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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_09/0096
Zeugnis. Unter ihnen steht die Statue des Louvre in der Feinheit
und Treue der Wiedergabe an erster Stelle. Sie ist wahrscheinlich
in Frejus in der Provence gefunden. Wie die rechte Hand und
der vordere Teil des rechten Fusses, ist auch die linke Hand
mit dem Apfel modern, doch ist die Richtigkeit der Ergänzung
durch andere Exemplare gesichert. Die Wiederholung auf einer
römischen Münze hat früher Veranlassung gegeben, die Statue
fälschlich mit der im Auftrage Caesars von dem Künstler Arkesilaos
verfertigten Venus Genetrix zu indentifizieren.

103. Rembrandt: Titus van Rijn. 1641 kam Rembrandts Sohn
Titus, zur Welt, ein Jahr vor dem Tode seiner Mutter Saskia.
Da das älteste Kind des Meisters bereits 1638, ganz jung,
gestorben war, blieb Titus ihm als die einzige lebende Erinnerung
an die sonnige Zeit der ersten Ehe in den schweren Jahren,
die folgten. Doch erlebte Rembrandt noch den Schmerz, auch
diesen Sohn zu verlieren. Titus starb schon 1668. Unser Gemälde
ist 1655 datiert. Die Formen und Züge des hübschen Knaben
passen wohl zu dem Alter von 14 Jahren. Und da das Modell
in anderen Bildnissen aus dieser Zeit wiederkehrt — in einem
beim Earl of Spencer, ohne Datum, in einem beim Earl of Crawford
and Balcarres, auch von 1655 —, so hat die Vermutung viel
Wahrscheinlichkeit, dass hier wirklich Rembrandts Sohn dargestellt
sei. Unser Bild kam aus dem. Wiener Kunsthandel
in das Haus des glücklichsten Rembrandt-Sammlers unserer Tage.

104. Grabplatte des Bürgermeisters Berck und seiner Frau.

Unter den eingravierten Metallplatten, die als Gräberschmuck
vonFlandern aus über England und den ganzen nördlichen Continent
verbreitet wurden, ist die des Bürgermeisters Tidemann Berck
(f i5zi) und seiner Frau Elisabeth geb. Möller (f i5o3) in der
Marienkirche zu Lübeck eine der am sorgfältigsten ausgeführten.
Früher im Hochchor gelegen, ist sie jetzt an der Wand des Chorumganges
aufgerichtet. Von den einzelnen Platten, welche sie
zusammensetzten, sind die unteren leider verloren gegangen und
damit ein Teil der figurenreichen Umrahmung. In kleinen
Scenen, die sich in die Windungen des Schriftbandes einfügen,
ist hier der Gang des menschlichen Lebens geschildert, aber von
seiner düsteren Seite, ohne Hinweis auf die Freuden. Die erklärenden
Beischriften lauten:

gheboren yn wene Geboren in Weinen,

mit zurghen ghevoet mit Sorgen ernährt,

vroescepe clene Geringen Verstand hat,

't welc joncheit doet was die Jugend thut.

nu pinic om goed Nun müh' ich nach Gütern

flau is miin moed Flau ist mein Mut

houdheid comt an Das Alter kommt an

dat sal my baten
adieu eerdsche State
adieu melodie
yc moet myr Straten
ghedinct miins Marie.

das soll mir helfen (ein Engel)
adieu irdische Schätze,
adieu Melodie,
ich muss meiner Strassen,
Gedenkt mein, Marie.

Unten fehlen zwei Darstellungen mit den dazugehörigen Versen,
so dass das Gedicht in der Mitte unterbrochen ist. In den Ecken
sitzen Propheten und Sibyllen mit lateinischen Sprüchen, die
vom Tode reden. Die ganze Fläche ist mit Ornamenten übersäet
, so dass die Gestalten der Verstorbenen mit ihren Wappen
sich klar von einem enggefügten Brokatmuster abheben, der
Eindruck sich aber dem eines Teppichs nähert.

105. Francesca: Altarwerk. Einem uns erhaltenen Kontrakt
zufolge wurde das Altarwerk im Jahre 1445 Piero von der
Brüderschaft der Misericordia in Auftrag gegeben. Auf dem Mittelbilde
breitet Maria den Mantel der Gnade über einer andächtigen
Gemeinde aus. Ihr zur Seite stehen links Johannes der Täufer
und Sebastian, rechts ein Heiliger mit Buch und Bernardin von
Siena. Das Mittelstück wird von einer kleineren Darstellung
des Kruzifixes mit Maria und Johannes bekrönt. Die Seitenteile
sind von kleinen Heiligenfiguren und den Gestalten der Verkündigung
eingeschlossen. Auf der Predelle folgen von links
nach rechts: Christus am Oelberg, Geisselung, Grablegung,
Christus erscheint Magdalena, Besuch der Frauen am Grabe.
Vgl. auch S. 54.

106. Francesca: Die Auferstehung. Der Künstler steht in
diesem Gemälde, was die Figurenbildung betrifft, auf der Höhe
seines Könnens. Es ist vermutlich am Anfang der sechziger
Jahre des i5. Jahrhunderts entstanden und eine der gewaltigsten
Darstellungen des Vorganges, die die christliche Kunst geschaffen
hat. Die Wiedergabe der Landschaft ist ganz in grossen Zügen
gehalten und erreicht noch nicht die Wirkungen, die der Meister
auf späteren Werken mit landschaftlichen Schauplätzen zu erreichen
wusste. Die Scene wird von einer mit feinem architektonischen
Verständnis von Piero entworfenen in Steinfarbe
gemalten Umrahmung eingefasst. Sie besteht aus zwei marmel-
lierten Säulen mit schönen Basen und prächtigen korinthischen
Kapitellen, die ein einfaches Gebälk tragen. Vgl. auch S. 55.

107. Francesca: Die Vision Konstantins. Es ist Nacht. Der
Kaiser liegt im Bette seines Zeltes in friedlichem Schlummer.
Zwei Krieger halten zu beiden Seiten des Zeltes Wache, in
statuarischer Ruhe, wie zwei Bildsäulen. Auf dem Bettpostamente

sitzt ein Leibdiener des Kaisers, das Haupt auf die Linke gestützt.
Wachen Auges, aber, träumerisch, in Gedanken versunken, blickt
er ins Weite. Von der linken oberen Bildecke kommt der Engel
herabgefahren, eine Gestalt von kühnster Verkürzung. In der
. auf den Kaiser gerichteten Rechten hält er das Kreuz: In hoc
signo vinces. Der Kopf ist zwischen dem ausgestreckten rechten
Arm und dem weit ausgebreiteten Flügel kaum sichtbar. Die
Beleuchtung allein verleiht dieser Figur ihre für die Handlung
so gewaltige Bedeutung. Von dem Kreuze geht alles Licht aus.
Der Engel treibt es gleichsam vor sich her, das Dunkel hinter
sich lassend. Von jener Quelle entspringend, überflutet es das
ganze Bild, erhellt die Vorhänge des Zeltes, sammelt sich im
Zentrum auf dem Kaiser und seinem Diener und lässt die
Rüstungen der beiden Wächter matt aufleuchten. Ein wunderbares
, märchenhaftes Spiel zwischen Licht und Schatten, von
geheimnisvoller Wirkung. Das Bild steht durch seine grandiose
Komposition wie durch den mystischen Farbenzauber nahezu
einzig da im Quattrocento. Vgl. auch S. 56.

108. Francesca: Die Perserschlacht. Zwischen Römern und
Persern ist die Schlacht entbrannt um das heilige Kreuz,
dessen sich der Perserkönig Chosroes bemächtigt hatte. Die
Leidenschaft der Kämpfenden ist auf beiden Seiten zu höchster
Wildheit angestachelt. Unvergleichlich grossartig hat der
Künstler das Gewühl des Kampfes veranschaulicht. Nur eine
schmale Bühne bietet dafür Raum; der Augenpunkt ist sehr
tief gelegt. Rechts in der Ecke findet die Hinrichtung des alten
Perserkönigs (nach gewonnener Schlacht) statt. Der Henker
holt eben zum Schlage aus. Den Hintergrund nimmt eine Gruppe
von Poiträtfiguren ein, die nach Vasari Angehörige der Familie
Bacci, für welche Piero die Fresken malte, darstellen soll.
Darüber steht unter einem Bogen mit reichen Verzierungen in
der Art, wie sie die ferraresische Kunst liebte, der Königsthron,
einem antiken Sessel nachgebildet. Links erhebt sich das Kreuz,
rechts der Hahn (ein Symbol der Verhöhnung des heiligen
Geistes), vom König zur Verspottung der christlichen Lehre aufgepflanzt
. Vgl. auch S. 56.

109. Van Dyck: Kardinal Guido Bentivoglio. Mit diesem
Bildnis hat van Dyck bald nach 1621, also in sehr jungen
Jahren, vielleicht sein glücklichstes Werk geschaffen. Im Aufbau
, in der Anordnung besitzt die Leinwand jenen effektvollen
Reichtum, den der Meister in Genua und auch später in London
seinen Repräsentationsporträts zu geben wusste. Ist er doch
der Schöpfer dieser Gattung geworden. Im Kolorit, das durch
das Vorbild der grossen Venezianer bestimmt ist, kommt der
„Bentivoglio" den besten in Genueser Palästen bewahrten
Schöpfungen des Meisters gleich; an Lebhaftigkeit des Ausdrucks
und Schärfe der Charakterstik übertrifft er wohl alle. Freilich
bot der Kopf des geistreichen und scharfsinnigen Italieners eine
besonders dankbare Aufgabe. Guido Bentivoglio wurde im Jahre
1621 Kardinal, nachdem er in den Niederlanden und in Frankreich
als apostolischer Gesandter thätig gewesen war. Die Beziehungen
zum Norden mögen den jungen vlämischen Maler zu
ihm geführt haben.

110. Steen: Das Mahl im Garten. Florenz ist die einzige
italienische Stadt, wo die Malkunst des Nordens ehrgermassen
würdig vertreten ist. Neben den Schöpfungen der italienischen
Meister berühren die niederländischen Bilder den Besucher, der
vom Norden kommt, eigentümlich vertraut. Von dem Hauptwerk
der altniederländischen Malerei, dem Altar des van der
Goes abgesehen, der die höchste Vorstellung von der Tiefe und
Innigkeit der niederländischen Naturbeobachtung giebt, erfreuen
auch einige Perlen der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts,
wie das reizende Gemälde des Jan Steen, das wir hier abbilden.
Die Komposition ist im schönsten Gleichgewicht von angenehmer
Einfachheit, keineswegs überlastet mit Motiven, wie so häufig
bei Jan Steen. Die Stimmung ist behaglich; nichts Ausgelassenes,
Derbes, Frazzenhaftes macht sich störend geltend. Die Zeichnung
und die malerische Behandlung sind so fein und sorgfältig, wie
sie der Meister in guten Stunden mühelos erreichte. Die Berliner
Galerie be itzt einen ,,Steen", der gegenständlich nahe
verwandt ist.

111. 112. Statuen des Asanga Bodhisatva und seines
Bruders Vasu Bandhu. Der Mönch Asanga in einem Kloster
Peschaurs, einer Stadt des kunstgeschichtlich so bedeutungsvollen
Gandaralandes im Pendschab, ist der Begründer jener Mahayana-
schule, die mit ihrem üppigen Polytheismus die reine und erhabene
Lehre des Buddha in den Ländern des nördlichen Buddhismus
so völlig überwuchert hat, dass dort der trostlose und stupide
Aberglaube des modernen Lamaismus die tiefsinnigste Weisheit
hat verdrängen können. Die gewaltige religiöse Kunst der
Chinesen, Koreaner und Japaner hat freilich aus den zahllosen
Buddhas und Bodhisatvas, den armseligen Produkten mönchischen
müssigen Scharfsinns die erhabensten Gestalten geschaffen, aus
denen dem empfänglichen Sinne die ganze unendliche Seligkeit
des Nirwans entgegenleuchtet. Man mag daher dem spitzfindigen
Mönche und seinem Bruder, von dessen wunderbarer Bekehrung
manche Legende erzählt, unser meisterliches Denkmal
und den Platz an heiligster Stelle Japans gönnen. Der Kopf
mit der markanten Schädellinie, das Antlitz, das die tiefsten Ge-

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