Augustinermuseum Freiburg i. Br., 1009/11
Das Museum: eine Anleitung zum Genuß der Werke bildender Kunst
Berlin, 11. Band.[1911]
Seite: 55
(PDF, 164 MB)
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lassen, dass von der vollendeten Schönheit weniger
zu lernen sei als von den Vorstufen, die sie nur
erst ahnen lassen. Allein eben dies scheint den
Abstand zu begründen, der bei aller persönlicher
Zuneigung zwischen ihm und Cornelius vorhanden
war. Wenn dieser angesichts der Widersprüche, in
■denen sich die Kunstbestrebungen jener Tage bewegten
, zu dem Ausspruche kam: „ein deutscher
Maler sollte nicht aus seinem Vaterlande gehen!" —
so hat er damit zunächst, wie wir sahen, nur den
Instinkt seiner Jugend bekräftigt.

Um so erfreulicher war es, dass die trotz ihrer
mancherlei Gaben doch in Einem Geiste verbundenen
Genossen zu einer gemeinsamen Thätigkeit gelangt
sind. Sie hat auch für
Overbeck den Wert
einer gewissen Befreiung
. Denn neben seiner
Darstellung der „Verkaufung
Josephs", die
den gebundenen Stil der
Nazarener an sich trägt,
steht die Composition
der „Sieben mageren
Jahre", in welcher er
sich, offenbar angeregt
■durch die mächtige
Kunst-Sprache seines
Freundes, zu monumentaler
Grösse erhebt.
Allerdings ist dieses
von hohem Pathos erfüllte
Bild vor jenem
ausgeführt und beweist
somit, dass der Einfluss
des Freundes nicht
lange vorhielt. Ob er
aufs Neue mächtig geworden
wäre, wenn

Overbeck sich entschlossen hätte, mit Cornelius
nach München zu gehen (was König Ludwig
wünschte), bleibt fraglich, denn bei den bezüglichen
Verhandlungen hielt Overbeck mit grosser Aengst-
lichkeit darauf, dass ihm nicht Aufträge angesonnen
würden, die ihn genötigt hätten, aus seiner abgeschlossenen
Sphäre herauszutreten.

Die einzigen Bilder des Cyclus, welche nicht
zu den übrigen stimmen, sind die von Wilhelm
Schadow. Wenn auch gesinnungstüchtig trotz Einem
der Klostergenossen, war er doch in seiner Kunst
zu sehr Weltkind, um mit den Anderen Schritt
halten zu können. —

Die Mietwohnung Bartholdys im zweiten
Stock der Casa Zuccari zwischen Via Sistina und
Gregoriana bot nur ein gewölbtes Zimmer von geringen
Abmessungen zur Ausführung des Planes, bei
welcher Cornelius die entscheidende Stimme ha;te.
Anstatt einer leichten Dekoration, wie erst beabsichtigt
war, lieferten die Maler unter den bescheidensten
Bedingungen Bilder grossen Stils mit Figuren
in Naturgrösse, ja in den symbolischen Lünettenbildern
gingen sie — nicht zum Vorteil der Sache — sogar
über diesen Mafsstab noch hinaus. Die beiden
Hauptwände fielen Cornelius zu. Sie waren seitlich
durch schmale Thüren beschränkt, welche etwa
zwei Drittel der Höhe einnahmen. Der Künstler
wollte sich anfänglich dadurch nicht stören lassen.
Wir besitzen eine farbige Zeichnung von ihm,
welche den ersten Plan anschaulich macht. Sie befindet
sich ebenfalls in
der National-Galerie
und zeigt mit einigen
Veränderungen in den
Nebenfiguren die Composition
der „Traumdeutung
Josephs vor
Pharao" wesentlich in
der Fassung, die beibehalten
worden ist,
aber Cornelius benutzte
den Ausschnitt,
welchen die Thür oberhalb
freiliess, zu einer
Ergänzung, die auf den
Triumph Josephs hinweist
: wir sehen ihn
draussen als Retter des
Landes vorüberfahren,
ein Motiv, das später
wegfiel. Ausserdem aber
unterscheidet sich dieser
Entwurf wesentlich
von dem wirklich ausgeführten
durch die Behandlung
des Flachbogens, welcher das Bild krönt.
Hier hatte der Künstler eine Landschaft angeordnet,
um die fruchtbare Zeit der ersten sieben Jahre anzudeuten
; sie wird durch zwei BogenöfTnungen gesehen,
deren Schildfläche die allegorische Gestalt der Abun-
dantia oder Caritas mit erntebeladenen Putten zeigt,
und ähnliche Kinderfiguren sind beiderseits an den
Ecken angebracht. (Wir geben im Text eine kleine
Abbildung des gesamten Entwurfes und als Kopfleiste
die Lünette nochmals in grösserem Mafsstabe.)
Diese Einteilung hat offenbare Vorzüge vor derjenigen
, die schliesslich gewählt wurde. Wahrscheinlich
deshalb, weil den Mitarbeitern grösserer Spielraum
zu eigenen Erfindungen gelassen werden
sollte, gab man diese sehr anziehende und durch
ihre Leichtigkeit vorteilhafte Behandlung der Lünetten

55 -

Cornelius, Die Traumdeutung Josephs. (Erster Entwurf.)
Berlin, Kgl. Nationalgalerie. H. o.3g, br. 0.04. Bez. 1816.


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