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PIERRE PUVIS DE CHAVANNES DIE ENTHAUPTUNG JOHANNIS DES TÄUFERS
(Münchener Glaspalast 1901 : Französische Abteilung)
PERSONAL- UND
ATELIER-NACHRICHTEN
WIEN. Eugene Jettel, der feinfühlige Landschafter
aus der Wiener Schule der sechziger
Jahre, ist am 27. August in Triest einem Herzschlage
erlegen. Jettel wurde im
Jahre 1845 zu Johnsdorf
in Mähren geboren, studierte
an der Wiener
Kunstakademie und war
mit Schindler und Ri-
UJP ^ barz der Stolz und die
Hoffnung der Schule.
Albert Zimmermann, der
begeisterungsfähige,
treffliche Meister, führte
seine Jünger nach Salzburg
und in die bayerischen
Berge. Ära
Mönchsberg, in der
bayerischen Ramsau und
am Hintersee entstanden
die ersten Arbeiten, welche
Aufmerksamkeit erregten
. Jetteis »Hinter-
, sowie Schindlers Erstlingswerk
Geburt« sind im Besitze der
Galerie an der Akademie der bildenden Künste in
Wien. Die Weltausstellung 1873 brachte dem mit
der Kunstwelt in nur loser Fühlung stehenden
EUGENE JETTEL
(gest. 27. August)
see im Nebel<
»Waldfräuleins
Wien die Offenbarungen der Barbizonschule, und
die Wiener Landschafter gerieten ganz in den Bannkreis
der Franzosen. Jettel und Ribarz wanderten
kurz darauf nach Paris aus, nur Schindler blieb der
Heimat treu, was ihm diese etwas spät — erst nach
seinem Tode, lohnte. Besser ging es Jettel in Paris,
wo die dort lebende Wiener Künstlerkolonie an
einem Landsmann (einem grossen Kunsthändler)
lange Zeit hindurch eine wertvolle materielle Stütze
fand. Jetteis nicht übermässig kräftiges aber ungemein
nobles Talent entwickelte sich in Paris in
der ersten Zeit in der glücklichsten Weise und er
errang sich in den Kreisen der französischen
Künstler eine ganz ungewöhnliche Position. Seine
persönliche Liebenswürdigkeit, sein heiteres, ruhiges
Wesen und nicht am wenigsten sein durch und durch
künstlerisches Empfinden erwarb ihm unter den
ersten französischen Künstlern warme Freunde.
Für seine Landsleute war Jetteis bescheidene Behausung
am Boulevard Clichy die Zuflucht, der
Ersatz der Heimat. Alle jungen Wiener Künstler,
welche in den letzten zwanzig Jahren nach Paris
gekommen waren, genossen Jetteis Gastfreundschaft
und fanden dort mit der Heimat gleichzeitig den
Kontakt mit der Pariser Künstlerschaft. Als im
Jahre 1889 die Spaltung unter den Künstlern die
Societe du Champ de Mars, die erste Secession,
ins Leben rief, war Jettel mit unter den Gründern
, an deren Spitze sich der alte Meissonier
stellte. Jetteis commerzielles Verhältnis zu einem
Kunsthändler veranlasste ihn zu grosser Produktivität
, was auf die Dauer für jede künstlerische
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