Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 28
(PDF, 174 MB)
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-sr^)- DIE FRANZOSEN IM MÜNCHENER GLASPALAST 1901 <^=^

Mann gar nicht anders darstellen. Wie das
da nebeneinander hängt, so wächst es auch
nebeneinander in dem glücklichen Paris: Die
höchste künstlerische Gesundheit und das
höchste künstlerische Raffinement! Sympathisch
und meisterhaft in seinen Valeurs ist
Ernest Laurent's Bildnis einer jungen Dame
in Schwarz (s. S. 32), von unbegrenzter Intimität
der Durchbildung P. A. Dagnan-
Bouveret's Frauenporträt, das sehr distinguiert
, sehr kostbar, aber wie fast alles, was
der Künstler schafft, ein wenig trocken ist.
Zur letzteren Eigenschaft kommt bei Courtois,
von dem das übrigens sehr fleissig durchgebildete
Konterfei eines Herrn im schwarzen
Sweater ausgestellt wurde, noch eine übergrosse
Glätte, und gleiche Eigenschaften, wenn
auch nicht gleich hohes Können zeigt Karl
v. Stetten mit seinem „Eros Epistrophios".
Stetten, Dagnan und Courtois — man kann die
drei als Positiv, Komparativ und Superlativ
einer Art bezeichnen! Von dem stets eleganten
und niemals tiefen Albert Aublet,
der auch zu diesem Künstlerkreise gehört,
ist das Bild einer Orientalin vom Stamme
Sonassy zu sehen. J. J. Benjamin-Constant
hat ein Konterfei des Papstes Leo XIII. gemalt
, in Zeichnung und Charakterisierung
wohl sehr gut, in der Farbe mit seiner

PAUL ALBERT BESNARD

»FEERIE INTIME«-

Harmonie rosiger Töne für das Bildnis eines
alten Mannes vielleicht zu süss. Auch ein
lebensgrosses Bildnis von der Hand Edouard
Manet's kommt hier zu posthumer Geltung,
es stellt (s. d. Abb. a. S. 35) die Malerin Eva
Gonzales dar, mit einer breiten, flüssigen
Malerei, die wir Menschen von heute besser
zu schätzen wissen, als das Publikum und die
Kollegen Manets vor zwanzig Jahren ; das
Gesicht des Fräulein Gonzales, namentlich
die glanzlosen Augen, wirken aber in seinem
Bilde nicht angenehm. Vielleicht hat sie der
Künstler so gemalt, um ein „Divergieren der
Sehachsen" zu verstecken, aber dann hat er
jedenfalls den Teufel mit Beelzebub ausgetrieben
. Die Toilette ist mit glänzender Bravour
gegeben. Dankenswert ist es, dass die
Kommission, welche die französischen Bilder
für den Glaspalast auswählte, auch der übrigen
französischen Impressionisten gedachte, die jetzt
wieder in den Vordergrund des Interesses
kamen — allerdings durch eine mit Nachdruck
betriebene Spekulation des Kunsthandels und
nicht durch eine organische Wendung des
Geschmacks. Von Sisley (s. S. 46), von
Monet, von Moret, der sich von Monet
thatsächlich nur durch — einen Konsonanten
unterscheidet, von Maufra und Loiseau sind
landschaftliche Eindrucksmalereien hieher gekommen
, die wenigstens jene
künstlerische Richtung trefflich
kennzeichnen, wenn sich auch
im einzelnen wenig Aufregendes
darunter findet. Ueberaus fein
ist Pissarro's „Winter", ein
milder Pariser Wintertag, an dem
der Rasen der Anlagen im heitersten
Grün prangt und nicht minder
anziehend sind Jean Fran-
gois Raffaelli's Pariser Stadtbilder
(s. S. 38), geistreiche und
duftige Pinselzeichnungen,welche
mit vielem Glück die grossen
architektonischen Formen angeben
, ohne irgendwie zu jener
steifen Detaillierung zu neigen,
welche die meiste Architekturmalerei
zu einer reproduktiven
Kunst herabsetzt. Von schönem
Ton, weich und ruhig gemalt sind
Boudin's Marinen, namentlich
die „Rückkehr der Fischerboote"
(s. S. 47) ; man versteht von
diesen Bildern nicht recht, wie
man in Paris dazu kam, gerade
diese stillen und einfachen Künstler
zusammen mit jenen Impressionisten
so geräuschvoll „wieder

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