Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 52
(PDF, 174 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0070
-*-S^> PAUL TROUBETZKOY

PAUL TROUBETZKOY BILDNISGRUPPE

wiederzugeben, sondern sogar der hässlichen
männlichen Tracht unserer Zeit einen gefälligen
Anschein zu verleihen. Ungemein
wertvoll ist eine ganze Reihe von Büsten,
in denen der Künstler seinen tiefdringenden
Scharfblick verrät, dem sich das innerste
Wesen seines Modells auf den ersten Blick
offenbart. Ich erwähne unter vielen die prächtige
Büste eines russischen Generals und die
Büsten von Tolstoj (Abb. a. S. 49) und Segan-
tini (Abb. XIV. Jahrg. S. 289), welche so herrlich
die geistige Physiognomie dieser beiden
Grossen wiederspiegeln und so kühn, frei und
mächtig in der Ausführung sind.

In seinen Gruppen erweist sich Troubetzkoy
als Künstler von tiefer und zarter Empfindung.
Da sind vor allem zwei, welche das süsse Lied
von der Vaterliebe singen. Sowohl die eine
lebensgrosse, wie die andere, nur als Bruststück
ausgeführte (Abb. a. S. 51), geben der gleichen
innigen Empfindung Ausdruck, zeigen einen
Vater, der sein Kind in zärtlicher Liebe umfasst.
Ihnen stehen zwei Gruppen von jungen Müttern
mit ihren Kindern (eine obenstehend abgebildet)
gegenüber, die ein so warmes und reines Gefühl
ausströmen, dass man dem Künstler mit

Recht den Titel: der Bildner der Mutterliebe
verliehen hat, ebenso wie Eugene Carriere den
ihres Malers führt. In der Empfindung diesen
Gruppen sehr verwandt ist das kleine Mädchen
, das knieend eine trächtige Hündin umarmt
(Abb. a. S. 53), eine Gruppe von packender
Lebenswahrheit in der Wiedergabe der
schmeichelnden, kindlichen Zärtlichkeit und
der gutmütigen Zuthunlichkeit des treuen
Haustiers.

Von ganz anderer Art, sowohl in der Objektivität
der Auffassung, als in der technischen,
weit sorgfältigeren Ausführung, sind die beiden
kleinen Gruppen „Russisches Fuhrwerk" und
„Droschke im Schnee" (Abb. a. S. 53), und
einige seltsame Basreliefs in Bronze, die realistische
Vorwürfe wiedergeben und entfernt an
den Maler Raffaelli erinnern.

Am unübertrefflichsten aber ist Troubetzkoy
in der Darstellung von Tieren. Grossartig
ist es, wie er es versteht, die gütige Klugheit
des Hundes, die schläfrige, milde Behäbigkeit
der Kuh, die gewichtige Stattlichkeit des Ele-
phanten, die geduldige Kraft des Kamels, die
elastische Behendigkeit des Renntiers und vor
allem die nervige Eleganz des Pferdes plastisch
zu gestalten.

Bei dieser Vereinigung von Gaben hätte
es selbstverständlich geschienen, wenn man
Troubetzkoy mit der Ausführung einiger

PAUL TROUBETZKOY fec.

52


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0070