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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_09/0084
dessen, der das alles geschaffen, zu schweigen schien,
trug sicher mächtig dazu bei, dem Künstler die allgemeine
Gunst zu verschaffen, deren sich die Werke
des Genies im allgemeinen erst lange nach deren
Tode zu erfreuen haben. Schon zu seinen Lebzeiten
wurden ja Thorwaldsen auf der ganzen Welt
Ehrungen zu teil, als sei er eine Gottheit. Da war
es kein Wunder, dass eine Reaktion eintreten
musste; sie blieb auch nicht aus, und sie hält noch
jetzt vor. Aber die kritische Jetztzeit ist nicht
weniger oberflächlich als die unkritische damalige
Zeit es war, wenn sie aus dem Mangel an subjektiver
Oberfläche in seiner Kunst die Schlussfolgerung
zieht, dass es ihm überhaupt an Subjektivität
fehlt.

„Durchgehend für alle Figuren Thorwaldsens",
sagt Julius Lange, „ist eine gewisse Verschämtheit
in ihrem Wesen. Sie scheinen alle mehr eine leise
Tendenz zu haben, sich zurückzuziehen, als hervorzutreten
; ein scharfes, kühn entschlossenes Auftreten
liegt ihrem weichen Wesen jedenfalls fern". Genau
so verhält es sich mit der Art und Weise, in der
Thorwaldsens eigene Persönlichkeit in seinen Werken
hervortritt — oder wenn man will: zurücktritt.
Aber darin liegt wiederum etwas Nationales in
seinem Charakter, eine Verschämtheit, die die Dänen
als dänisch erkennen und die sie achten und ehren.
Es verhält sich denn auch nicht so, wie es,
namentlich von den Deutschen, gewöhnlich behauptet
wird — ohne dass man wüsste, auf welche Indicien
hin — dass „auch den Dänen ihr berühmter Landsmann
schon längst langweilig geworden ist" (Gurlitt)
oder dergleichen mehr. Im Gegenteil. Je mehr
die Welt, der er einstmals angehörte, sich geneigt
zeigt, auf ihn zu verzichten, um so deutlicher
wird es uns Dänen, dass er trotz allem der Unsere
war, und um so stärker fühlen wir uns zu ihm
hingezogen.

Emil Hannover, Kopenhagen.

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