Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 39
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0055
-<^ö> DIE PFLEGE DER KUNST -C^^

Die Masse des Publikums also, mit elementarer
Gewalt, bethätigt sich als Trägerin der
abgeleiteten Kunst; sie ernährt Legionen untergeordneter
Kunstproduzenten und lässt sich
zugleich von diesen in seltsamem Spiele des
Wagebalkens bald leiten, bald begleiten. Von
einer zielbewussten Pflege dieser Künstler und
ihrer Künste kann natürlich nicht die Rede
sein; die Massenhaftigkeit und Mittelmässig-
keit dieses Schaffens und Geniessens existiert
ganz von selber, obgleich die Zahlungsfähigkeit
des Publikums dabei die Grundlage bildet.

Anders verhält es sich mit den bedeutenderen
Original werken der Künstler. Der Handel
mit ihnen ist weitaus beschränkter, sowohl
was die Zahl der Künstler als was das Publikum
betrifft. Die Sixtinische Madonna fand
bis jetzt nur zwei Käufer: den Prior von San
Sisto, der sie bestellte und den Kurfürsten
von Sachsen - ihre Nachbildungen setzen in
tausend Formen Millionen von Händen und
Börsen in Bewegung. Das Publikum, das sich
durch Ankauf mit Originalen umgiebt, die
Kunsthändler höheren Ranges dazu, und nicht
minder die Kunstfreunde und -Kenner, die
nicht selber kaufen können, aber ernsthafter
und tiefer geniessen als der Durchschnitt, alle
diese Leute stehen dicht an den Quellen der
Kunstwerke, sie umgeben die Künstler, berühren
sich mit dem Kunstwesen unmittelbar.
Wenn jemand, so müssen doch sie die Kunst
nicht nur ernähren, sondern auch pflegen.

Genau betrachtet, vermindert sich die an
sich geringe Zahl auch dieser Mäcenaten,
sofern sie die Künstler zu deren Bestem beeinflussen
sollen. Die Kunstkenner mögen
richtige, feinsinnige Anschauungen entwickeln:
sie werden mit ihnen allenfalls auf die Laien
wirken, auf die Künstler nur dann, wenn sie
diesen nichts Neues sagen. Die Kunsthändler,
unter denen es freilich auch zeitweilig führende
, vornehme und selbständige giebt, hängen
leider meist mehr vom Publikum als von den
Künstlern ab und sind also in ihrer Wirkung
auf diese nicht immer unbefangen; sie machen
Moden und folgen ihnen, so dass die Achtung
vor dem, was der Künstler seiner Natur nach
geben will, beeinträchtigt werden muss. Und
was die Käufer betrifft, so weiss man ja, dass
Glücksgüter und Schönheitssinn nicht notwendig
miteinander vereinigt sind. Welche
Unsummen werden vergeudet für angebliche
Kunstwerke, die in Wahrheit nur Blendwerke
sind !

Aber mag das alles auf sich beruhen und
nehmen wir an, dass wir Kunstfreunde finden,
denen es gelingt, selbständige Künstler aufzuklären
, dass Kunsthändler da sind, die mit
untrüglicher Festigkeit die echten, gültigen
Kunstwerke erwerben und weitergeben, die
hohlen aber auch nicht den Thoren anhängen,
dass geschmackvolle Millionäre wie in den
goldenen Zeiten der Renaissance danach
streben, die Wirtschafter der edelsten Künstler

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