Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 40
(PDF, 174 MB)
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-5t4^> DIE PFLEGE DER KUNST -C^=^

HENRI THIEROT

DIE QUELLEN

(Münchener Glaspalast 1901 : Französische Abteilung)

zu sein. Damit wären doch die Bedingungen
zu einer Pflege der Kunst gegeben?

Das mag wohl sein, und allerdings sind
Teile dieser idealen Verhältnisse hier und
dort vorhanden. Dennoch bleibt zweifelhaft,
ob die daraus erfolgende Bereicherung verdienter
Künstler eine Pflege der Kunst zu
nennen ist. Der redefertige Kunstfreund hat
den Künstler zu einer gebildeten und begründeten
Ueberzeugung bekehrt; der Kunsthändler
hat ihm klar gemacht, wo die Grenzen
seines Talentes sind, der Käufer beweist ihm,
welche Hochachtung und Dankbarkeit er ihm
entgegenbringt wird der Künstler durch
das alles beeinflusst, von seinem guten Wege
auf einen besseren gelenkt werden? Manchmal
, jedoch selten, kann es geschehen. Aber
der wirklich selbständige Künstler — und eben
solche sind es, die durch ihre Inspirationen
von jenseits der endlichen Welt und selbst
durch ihre Irrtümer neue Bahnen eröffnen
und den Fortschritt der Kunst ermöglichen,
wenn sie von der unreifen Masse nicht erstickt
werden ■ also der wirklich mit dem
Genius begabte Künstler vergisst im Handumdrehen
die ästhetischen Grundsätze, die er
in einer matten Stunde sich hat einreden lassen,
und er bleibt auch gegenüber der Persönlichkeit
des liebenswürdigen Gönners oder achtungsvollen
Nährvaters im Grunde spröde.
Es ist wohl klar, dass bei ihm wohl von einer
Förderung seiner Absichten und Pläne, nicht
aber eigentlich von einer zielbewussten, einer
teleologischen Pflege seiner Kunst die Rede
sein kann.

Demnach käme es nur darauf an, dass ein
reich und gut beschickter Kunstmarkt erhalten
und möglichst oft geleert werde; und die Kunst
zu „pflegen" wäre niemandem vorbehalten?
Der Staat kann und muss sie pflegen, wird
hier mancher antworten. Der Staat gründet
den bildenden Künstlern Akademien, den musizierenden
Konservatorien, auch Mimen und
Tänzer finden staatliche Stätten für ihre Ausbildung
. An diesen Anstalten werden die
jugendlichen Talente auf eine ebene Bahn
gebracht, sie erhalten geordnete Elementarkenntnisse
als die Werkzeuge für ihre später
selbständige Thätigkeit, und diese Erziehung
kann eine gesunde Richtung für die ganze
Zukunft des Künstlers gewährleisten, wenn
sie bedacht und vernünftig angelegt wird.
Weiter sorgt der Staat durch Unternehmungen
aller Art, deren Charakter durch ihn bestimmt
wird, für eine kontrollierte Thätigkeit der
Künstler, die sie sich zu Nutzen machen, und
entsprechend für die Geschmacksbildung des
Publikums. Da werden Konkurrenzen aus-

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