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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_09/0069
Schubun, (Anfang des 15. Jahrhunderts
), und Masanobu, geb. 1453,
der Begründer der Kanoschule, die
von seinem Sohne Motonobu
(f 1559) aD die japanische Malerei
beherrscht. Es ist bezeichnend,
dass gerade in der Zeit, wo unter
dem Einfluss der europäischen
Malerei die immer lebendige Neigung
zum Naturalismus wächst,
im Gegensatz dazu auch die ersten
eigentlichen Pinselvirtuosen auftreten
, als erster und grösster
Kano Tanju (1602—1674), ein
wahrer Hexenmeister des Pinsels.
Im 18. Jahrhundert schreiten dann
die neuchinesische und die aus
ihr hervorgewachsenen, mit europäischen
Elementen versetzten naturalistischen
Schulen auch auf
diesem Wege fort. Marujama

Okio (i733—T795) z- B-> der Begründer
der Marujamaschule, dessen
naturalistische Landschaften
und Tierbilder den Beifall der
japanischen wie der europäischen
Kritiker gefunden haben, entfaltet
in seinen Skizzen nach dem Leben
die unerhörteste Pinselfertigkeit
und wird darin vielleicht nur von
seinem Schüler Rosets' (1754 bis
1799) übertroffen.

Die sehr beabsichtigten Fehler
der japanischen Perspektive sind
oft genug mit Ernst gerügt worden,
und selbst die wohlwollendsten
Kritiker haben geglaubt, sie nur
mit den vielen Schönheiten der
japanischen Malerei entschuldigen
zu dürfen — als wenn man den
stolzen Flug des Adlers preisen,
aber bedauern wollte, dass er
Flügel habe. Denn der geheimnisvolle
Zauber, der um die Landschaften
jener grossen chinesischen
Meister webt, beruht zum grössten
Teile auf diesen scheinbaren Unvollkommenheiten,
die uns aus dem Bereiche aller optischen und
physikalischen Gesetze in eine sehr unwirkliche
aber darum nicht minder wahre Welt voll düster
träumerischer Schönheit emporheben. Gerade mit
ihrer „falschen" Perspektive erreichen sie die un-

Seschu, geb. Akahama um 1420,

gest. Kioto i5o6. . Landschaft.
Japan, Privatbesitz. Kakemono (Rollbild),
Papier.

einem seltsamen Lichte glühenden
steilen Zinnen aus einem Meere
gespenstischen Nebels in unermess-
liche Höhe hinaufrecken, eine ganze
Traumwelt, wie sie nur dem
Sonntagskind erscheint. Neben
diesen Feenlandschaften, wahren
Gedichten von Form und Farbe,
erscheinen die unendlich gewissenhaften
Licht- und Luftstudien
mancher europäischen Maler geradezu
nüchtern und plump.

Ein grosser Teil der europäischen
Kunst hat seine feinsten
Reize aus dem geheimnisvollen
Spiel des Lichtes gezogen,,— davon
weiss der japanische Künstler
sehr wenig. Er kennt keine tiefen
Schatten, die er allezeit als
Schmutzflecken in die Acht gethan
hat, und keine hellen Lichter —
alles strahlt bei ihm in einem
geheimnisvollen eigenen Lichte —
Sonne und Mond stehen, wenn sie
gemalt sind, als glanzlose Scheiben
am Himmel, ohne Licht zu
spenden und den Wurf des Schatten
zu bestimmen. Trotzdem
haben sie mit diesen einfachen Mitteln
die stärksten und eigenartigsten
Lichtwirkun^en erzielt, und
die ganze feerie du jour mit einer
unmittelbar packenden Kraft zu
malen gewusst, die nur die grössten
europäischen Landschafter
besitzen.

Von jeher hat sich die Anatomie
der japanischen und chinesischen
Figurenbilder der gründlichsten
und berechtigsten Verachtung
aller Verehrer wissenschaftlicher
Korrektheit zu erfreuen gehabt.
Es ist in der That kaum zu leugnen
, dass japanische Künstler, wie
Kose-no-Kanaoka, der grosse buddhistische
Maler des 9. Jahrhunderts
, und seine ihm ebenbürtigen Nachkommen und
Schüler, dass die Maler der Takmaschule, die sich
im 11. Jahrhundert von der Schule Koses absonderte
und in der dieselbe verhaltene Leidenschaft glüht wie
in den religiösen Meisterwerken der Sungzeit, der Rio-
kai und Ri Riumin, dass endlich die höfischen Künstler

erhörtesten Wirkungen. Vergebens sucht man auf der Kas'ga- und Tosaschule, der einzig nationalen, die
europäischen Bildern diese in unermessliche Weiten Japan hervorgebracht hat, sich Fehler in der Anatomie
zurückgehenden Horizonte, diese Berge, die ihre in ihrer Figuren erlauben, die dem jüngsten Schüler

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