http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0084
^r4sö> PERSONAL- UND ATELIER-NACHRICHTEN <ö=s^
von Werken seiner Hand, deren viele auch in öffentliche
Galerien übergegangen sind, ward 1894 auf
der Grossen Berliner Ausstellung veranstaltet.
ÜNCHEN. Der am 21. September gestorbene treff-
liehe Landschafter Professor Adolf Stäbli
konnte als geborener Schweizer dennoch mit Fug
und Recht der hiesigen Künstlerschaft zugezählt
werden, denn seit dem Ende der sechziger Jahre,
wo er nach hier kam, ist ihm die bayerische Kunststadt
zur zweiten Heimat geworden. Vordem war
der 1842 zu Winterthur geborene Künstler Schüler
von Koller in Zürich, dann wollte er bei Schirmer
in Karlsruhe studieren, der aber kurz nach Stäblis
Eintreffen dort, verstarb. Ein Pariser Aufenthalt
im Jahre 1867 lehrte Stäbli die Schule von Fon-
tainebleau kennen, in deren künstlerischen Tendenzen
er das bethätigt fand, was auch er eigentlich erstrebte
. Die Motive seiner Bilder nahm Stäbli vorwiegend
aus der Umgebung Münchens, vom Starnberger-
und Ammersee, die ihm dort sich bietenden schlichten
Natureindrücke zu stimmungsvollen, poesieerfüllten
Schöpfungen gestaltend. Nichtzu verwundern
aber ist es, dass er als Schweizer stofflich u. a. in
mancherlei Kompositionen auch zur vaterländischen
Gebirgswelt zurückkehrte, deren majestätischen Ernst
er wundervoll zum Beschauer sprechen zu lassen
r. engelmann s i n g e n d e r d a v i d
wusste. Eines der letzten Werke des zum Neujahrsfest
1898 mit dem Professor-Titel ausgezeichneten,
auch menschlich schlichten Künstlers erwarb die
kgl. Neue Pinakothek hierselbst in der im heurigen
Glaspalast ausgestellten »Landschaft aus Oberbayern
«. Eine Probe seiner Kunst brachte unsere
Zeitschrift in der in H. 4 d. X. Jahrg. reproduzierten
»Haide am Harz«. — Der Architekt, Bauamtmann,
derzeitige Vorstand des Stadterweiterungsbureaus
und Honorarprofessor für Städtebau in der Architekturabteilung
der hiesigen Hochschule, Theodor
Fischer, hat einen Ruf als ordentlicher Professor
an die Technische Hochschule in Stuttgart erhalten
und angenommen.
OERLIN. Es ist für den Kunstbeurteiler ziemlich
*^ unbedenklich, Versprechungen über das Talent
des jungen hiesigen Bildhauers Richard Engel-
mann verantwortlich zu zeichnen. Diese Begabung
ist so ehrlich und innerlich, hat sich so schnell
an selbst gesuchten Erfahrungen emporgerichtet,
dass man ihrer Entwicklung weiterhin stark vertrauen
muss. Wir stehen hier vor einer natürlichen,
aber selten gewordenen Erscheinung: dass der
geistige Trieb der manuellen Fertigkeit voraneilt.
Gewöhnlich pflegt es unsern modernen Bildhauern
umgekehrt zu gehen. Eine Kontrolle dieser, .vor
allem im Atelier des Künstlers gewonnenen Hoffnungen
, ist dem Publikum noch nicht möglich, denn
es sind noch nicht viele Arbeiten Engelmanns bekannt
geworden. Die hier abgebildeten zwei kleinen
Bronzen sind von einem schönen Rhythmus erfüllt
und so plastisch gedacht, wie man es selten bei
neueren Arbeiten dieser Art antrifft. Die Porträtbüste
Böcklins ist, beim Tode des Meisters reproduziert
, aus Heft 11 des XVI. Jahrg. der »K. f. A.«
bekannt. Sie ist keine Zufallsarbeit gewesen, sondern
ein langjähriges Interesse Böcklins für den
jungen Bildhauer schuf die Gelegenheit zum Modellieren
. Und da der Zug des Herzens bekanntlich
des Schicksals Stimme ist, deutet das schöne
Verhältnis des Jungen zum alten Meister die künstlerischen
Eigenwünsche Engelmanns an. Sein Weg
geht nicht über den Naturalismus, sondern über die
Poesie, von der aus am besten modernen Kunstproblemen
beizukommen ist. Es kommt ihm darauf
an, der Quintessenz einer starken Menschheitsempfindung
die plastische Form zu finden — oder
auch umgekehrt; denn wer weiss, wie oft sich in
der Künstlerphantasie geistige und sinnliche Anschauungen
gegenseitig bedingen mögen. Wie weit
ihm dieses Streben schon gelingt, werden bald eben
beendete Arbeiten beweisen, von denen schon gesagt
werden darf, dass sie der modernen deutschen
Bildnerei eine Nuance von psychologischer Eindringlichkeit
hinzufügen, die durchaus neu ist und
die der Kunst mehr not thut, als alle naturalistischen
Kunstfertigkeiten. Da aber keine Kunstauffassung
eine originellere Sicherheit in allem Technischen
erheischt, als gerade die geistig strebende — Böcklins
Beispiel beweist es —, so wird es des Künstlers
nächste Aufgabe sein, die ganze Kraft hier zu
konzentrieren. Was ihm noch fehlt, ist zu lernen;
was er hat, könnte kein Meister ihn lehren. K. Sch.
T\ RES DEN. Zu einem für den Rathausplatz des Vor-
ortes Plauen bestimmten Monumentalbrunnen
hat der Bildhauer Robert Henze die Gestalt eines
Müllerburschen modelliert. In lebhaft schreitender
Haltung dargestellt, soll er, in Bronze ausgeführt,
auf hohem, felsenartig gestalteten Postament zur
Aufstellung kommen, ihm zur Seite wird das Wasser
über ein Mühlenrad in das kreisförmige Bassin
66
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0084