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-sr4^> MÜNCHENER GLASPALAST 1901 -C^=^
weniger als flüchtig gemalt und jede Figur
ist mit Humor gekennzeichnet. Eigentlich
hat sich Jean Veber da ein Genre geschaffen,
das sich so ziemlich mit unseres Julius Diez'
neuer Specialität deckt: Die beiden erobern
dem Staffeleibilde ein Gebiet des Humors, das
man bisher für die ausschliessliche Domäne
der illustrativen Kunst gehalten hat. Damit
ist aber der Malerei eine sehr wertvolle und
nahezu unerschöpfliche Stoffwelt erschlossen.
Am wenigsten Freude im französischen Saal
kann man an Edouard Detaille's „Bonaparte
in Aegypten" (s. S. 45) haben. Das Bild ist
hart und schwer in der Farbe ausgefallen
Ateliermalerei, die sich vergeblich müht, uns
das Licht des Südens vorzutäuschen.
Mit den Gemälden kamen auch noch einige
kleinere plastische Werke aus Paris zu uns, darunter
eine Menge Statuetten und Ziergeräte
mit figürlichem Schmuck von Ville Vallgren,
die in der Auswahl fast zu umfangreich ist und
in der Anordnung zu dicht bei einander steht,
um noch alle Feinheiten der Modellierung und
Erfindung zur Geltung gelangen zu lassen. Zwei
graziöse Tänzerinnen in Bronze und Vergoldung
von Agathon Leonard (eine davon abgebildet
a. S. 37), die, ohne Sockel, auf den Falten
ihrer langhinabwallenden Gewänder stehen,
würden einen eben so eigenartigen als vornehmen
Tafelschmuck geben. Mit Meisterschaft
und Grazie hat Pierre Roche die
Loie Füller im tollsten Momente ihres Serpentintanzes
als Bronzefigürchen festgehalten.
Von G. Michel finden wir ein Marmorbasrelief
die „Zauberin" (s. S. 36), dessen kauernder
Akt gar fleischig und weich modelliert ist,
von Gardet eine auffallend fein in Marmor
geschnittene Löwenstatuette und von Jean
Hugues in Marseille die dekorative Büste
einer schönen Byzantinerin, polychrom in
Marmor und Erz mit Augensternen aus Lapis
lazuli ausgeführt.
DER KRAFTMEIER
Um nur kein Alltagsgeist zu sein,
Malt er das Kühnste, selbst das Freche,
Er will partout ein Kraftmensch sein,
Um zu verbergen seine - - Schwäche.
Max Bewer
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