Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 5
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-tt4sö> ARNOLD BOCKLIN <^*~

Bei keinem Zeitgenossen möchte so viel
von der Einheit eines Bildes die Rede sein
wie bei Böcklin. Er kritisiert unaufhörlich
die Pilotyaner, die mit Nebensachen die
Stimmung zerstören, mit einem raffiniert gemalten
Seidenteppich im Vordergrund u. dgl.;
er hat aber überhaupt eine neue Vorstellung
von dem Sehen und dem Sehbarmachen
eines Bildes. Er drängt den Beschauer zurück
, damit er das Ganze überschauen muss.
Durch skizzenhafte Ausführung will er ihm
die Nahbetrachtung von Einzelnpartien verleiden
. Er legt zusammengehörige Farben
im Bilde weit auseinander, damit der Blick
von einem Ende zum andern zu gehen gezwungen
wird. Dass das Auge des Betrachters
geführt werden müsse, ist ein
Ausdruck, der mehrfach vorkommt. Es soll
rasch und sicher das Ganze fassen können,
wenn die Kunst ihre Aufgabe gelöst hat.
Die Anschauung zu vereinfachen und zu erleichtern
, darauf kommt es an.

Diese Erleichterung der Anschauung geschieht
nicht durch ein willkürliches Auslassen
von Erscheinungsmomenten; was Böcklin
geben will, ist der volle plastisch-räumliche
Eindruck der Natur. Auf Linienabstraktionen
hat er sich nie eingelassen. Die Dinge

sollen mit der schlagenden Kraft der Wirklichkeit
auf die Fläche gebracht werden und
das ist ihm eine Sache von grösserer Wichtigkeit
als aller Ausdruck im einzelnen. Von
allen Seiten sucht er dem Problem beizukommen
, diese elementarste Wirkung der Natur
zu fassen. Er versagt sich die billigen
Reize, mit Schlagschatten und Reflexen im
Vordergrund etwas heraus zu modellieren,
was dann vom Publikum als greifbar-wirklich
bestaunt wird: der Raum als Ganzes soll
sprechen. Und nun sieht man ihn als subtilen
Valeurs-Beobachter arbeiten und er
meint gelegentlich beim Petrarca, wenn ihm
der Besteller mehr bezahlte, so wollte ers
durch die feinste Abwägung der Töne bis zur
stereoskopisch-illusionären Wirkung bringen.

Bei all diesen Bemühungen, derentwegen
ihn unsere Maler später bewundert haben,
unterscheidet er sich aber ganz bestimmt
von der modernen Lichtmalerei, indem er
auf eine direkte Nachahmung der Wirklichkeit
von vornherein verzichtet. In seiner
weiteren Entwicklung hat er bekanntlich die
farbige Erscheinung der Dinge mehr und mehr
souverän behandelt, aber schon in dieser
Periode der subtilen malerischen Beobachtung
ist er darüber mit sich im klaren, dass wir


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