Augustinermuseum Freiburg i. Br., 1009/11
Das Museum: eine Anleitung zum Genuß der Werke bildender Kunst
Berlin, 11. Band.[1911]
Seite: 43
(PDF, 164 MB)
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begierigen Offizier die beruhigende Auskunft geben:
Krüger? Der malt jetzt Alles! In der neuen Umgebung
fand sich seine unbefangene und liebenswürdige
Natur um so schneller zurecht, als seine
eigene Liebhaberei für Jagd und Sport ihn zum
willkommenen Gesellschafter machte, und die Ungezwungenheit
des waidmännischen Verkehrs alle
Standesvorurteile beiseite schob.

Nun erweitern grosse Aufträge, die ihm vom
Hofe gegeben werden, sein Stoffgebiet. 1829 malt
Krüger für den Zaren Nikolau«, den Schwiegersohn
des Königs, die Parade auf dem Opernplatz, bei
welcher der Kaiser dem König sein 6. Brandenburgisches
Kürassierregiment vorführt, und 1839 die
berühmte Parade des Gardecorps
vor Friedrich Wilhelm
III (Tf. 82. 83.). Auf beiden
Bildern schob der Künstler
ungeniert den König mit
der militärischen Suite und die
defilierende Soldatenmasse in
den Hintergrund, um vorn
Platz für das freier bewegte
Treiben der Zuschauer zu gewinnen
, in denen die Repräsentanten
des damaligen Berlin
abgebildet wurden. Sehr ähnlich
ist die Komposition auf
dem Huldigungsbild von 1843,
Krügers bekanntestem Werk,
auf dem das ganze offizielle
Preussen sich ein Stelldichein
gegeben hat. Der scharfe Blick
für das Charakteristische der
Erscheinung, den er schon als
Knabe an den Wagenschlägen

der väterlichen Jagdfreunde bewiesen hatte, kam ihm
jetzt im Porträtfach zu statten. An zweihundert Blatt
in schwarzer Kreide gezeichneter, leicht getuschter
Porträtstudien, die das grösste Aufsehen auf der Ausstellung
nach seinem Tode erregten, bewahrt die
Nationalgalerie in Berlin. Sie sind zugleich Studien
für die zahllosen, ohne Unterschied vortrefflichen
Bildnisse, die Krüger selbst lithographiert hat. Die
lebhafte Auffassung und die leichte Hand hat an
keiner Stelle der sauberen Durchführung Abbruch
gethan. Die Männer, unter ihnen wieder die Militärs,
herrschen vor, während die Damenwelt, die weniger
Charakteristisches bot, zurücktritt. In allen Kreisen
ist der Künstler heimisch, nicht zuletzt unter den
Schauspielern und Komödianten, aus deren Sippe
er sich die Gemahlin Johanna, geb. Eunicke, erkor.

„Sein Leben — heisst es in dem vortrefflichen
Nekrolog des deutschen Kunstblattes von 1857 —
zeigt kaum eine Veränderung als das Wachsen."

Unter dem neuen Könige Friedrich Wilhelm IV.
werden die Beziehungen des Künstlers zum Hof
noch enger; das russische Kaiserpaar ladet ihn
zwei Mal 1844 und 1850 mit ehrenvollen Aufträgen
nach Petersburg. Es entstehen die Suitenbilder,
Porträts der preussischen und russischen Monarchen
auf feurig anspringenden Pferden mit glänzendem
Gefolge. Wenn Krüger den Schlachtenmaler schuldig
geblieben ist, so liegt das an der trägen Ruhe der
politischen Welt. Der Geschichtsmalerei im akademischen
Sinne stand seine nur von der Gegenwart
erregte Phantasie ablehnend gegenüber.

Immer liebenswürdig, gefällig, herzensgut und
leicht zur Anerkennung fremden Verdienstes, selbst

über Gebühr, geneigt, war der
Künstler bei den Kollegen
ebenso beliebt wie bei den
Freunden. Wenn er sein
Selbstporträt, keck und nonchalant
, unter den Zuschauern
der grossen 1839er Parade angebracht
hat, so muss weniger
an künstlerische Selbstgefälligkeit
als an seine Popularität
gedacht werden. Er gehörte
zu „tout Berlin", er — und
seine Hunde. Jetzt als grosser
Herr Hess er sie von einem
Groom spazieren führen, und
gross und klein kannte die
Krügerschen Windspiele. Ihre
Wohlerzogenheit bahnte ihnen
sogar den Weg auf die

Bildnis des Amtsrat Kühne.
Lithographie, stark verkleinert.

Bretter der Hofbühne, wo sie

bei prunkvollen Umzügen mit
höchstem Anstand ihre Statistenrollen
durchführten. Endlos und imposant war
denn auch das Trauergefolge, das Ende Januar
1857 dem toten Künstler zur Ruhstatt auf dem
Dorotheenstädtischen Friedhof folgte, wenige Monate
, nachdem er selbst der Gattin das letzte Geleit
dahin gegeben hatte.

Mit einer anderen, reineren Freude als seine
Zeitgenossen stehen wir heute vor seinen Bildern.
Der Rausch des historischen Momentes, den sie festhalten
, ist verflogen, die Berühmtheiten sind meist
schon in teilnahmslose Ferne gerückt, die Unberühmten
lächeln wir aus unserer höheren Gross^tadt-
sphäre an. Aber die künstlerische Kraft, die dahinter
steckt, ist in gleichem Masse stärker geworden,
wie der Reiz des Gegenständlichen unwirksam
wurde. Krügers Werke haben die Probe ihrer Unsterblichkeit
bestanden.

Kein Zweifel, dass erst die neueste, wieder

streng

formalistisch-zeichnerische

Richtung

seine


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