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den Ausdrucksweisen dieser beiden Meister zu geben. Dieses ruhig und regelrecht gestufte, aktionslose
Und die frühesten beglaubigten oder doch un- Nebeneinander der Madonna, der Heiligen und der
zweifelhaften Altarwerke, die Memling in Brügge Donatoren wurde die Lieblingsvorstellung Memlings,
ausführte, lassen die Abstammung aus dem Brüsseler die er in vielen Variationen zur Befriedigung seiner
Atelier deutlich genug erkennen. Die Entwickelung Zeitgenossen wieder und wieder ausprägte. Dieselbe
Memlings ist nichts als eine allmähliche Befreiung Stimmung würdiger Repräsentation herrscht, wenn
aus dem Banne Rogers. Das zierliche, heitere, anmutige
Wesen des jüngeren Meisters tritt immer
reiner hervor. Die Natur Memlings und die Zeit, der
allgemeine Geschmack gehen denselben Weg. Mit
jedem Jahre entfernen wir uns
weiter von dem Heroenzeitalter
der niederländischen Malerei.
Die neue Freude an schlanker
Formenschönheit ist ein Merkmal
des Epigonentums. Memling
wurde der bevorzugte Maler
der letzten Generation des 15.
Jahrhunderts.
Mehrere Hauptwerke des
Meisters sind datiert oder doch
einigermassen sicher datierbar,
etwa dadurch, dass die Lebensdaten
der dargestellten Stifter
und ihrer Familienglieder ermittelt
werden konnten.
Wahrscheinlich kurz vor
1470 malte Memling das, jetzt im
Antwerpener Museum bewahrte,
Porträt des italienischen Medailleurs
Spinelli, der, 1430 geboren
, im Dienste Karls des
Kühnen in den Niederlanden
thätig war. Aelter als vierzig
Jahre scheint der Dargestellte
nicht zu sein. Der Porträtierstil
des Meisters erscheint hier
schon in allen Eigentümlichkeiten
festgestellt. Wir besitzen
Bildnisse von seiner Hand, die
Hans Memling
Stuttgart, Koni
nur Engel, wenn nur die Stifter bei der Madonna
sind, und selbst wenn die Mutter mit dem Kinde
allein ist; dieselbe Stimmung herrscht, wenn die drei
Könige dem Kinde huldigen.
Etwa 1475 mag der Meister
den Thomas Portinari und die
Gattin dieses grossen Florentiner
Kaufmannes gemalt haben. Diese
Bildnisse sind jetzt im Pariser
Privatbesitz. Wahrscheinlich für
Portinari und etwa um dieselbe
Zeit ausgeführt wurde die jetzt in
der Turiner Galerie bewahrte
Tafel, auf der die Passion Christi
dargestellt ist. Viele aufeinander
folgende Vorgänge sind hier über
eine weite, kunstreich und künstlich
aufgebaute landschaftliche
und architektonische Scenerie
verteilt. Man betrachtet diese
Tafel, und die ähnlich gestaltete
Darstellung der „Freuden Mariae"
in München, wie man ein Buch
mit Miniaturen durchblättert, während
die scheinbar einheitliche
Landschaft den fliessenden Zusammenhang
der epischen Schilderung
fördert.
Das Hauptwerk dieser früheren
Zeit aber ist der durch wunderbare
Zufälle nach Danzig verschlagene
Altar, das „Jüngste Gericht
". Hier wurde der Meister
durch die Aufgabe, die eine Fülle
erheblich altertümlicher aussehen,
wie die Halbfigur eines ganz
jungen Mannes mit mageren, sehr fein gegliederten
Händen, in englischem Privatbesitze, und das Porträt
eines Greises in der Berliner Galerie, das von geringer
Plastik, aber vortrefflich in der Zeichnung und im
Ausdruck ist. Im Jahre 1468, wie man mit guten
Gründen annimmt, wurde der Flügelaltar ausgeführt,
den der Duke of Devonshire besitzt. Der Stifter ist
ein Engländer, Sir John Donne of Kidwelly. Eine gemessene
Komposition, von etwas starrer Symmetrie,
ein wenig grämlich und befangen. Die Gottesmutter
genau in der Mitte, ganz von vorn gesehen, rechts
und links die heiligen Hofdamen, die Engelpagen und
die Stifterfamilie, vasallenhaft, in Anbetung kniend.
Bathseba.
Gemäldesammlung.
von stark bewegten nackten Gestalten
und den Ausdruck der
in vielen Köpfen forderte,
höchsten Erregung
zu ausserordentlicher Bemühung getrieben. Um
nicht zu wenig zu thun, that Memling zu viel. Das
mahnende Vorbild seines grossen Lehrers trat gerade
bei dieser Schöpfung zu ihm.
Memling häufte in der Höllendarstellung die
exzentrischen Bewegungsmotive, gab ein Aeusserstes
an Wirrnis der Körper und erzwang doch, wie
meisterhaft jede einzelne Figur gestaltet ist, bei
weitem nicht den ernsten, unvergesslichen, erschütternden
Gesamteffekt, den Roger in seinem
Beauner Altar mit weit einfacheren Mitteln erreicht
hatte.
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