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-*-s^> ARNOLD BÖCKLIN <ö^-
ARNOLD BÖCKLIN HEILIGTUM DES H E R A K L E S (1879)
(Das Original im Besitz von Frau Julie Ginsberg in Berlin)
Um zu sehen, wie Böcklin immer klarer
geworden ist und das für ihn Sichtbare immer
mehr an Stelle des Subjektiven (Denken, Empfinden
) gesetzt hat, vergleiche man nur seine
„Wiederholungen", z. B. die toskanischen
Villen, den Vinum novum, bonum, Optimum,
die Kentaurenkämpfe, Toteninseln, Tritonen-
familien, Seeräuber etc. etc.
An Stelle der poetischen Stimmung tritt
helle, greifbare Klarheit; für das Viele ist
unerbittliche Einheit und Einfachheit eingetreten
. Alles ist nach der Seite des rein
Sichtbaren hin lebendiger beherrscht, be-
wusster hingestellt, im rein malerischen Sinn
charakteristischer, sprechender geworden. Gerade
diese Wiederholungen beweisen seinen
freien Reichtum, sein unermüdliches Vorwärtsgehen
.
f w
Bei jedem Erklärungsversuch der Böcklin-
schen Kunst muss man von seiner unbegrenzten
Genussfähigkeit gegenüber der Natur
ausgehen, von seinem unerhörten Gedächtnis
andrerseits. Jene lehrt ihn an allem
Eigentümlichen und Sprechenden sich freuen,
der Individualität eines Naturmoments mit
künstlerisch geniessendem, verstehendem Auge
nachzugehen, — dieses bewahrt ihm das
Genossene und sendet aus seinem Reichtum
eine Fülle des Verwandten, sei es des Erlebten
ARNOLD BÖCKLIN JUDITH (1888)
(Im Besitz von Hans Weidenbusch in Wiesbaden)
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