Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 59
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0077
-sr4^> KONRAD LANGE: WAS IST KUNST? -C^=^

Kunst ein zum Leben und Wohl
jedes einzelnen Menschen und
der ganzen Menschheit notwendiges
Mittel des Verkehrs,
wodurch die Menschen in den
gleichen Gefühlen geeint werden
. Sie macht dem Menschen
alle Gefühle zugänglich, die die
Menschheit vor ihm durchlebt
hat, alle sowohl von den Zeitgenossen
wie von anderen
Menschen vor Jahrtausenden
durchlebten Gefühle sind der
Gegenstand der Kunst.

Aber Tolstoj bleibt dabei
nicht stehen. Auf einmal, wie
ein Blitz aus heiterem Himmel
, macht er einen Seitensprung
und sagt: „Eine besondere
Bedeutung massen die
Menschen stets jenem Teil
dieser Thätigkeit bei, der die
religiösen Gefühle wiedergab.
Und er setzt sich hin und
schreibt ein Buch „gegen die
moderne Kunst", in dem er
alles wieder zurücknimmt, was
er in dem ersten Buch gesagt
hat. Der Wert der Kunst hängt
jetzt plötzlich ab von dem Wert
der Gefühle, die sie mitteilt.
Da nur die religiösen Gefühle
höheren Wert haben, so hat
auch nur die religiöse Kunst
höheren Wert. Alle Kunstwerke
, welche Gefühle persönlichen
Genusses zum Ausdruck
bringen, sind schlecht. Das
gilt von der ganzen modernen
Kunst seit der Renaissance,
die den Anfang zum Verfall
gemacht hat. Seitdem die
Kunst zum erstenmal als ein
Ausdruck des persönlichen
Vergnügens missbraucht worden
ist, ist sie auf die schiefe
Ebene gekommen. Denn sie
hat nur den Zweck, „die höchsten
und besten Gefühle der
Menschenseele zu überliefern".
Ein Kunstwerk hat nur Wert,
wenn es der Menschheit neue (!)
und gute Gefühle übermittelt.
Dies konnte die Kunst aber von
dem Augenblick nicht mehr,
wo sie keine religiösen Gefühle
mehr ausdrückte. Und
nun folgt jene berüchtigte Ver-

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