Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 83
(PDF, 174 MB)
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WIE URTEILTE BÖCKLIN ÜBER MODERNE MALEREI? <^s=^

HANS WILT

SCHWAZ IN TIROL

(Wiener Hagenbund)

Das Amüsanteste von Begriffsverwirrung
vollzieht sich. Der Mensch darf nicht mehr
geniessen. Er sieht. Aber nicht wie er. Er
bemüht sich wie eine Maschine zu sehen - - wie
ein Objektiv. Heilige Objektivität und deine
Prediger! Als ob nicht die Subjektivität das
einzige wäre, was in Frage kommen kann.

Heute sind die selig, die da geistig arm sind.

Wenn die Kunst nur andeuten und anregen
kann, so setzt sie jedenfalls doch die vollste
Kenntnis der Dinge und das präziseste Be-
wusstsein seitens des Künstlers voraus.

darauf. . . nämlich, dass er den Blick von der
Hauptsache abzieht und hin und herzerrt."

(N.: „Man kann auch noch das machen
und das machen . ." Böcklin: „Nein, man
kann nicht das eine und das andere, wenn
man Maler sein will. Man kann nicht, wenn
es auf zwei Köpfe ankommt, hinaus kommt,
noch Stiefel und Knöpfe interessant und fertig
machen. Dann kommt einmal das Gewollte
nicht heraus, und zweitens langweilt die
Menge der gleichwertig nebeneinander stehenden
Dinge.")

„Alle die Hexenmeistereien auf modernen
Bildern gehen mich nichts an."

„Da müsst' ich ja Genremalov sein, wenn
ich nicht wüsste, dass es auf das und das
ankommt, und dass lediglich der Kunstunverstand
noch anderes verlangt. So ein
Genrefritze, bei dessen, nehmen wir mal an,
ganz netter Scene doch z. B. alles auf die
zwei freundlichen Gesichter von Ihm und
Ihr ankommt, und höchstens noch auf die
oder jene helfende Bewegung, - ja der macht
noch den Hund und die Katz, und den Ofen
auch mit dem Kalender dran von 1886 und
die Nägel am Lehnstuhl und ist stolz

„Technik! Technik kann jeder Schafskopf
haben, kann jeder lernen."

Man sollte es überall am Pulsschlag greifen,
dass das Erlebnis für den Künstler (Böcklin)
war, was er gemalt hat. Man sieht überall
so recht, wo die Wurzeln sind, wo die Scholle
ist, auf der er wächst, mit der er notwendig
zusammenhängt — die schönsten Sterne
Edelweiss wachsen gerade auf dem schwierigsten
Boden.

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