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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
JV/IÜNCHEN. Die Abbildungen des vorliegenden
Heftes stehen zum weitaus grössten Teil unter
dem Zeichen der heurigen Ausstellung des Münchener
Glaspalastes, damit mancherlei bringend, das in
unseren Berichten Besprechung bereits fand. Unserer
ebenda ausgesprochenen Absicht, der Kollektion
der »Scholle« eine Sonder-Veröffentlichung zu widmen
, wie wir sie im vorigen Hefte z. B. über die
französische Gruppe veröffentlichten und im kommenden
über die Ausstellung des »Hagenbundes«
bringen werden, begegnen Schwierigkeiten. Um nun
nicht die neueste Vorführung dieser Künstlervereinigung
in der, wie bereits in dem allgemeinen Ueber-
blick über die »VIII. Internationale« betont wurde,
von allen Münchener Gruppen vielleicht das leidenschaftlichste
Vorwärtsdrängen zu spüren ist, ganz
unberücksichtigt zu lassen, müssen wir nachträglich
zu einer lediglich textlichen Charakteristik
greifen. Innere Zusammengehörigkeit verbindet
bei den in der »Scholle« Vereinigten wohl nur die
ehemaligen Schüler Paul Höckers: R. M. Eichler,
Max Feldbauer, W. Georgi, Adolf Münzer und
Wilh. Voigt. Die Zugehörigkeit Fritz und Erich
Erlers und Robert Weise's ist mehr eine zufällige
, gemeinsam mit den andern haben diese nur
ihre kraftvolle Zuversicht, ihr feuriges Drauflosgehen
und ihren Fleiss. Fritz Erler ist das stärkste
Temperament von allen, ein Talent, für grosse dekorative
Aufgaben geschaffen, wie wenige. Er hat
einen abgeschlossenen einheitlichen Stil von vorbildloser
Eigenart und hatte ihn vom ersten Tage an,
da er der Schule von Julian entwuchs und selbstständig
zu schaffen anhub. Wunderlich genug ist
sein »Einsamer Mann«, der mit seiner roten symbolischen
Pantherkatze durch eine tote Gletscher-
weit finster bergan schreitende Riese — wunderlich,
gewiss! Aber ein Zug von Grösse, eine Kühnheit
und eine Wucht sind in Komposition und Farben,
im Strich und Formgebung, dass man dies Talent
sehr hoch werten muss. Nicht minder grosszügig
ist das Bildnis des Mädchens am Klavier, ganz in
Schwarz und Weiss gehalten. Erich Erler mit seinen
Winterbildern von der »letzten Cantoniere« und dem
Engadin empfiehlt sich ebenfalls sehr vernehmlich
der Beachtung als einer, der von allem Dagewesenen
und Verbrauchten weit weg ist. Von den andern
ist Eichler ohne Frage der erste, ein echt deutscher,
beharrlicher — vielleicht eigensinniger, selbstherrlicher
- - vielleicht auch schrullenhafter Maler, der
den Dingen merkwürdig tief auf den Grund geht
und voll Träumerei und Naturbeziehungen steckt.
Die Personifikation des »Herbstes« mag sich mancher
oder jeder andere anders vorgestellt haben als
er. Aber wie er den Herbst, den Herbst unserer
bayerischen Hügel- und Buchenwaldlandschaft als
Ganzes erfasst und typisch dargestellt, wie er die
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