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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_09/0090
Drachen. Ein Amor sucht ihn sacht bei Seite zu schieben,
lugend, ob auch der Besitzer des Helms sein Thun nicht gewahr
werde: zweifellos eine auf Wunsch des Bestellers gemalte,
nur nicht mehr verständliche Anspielung. Zu Füssen des Herrn,
halb unthätig, halb spürend, ein mächtiger weissgelber Jagdhund
. Weite Landschaft in brännlich-gelber Färbung weitet
sich hinten; so hat Velazquez es verstanden, die Landschaft
für die dekorative Wirkung des Bildnisses zu nutzen.

50. Cossa: Giovanni II. Bentivoglio und seine Gemahlin.
Bald nach seiner Uebersiedelung (1470) muss Cossa seinen
neuen Gönner, den Herrn von Bologna, und seine Gattin Gincora
Sforza, auf dem jetzt in Pariser Privatbesitz befindlichen Doppelbildnis
dargestellt haben, das früher dem Piero della Francesca
zugeschrieben wurde, mit dessen Porträts des urbinatischen
Herzogspaares es in der That gewisse Verwandtschaft zeigt.
Wie der Medailleur oder der Relief bildner wählt er reines Profil;
er zeichnet die wenig schönen Linien mit Härte nach. Nur die
Ausblicke in die Landschaft, die echte Cossalandschaft mit
vielerlei Einzelheiten, mildern etwas die Strenge des Ganzen.
Giovanni II. Bentivoglio hat vielfach Künstler in seinen Dienst
gezogen. Durch Cossa selbst Hess er die hochverehrte Madonna
del Baracano ausbessern und sich selbst mit seiner Gemahlin im
Gebet neben dem Bild darstellen; Cossa hat die Kapelle der Familie
in San Giaconio Maggiore geschmückt und dort ein Altarbild gemalt
, das das Fürstenpaar mit seiner reichen Nachkommenschaft
darstellt; Francia und seine Schüler haben die zierliche Cäcilien-
kapelle in seinem Auftrage ausgemalt. Nach vierzigjähriger
Herrschaft i5o6 aus Bologna verjagt, ist der Bentivoglio drei
Jahre danach in der Verbannung in Mailand gestorben.

51. Jacob van Ruisdael: Der Eichenwald. Jacob van Ruisdael
ist in der Berliner Galerie ganz besonders reich und vielseitig
vertreten. Neben den dunkel gefärbten energischen Naturstudien
seiner ersten Periode und den ruhigen Ansichten des Flachlandes
, die er in seiner Spätzeit ausführte, fällt das hier abgebildete
, erst 18g 1 erworbene Waldbild auf durch seine stattlichen
Masse und die wohl durchdachte Komposition. Die auf
den poetischen Effekt gerichtete Bemühung tritt deutlich, wenn
auch keineswegs störend, hervor. Das etwa 1660 entstandene
Gemälde ist mit dem Namen des Meisters signiert, nicht datiert
— wie fast alle seine Schöpfungen — und stammt aus der
Sammlung W. Wells in Manchester. Auf der berühmten Manchester
-Ausstellung von 1857, wo mit zwanzig Nummern die
Blüte der britischen Ruisdael-Bilder zu sehen war, stand unser
Bild, nach dem massgebenden Bericht W. Burgers, seiner Bedeutung
nach an dritter Stelle, unmittelbar nach der herrlichen
Ansicht von Bentheim, die jetzt Herr Alfr. Beit besitzt, und nach
dem grandiosen Waldbilde aus Worcester College in Oxford.

52. Marees: Der hl. Georg. Das Bild stellt ebensowenig wie
Marees' hl. Martin in Schieissheim einen katholischen Heiligen
dar. Die Gedankenwelt des in Rom früh verstorbenen, in
schwersten Kämpfen und Enttäuschungen nie sich beugenden
Künstlers drängte überall auf ein freieres, heldenhaftes Menschentum
, in gesunder, strahlender Leiblichkeit, in harmonisch natürlicher
Thätigkeit. Eine übergrosse Strenge gegen sich selbst
hat ihn zu einer Selbstzerstörung seiner meisten Bilder durch
immer neu aufgesetzte Korrekturen hingerissen; aber aus den
oft formenlosen und immer überpastosen Werken dringt doch
noch die Grösse höchster Forderungen auf uns ein. Bewegung,
Raum und Leiblichkeit, das sind immer wieder seine Ziele.
Unser Ritter kommt von rechts, gesprengt; dem Druck der
Schenkel seines Herrn gehorchend, steht das Ross plötzlich
still, während jener die schwere Lanze mit beiden Armen in
den Hals des gleissenden Untieres stösst. Dem Gegensatz des
dem Druck sich hoch entgegenstemmenden Pferdes zu der herab-
stossenden Kraft entspricht ein ähnlicher zwischen dem grossen,
blühenden Pferdeleib und dem molchartigen Scheusal am Boden.
Die etwas schmutzigen Farben der Skizze lassen die letzte
Klarheit der plastischen Entwickelung vermissen. Marees' Namen
wird nicht durch vollendete Meisterwerke der Unsterblichkeit
gesichert, wohl aber durch die sittliche Grösse seines Ringens
und die künstlerische Hoheit seiner Gedanken. Seine Ehrlichkeit
und Wahrhaftigkeit geht über die Feuerbachs heraus, der nie
das Pathos ganz entbehren konnte. Die deutschen Neuidealisten
verehren in ihm ihren grössten Lehrer.

53. 54. Westportal des Dom zu Chartres. Am Chartreser Westportal
haben, so einheitlich das Ganze sich darstellt, doch verschiedene
Künstler gearbeitet. Man kann einen Hauptmeister, der
zugleich der klassische Vertreter des neuen Stiles ist und mehrere
Nebenmeister (an den Seitenportalen) unterscheiden. Ausgeführt
ist es wahrscheinlich zwischen 1140 und 1160. Es ist die
erste dreiportalige Anlage seiner Gattung. Denn in St. Denis, wo
ebenfalls drei Statuenportale gegeben waren, werden dieselben
durch die Streben der Türme getrennt, nicht wie hier in ein
System zusammengezogen. — Charakteristisch sind für den
Aufbau die grösseren Proportionen des Hauptportals gegenüber
den kleinlicheren Abmessungen der Seitenpforten (auch am Gewände
, wo an den letzteren Baldachine zwischen Statue und
Kapitell eingeschoben sind). Durchlaufende Horizontalen, die
das Ganze zusammenhalten, sind durch die gleichmässige Behandlung
der Sockel und die gleiche Simshöhe der drei Thüröffnungen
erreicht. Sorgfältig durchdacht ist auch der Inhalt.
Die Geschichte der Erlösung ist dargestellt, doch ist die
Kreuzigung dem Chore vorbehalten. So finden wir denn an
den Gewänden die Statuen der königlichen Vorfahren Christi
(nach der Geneologie bei Mathäus), auf den Seitentympanen
sind Anfang und Ende der Erdenlaufbahn, Geburt und Himmelfahrt
, einander gegenübergestellt. Das mittlere zeigt den Thronenden
in seiner Herrlichkeit, umgeben von den Evangelistensymbolen
.

55. Tympanon von der Notre Dame-Kirche zu Paris. Das

Portal der heiligen Jungfrau ist das linke von den drei Portalen
der Westfnssade. Es bildet den gewöhnlichen Eingang
in die Kirche. Es dankt seine Entstehung erst der Zeit um
1200, wo der mit dem Ostchor im Jahre 1160 begonnene
Bau bis zur Westfront vorgerückt war. Man nimmt jetzt
an, dass es 1208 schon fertig dastand; ältere Forscher hatten
es erst dem zweiten Jahrzehnt des Jahrhunderts zuweisen wollen.
Die drei Portale, bei denen ältere, bei Beginn des Baues
gearbeitete Skulpturen mit zur Verwendung kamen, bilden eine
nur lose verknüpfte Komposition; auch inhaltlich stellen sie
keinen streng geschlossenen Cyklus dar. Unser Marienportal
links ist das Meisterwerk. Der die Madonna am Mittelpfeiler
krönende Baldachin wird auf dem Tympanon in der Mitte unten
sichtbar. Ein kleiner Säulenaufbau schmückt ihn; in diesem
steht ein kastenartiger Schrein; er soll die BunJeslade darstellen,
die im Mittelalter als Sinnbild auch des neuen Bundes, insonderheit
aber als das der Madonna galt. Daneben beginnt (links
und rechts) ein Cyklus von Propheten und königlichen Vorfahren
. Die reife Künstlerschaft des Meisters zeigt sich in der
weisen Beschränkung, mit der er nur einzelne Vertreter ausgewählt
, die übrigen aber auf den Archivolten angebracht hat.
Ebenso ist auf dem Mittelstreifen nicht wie üblich die Sterbeszene
(mit den klagenden Aposteln) der der Auferweckung der
Madonna aus dem Grabe (durch die Engel) gegenübergestellt,
sondern nur die letztere Szene ist dargestellt. Dadurch vermied
der Meister ein störendes, die Ruhe beeinträchtigendes Nebeneinander
statuettenhaft kleiner und lebensgrosser Figuren. Aus
demselben Grunde sind auch die Figuren an den Archivolten
nicht in ganzer Figur, sondern in Brustbildern gegeben mit
Ausnahme derer des unteren (horizontalen) Streifens, für die
ein grösserer Block zur Verfügung war. Dass es dem Mittelalter
in seinen Kompositionen nur auf Verdeutlichung eines Erzählungsinhalts
angekommen sei, dass man darüber hinaus an
der künstlerischen Durchbildung einer Komposition kein Interesse
genommen hätte, wird durch ein Werk wie dieses widerlegt.

56. Königsstatue von der Kathedrale zu Reims. Die alte
Krönungskirche der französischen Könige weist an ihren
Fassaden zwei Cyklen von Königsstatuen auf. Der eine bildet
die sogenannte galerie des rois an der Westfassade (wegen
der Darstellung der Taufe Clodwigs auf die französischen
Könige zu deuten). Ein kleinerer Cyklus von 16 Statuen
findet sich an den Strebepfeilern der beiden Transepte. Er
fügt sich als ein Intermezzo den auf den Streben der Apsis
und denen der Langhauswände stehenden kolossalen Engelgestalten
ein. Ob dieser Cyklus auf die französischen oder die
jüdischen Könige zu deuten ist, bleibt ungewiss. Künstlerisch
stehen die Königsstatuen der Transepte weit über den späteren
der Fassade. Jene gehören zu den Werken aus der Zeit des
Uebergangs vom feierlichen zum bewegten Stile und sind etwa
zwischen i23o und i25o zu datieren. Allerdings ist bei den
kolossalen Verhältnissen, denen das ohne Modell arbeitende Mittelalter
technisch nicht recht gewachsen war, und der Bestimmung
für die Oberwände eine peinlich gleichmässige Durchführung
nicht zu erwarten. Aber alle Erwartungen übertrifft die Schönheit
und Lebendigkeit der Köpfe. Besonders fein ist in dem hier
abgebildeten (einer Statue der Nordseite, links neben dem Adam
gehörig) das Momentane des Ausdrucks getroffen; mit dem
Zusammenziehen der Brauen verbindet sich ein leises Pressen
und Hinaufziehen der Mundwinkel. Durch die neueste Forschung
(Dehio, Weese) wurde dar Zusammenhang des Kopfes mit dem
des Bamberger Reiters (Bd. IV, Taf. 15 2) erwiesen. Der deutschen
Nachschöpfung gegenüber fällt wieder die eigentümliche Zartheit
des französischen Kopfes auf. Er blickt nicht über die Schulter-
wie die Abbildung vermuten lässt, sondern geradeaus.

57. Cellini: Herzog Cosimo I. von Florenz. Als Cellini nach
seiner Rückkehr (1545) sich anschickte, die Statue des Perseus
zu giessen, lag ihm daran, die in Florenz vorhandenen Thonerden
, die zu den Formen dienen sollten, zu erproben und
überhaupt sich in der Arbeit des Erzgusses in grossem Mass-,
Stabe zu versuchen, ehe er das gewaltige Werk wagte, dessen
Misslingen seinen ganzen Ruhm vernichtet haben würde. Zugleich
wünschte er das Interesse seines Brodherrn, des launenhaften
und nicht immer gnädigen Herzogs Cosimo, zu fesseln, und so
modellierte er dessen Büste in überreichem römischen Panzer
und Draperie, mehr als lebensgross, goss sie und erzielte mit
ihr den schönsten Erfolg. Der Kopf des Herzogs erhält durch
seine leichte Wendung und Neigung etwas ungemein Lebendiges,
und dieser Ausdruck wird durch den energischen Blick der

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