Augustinermuseum Freiburg i. Br., 1009/11
Das Museum: eine Anleitung zum Genuß der Werke bildender Kunst
Berlin, 11. Band.[1911]
Seite: 42
(PDF, 164 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/das_museum_11/0448
Prinz Carl, der schneidige Reiter, die volkstümlichsten
waren. Aller Augen leuchteten, wenn auf den Reitwegen
des Tiergartens die prinzliche Gavalcade
einhergesprengt kam oder die vergötterte Prinzessin
Alexandrine im Federhut und fest anliegenden Reitkleide
, von Livreebedienten gefolgt, sich sehen Hess.

Im Bürgerstande gab der Beamte den Ton an.
Wenig ist in den Tagen des Zollvereins von Krieg und
Kriegsgeschrei die Rede, selbst das Griechenfeuer ist
im Erlöschen. Aber die innere Politik, die Nachrichten
des „Beobachters an der Spree", des
„Märkischen Boten" werden disputiert und kolportiert
sowohl auf der Strasse, wo sich die alten Herren
mit dem Hut ä la Bolivar und
dem Ueberrock ä l'anglaise,
die Orden im Knopfloch,
zeigen oder daheim im Ledersofa
mit der Quastenpfeife
und dem gestickten Haus-
käppchen. Sie haben ein
zähes Leben, gehärtet in der
Glut der Freiheitskriege;
„überhaupt, ehe man sich
dessen versieht, haben die
Leute hier fünfzig Jahre abgedient
. Das thut dasKlima."
Die Damen in höchst ungefälliger
Modetracht mit barbarisch
aufgetürmtem Haarputz
sind für die Oper, für
Spontini und Weber interessiert
. Schon vor dem Toilettentisch
trällern sie den
Jungfernkranz, lesen Walter
Scotts Romane, wie Frau
von Hohenhausen sie ihnen
übersetzt, schwärmen für die
bleichen Polenjünglinge und
erbauen sich in ernsteren Stunden an Schleiermachers
Predigten in der Dreifaltigkeitskirche.

Eine Schicht tiefer, und wir sind bei denen, die
jene Gesellschaft bedienen, deren Leben die Strasse
ist. Der Barbiergesell, der ehrgeizige Laufbursche,
der hochherzige Schneider, alle in Flausch und roter
Mütze, begleiten die zu den Füssen des alten
Dessauers im Lustgarten aufziehende Wachtparade.
Die Gendarmen in Uniform, die Droschkenkutscher
in grauem Mantel mit gelben Aufschlägen, die Eckensteher
in bunter Ballonmütze bringen Farbe in das
Strassenbild. Und was all diese Kreise innerlich einigt,
so weit sie äusserlich auseinanderstreben, ist eine in
ihrer Selbstironie harmlose Grosssprecherei, für die
eigens die Redensart „man so duhn" geprägt wird.

Vielleicht hat Franz Krüger diese Zeit und diese
Gesellschaft deshalb so gut geschildert, weil er als

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gen.

Bildnis Friedrich Wilhelm IV

Lithographie, stark verkleinert.

Fremder erst in sie hineinwachsen musste und niemals
so mit ihr verwuchs, dass er den Ueberblick
verloren hätte. In Radegast bei Göthen wurde
Krüger 1797 als Sohn des dortigen Amtmannes geboren
. Seine Lieblingsplätze waren von früh an
der Hof und die Ställe. Kamen die Jagdgäste des
Herrn Amtmanns, so konterfeite ihnen der Knabe
auf die Wagenschläge ihre Gespanne und ihre Hunde.
An den Plankenzäunen erging sich seine jugendliche
Hand in erstaunlich gut beobachteten Hunde- und
Pferdedarstellungen, unbekümmert darum, dass der
nächste Regen alles wieder abwusch. In den halb-
dunkeln Ställen, wo der Geruch der Pferde und des

Heus die Luft scharf und
stickig macht, unter Kutschern
und Jägern hat er
seine Knabenzeit verbracht.

Klar über seinen künstlerischen
Beruf kam er nach
Berlin ohne glänzende Mittel,
ohne sonderliche Empfehlun-
Er dachte nicht daran
Akademie-Eleve" zu werden
etwa unter der Leitung des
Rektors Weitsch, „als der
erste geltend und bewundert
wegen der Leichtigkeit, mit
welcher er das Porträt, die
Historienmalerei, die Tiere
und die Landschaft behandelte
." Nach wie vor zeichnete
Krüger Pferde und
Hunde, jetzt im Königlichen
Marstall und malte in seinem
mit zwei Freunden, A. von
Kloeber und Zimmermann,
geteilten Atelier. Wollte er
ruhen, so legte er sich halbentkleidet
auf den Boden und liess seine Lieblingshunde
, ein paar Windspiele, die er trotz seiner
bescheidenen Mittel sich hielt, über sich hinwegspringen
und klettern.

Fürs erste genügte seinem Ehrgeiz der Beifall
und das Wohlwollen der Kutscher und der Grooms;
nicht lange, so schenkten ihm die Herren Stallmeister
gönnerhafte Beachtung und durch diese
wiederum wurden die hohen Besitzer der Rennställe
auf den jungen Künstler aufmerksam.

Die Stunde, die über ihn entschied, kam, als Prinz
August von Preussen zu nicht geringer Verlegenheit des
jungen Mannes sein Porträt auf seinem Lieblingspferde
bestellte. Diese Auszeichnung führte am
schnellsten bei Hofe und bei der Aristokratie ein.
Bald konnte beim Preussischen Gesandten in Rom
ein Studiengenosse des jungen Meisters einem wiss-


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