
, aber in der neuen Gestalt, die ihr jene
grossen Meister gegeben haben. In demselben
Masse aber, wie die kunstgeschichtliche Bedeutung
dieser Vasen für uns wächst, vermindert sich das
Interesse an ihren Malern. Gewiss besitzen auch sie
ein grosses Können, ja ein grösseres, als ihre älteren
Genossen, ihre Figuren sind gefälliger als jene des
strengen Stiles, aber man fühlt bei ihnen nicht mehr
das mühevolle, selbständige Ringen, das die älteren
Werke bei eingehender Betrachtung so anziehend
macht. Bezeichnend ist es auch, dass wir aus dieser
jüngeren Periode verschwindend wenige signierte
Gefässe besitzen.

Ein hervorragendes Beispiel dieses sogenannten
schönen Stiles ist der Napf des Berliner Museums, der,
auf zwei Seiten verteilt, die Darstellung der Tötung
der Freier durch Odysseus trägt (Abb. S. 48). Auf der
einen Seite steht der Held mit der leichten Tracht
des Schiffers, in ganz augenblicklicher Haltung, mit
schussbereitem Bogen. Zwei der ungetreuen Mägde
stehen hinter ihm in angstvoller Erwartung ihres
eigenen Schicksals. Die andere Seite schmückt eine
Gruppe von drei Freiern. Zwei ducken sich wie
die Hühner vor dem Habicht. Der eine kniet noch
auf dem Lager, mit der einen Hand hält er in
schwacher Abwehr sein Gewand vor, die andere
streckt er wie flehend gegen den Rächer aus. Der
andere kauert neben dem Bett und sucht sich mit
dem vorgehaltenen Speisetisch zu schützen. Prächtig
ist die Figur des dritten, vom Rücken gesehenen, der
beim Empfang der Todeswunde in jähem Schmerz

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