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-sr4^> DER WIENER HAGENBUND
Kindergruppen möchte er in lockender Anordnung
gestalten.
An diese Landschafter Hesse sich dann
Alexander D. Goltz anschliessen, bei dem
zwar die menschliche Figur im Mittelpunkt des
Interesses steht, jedoch niemals ohne die umgebende
Natur. Er ist einer der interessantesten
Künstler, weil sein Wollen gerade jenen
Zielen nachstrebt, welche für die österreichische
Malerei von akutester Bedeutung sind.
Was der Naturalismus in anderen Ländern
nächst der Landschaft zu Ehren gebracht hat,
ist die ehrlich beobachtete, ins richtige Milieu
gestellte Thätigkeit der Menschen. Bilder von
so feiner lokaler Stimmung, wie die „Weinlese
in Oesterreich" (eigentlich „in Grinzing")
werden leider hier nur selten geschaffen.
Andri, ein Mitglied der Secession, das in den
letzten Jahren zahlreiche gut beobachtete und
keck hingesetzte Typen aus dem österreichischen
Bauernleben vors Publikum gebracht hat,
besitzt nicht jene Weichheit und Sinnlichkeit
der Accente, wie sie gerade in der Umgebung
der Grossstadt zu hören sind. Die Grazie
des Wienertums ist auch Heinrich Lefler's
spezielle Domäne. Lieber ihn, der durch seine
Illustrationswerke weitbekannt geworden ist,
wird sich ein anderes Mal Gelegenheit ergeben,
an der Hand von Leistungsproben mehr zu
sagen. Er kommt hier vornehmlich als der
in allen Kunstfragen überaus versierte, mit
diplomatischen und Rednergaben ausgestattete
Anführer des Bundes in Frage. Der Architekt
Josef Urban, mit dem Lefler meist gemeinschaftlich
arbeitet (die trauliche und reizvolle
Ausstattung des Wiener Ratskellers rührt bekanntlich
von diesem Künstlerpaar her) ist mit
der Ausführung des Ausstellungsgebäudes für
den Hagenbund betraut. Den farbigen Schmuck
der Fassade wird - nach dem Ergebnis eines
kürzlich entschiedenen Preisausschreibens -
Wilhelm Hejda besorgen. Hejda ist in diesem
Heft mit einer Plastik vertreten, die ihm im
Vorjahr den Dobner-Preis eingetragen hat.
Sie ist sehr charakteristisch für die schneidige
Art, in der der Künstler seinen Problemen
zu Leibe geht. Seine Pastell - Landschaften
sind ebenso gewagt und ebenso interessant,
wie seine Skulpturen und kunstgewerblichen
Arbeiten. — Zu den bereits bekannten Mitgliedern
des Hagenbundes zählen des weiteren
Konopa, Thiele, dann Raimund Germela,
Robert Schiff und der Bildhauer Rathausky,
der gegenwärtig an der Vollendung des
Stifterdenkmals arbeitet. Der erste zeigt in
seinen Landschaften, meist Pastellen, eine
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