Augustinermuseum Freiburg i. Br., 1009/11
Das Museum: eine Anleitung zum Genuß der Werke bildender Kunst
Berlin, 11. Band.[1911]
Seite: 57
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Die van Eyck.

wo das Fegefeuer dargestellt
gewesen sein soll.
Der mittlere Teil mit vier
Tafeln steht noch heute
an seinem Ort in der St.
Bavo-Kirche, die ehemals
dem Johannes geweiht
war, zu Gent. Die Flügel,
acht auf beiden Seiten
bemalte Tafeln, sind in
das Berliner Museum gekommen
, bis auf zwei
Tafeln, die jetzt in der
Galerie zu Brüssel aufbewahrt
werden. Eine
lateinische Inschrift breitet
einiges Licht über die
Entstehung des Werkes,
sie stellt aber ebenso viele
Fragen, wie sie beantwortet
. Zu deutsch lautet
sie etwa:

„Der Maler Hubert
van Eyck, den Niemand
übertraf, begann das
Werk; sein Bruder Johannes
, in der Kunst

Im Jahre 1432 wurde der Genter Altar vollendet, falls in der Richtung der ganzen Aussage. Hubert
Die Stiftung Jodocus Vydts ist uns glücklich er- war 1426 gestorben; 1432 wurde der Altar aufgestellt,
halten mit Ausnahme der Predella, des Streifens am und die Inschrift verfasst - - doch wohl von Jan van
Fusse des Altarschreins, Eyck. Der Wunsch, des

dahingeschiedenen Bruders
und Lehrers rühmend
zu gedenken, gab
die Inschrift ein. Viel in
der That hat Jan damit
für den Bruder gethan.
Was wäre uns Hubert
van Eyck, wenn nicht diese
Inschrift immer wieder
mahnend auf seinen Anteil
am Genter Altare hinwiese
? Der Ruhm des
jüngeren Bruders hätte
seinen Namen erlöschen
gemacht. Jan überlebte
den Bruder um 14 Jahre,
überlebte ihn um die Zeit
derErnte. DieSaathatten
sie gemeinsam gethan.
Die Inschrift auf dem
Genter Altar scheint eine
Unbilligkeit des Schicksals
korrigieren zu wollen.

Jan stand in hohem
Ansehen. Die Fürsten
Johann von Bayern und
Philipp von Burgund
waren ihm wohlgeneigt.
Nicht sesshaft und den
reichen Bürgern zu Dank
wie die anderen niederländischen
Maler hat er

der zweite, vollendete es

auf Bitten des Jodocus

Vydt am 6. Mai 1432."
Der Wortlaut ist
nicht in allen Teilen
sicher überliefert. Namentlich
wird bezweifelt, dass die Wendung „in der
Kunst der zweite (arte secundus)" richtig gelesen
sei. Da aber das Lob, Niemand habe den älteren
Bruder übertroffen, jene Herabsetzung des jüngeren
implicite bestätigt, liegt das fragwürdige Urteil jeden-

Der Genter Altar bei geschlossenen Flügeln.

seine Kunst geübt, sondern
im Gefolge und im Auftrage eines unstäten
Fürsten. Der burgundische Hof schätzte in seinem
glanzvollen Nomadentum vermutlich keine andere
Eigenschaft des Malers so hoch — und steigerte sie
durch solche Schätzung — wie das wunderbare Ver-

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