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-^ss5> JAPANISCHES KUNSTGEWERBE <^s=^
sie einschränken einerseits, erweitern anderseits
. Einschränken insofern, als die japanische
Technik an Mannigfaltigkeit weit zurückgeblieben
ist hinter dem Reichtum der technischen
Verfahren, über die wir im Abendlande
früher verfügt haben und heute, nachdem
manches Vergessene wieder belebt worden,
auch wieder verfügen.
In den metallotechnischen Künsten finden
wir die Japaner als Meister des Erzgusses
in verlorener Form nach dem Wachsausschmelzverfahren
. Die getriebene Arbeit
tritt dagegen ganz zurück; sie begegnet uns
fast nur in wenig bedeutenden Arbeiten.
Das Schmiedeeisen findet kunstvolle Verarbeitung
fast nur für Schutz- und Trutzwaffen
. Das im Abendlande so wichtige Gebiet
der architektonischen Zieraten und des
Gitterwerkes ist in Japan dem Schmiedeeisen
verschlossen und für die Erwärmungsund
Beleuchtungsgeräte tritt dies völlig zurück
gegen die Bronze. Eine Goldschmiede- und
SHUNZAN YAGUI-OKA EIN SPAZIERGANG
Fig. 5 (Malerei auf Seide)
Juwelierkunst in unserem Sinne hat Alt-
Japan nicht gekannt, da weder Frauen noch
Männer Ringe oder Behang-Schmuck aus
Edelmetallen oder Edelsteinen trugen. Für
den Mann war das Schwert der einzige
Schmuck, dem alle Kunst der Metallarbeiter
zustrebte im Grunde nur mit einem einzigen
technischen Verfahren, der Einlage
von Metall in Metall auf kaltem Wege.
Diese Metall-Intarsia ist aber zu einer Kunstfertigkeit
gediehen, wie nirgends sonst bei
irgend einem Volke alter oder neuer Zeit.
Von der flachen Tauschierarbeit erhebt sie
sich zum vielfarbigen Metallrelief, bei dem
Eisen, Gold, Silber, Kupfer und Legierungen
des Kupfers mit edlen und unedlen Metallen
Verwendung finden und durch Beizen Farbtöne
erhalten, die der abendländischen Metallarbeit
fremd geblieben sind, u. a. ein mattes
feines Grau, ein ins Blaue spielendes tiefes
glänzendes Schwarz, ein feuriges hummer-
farbenes Rot. Die Ziselierarbeit, die das
Relief nicht treibt, sondern aus dem Vollen
meisselt, wird meisterlich geübt in allen
Formen vom zartesten Flachrelief zu vollrunder
Arbeit, aber auch in versenktem
Relief, wie es in der Kunst Europas nicht
geübt wird.
Von den Schmelzarbeiten auf Metall hat
der Grubenschmelz nur in geringem Umfang
vereinzelt Anwendung gefunden. Der Zellenschmelz
hat, von seiner Anwendung in kleinem
Masstabe als Goldzellenschmelz auf Waffenteilen
abgesehen, in früherer Zeit nur eine
ganz unbedeutende Rolle gespielt und erst
seit wenigen Jahrzehnten den bekannten
glänzenden Aufschwung genommen. Der
Malerschmelz aber hat, obwohl, wie für den
Zellenschmelz, auch für ihn chinesische Vorbilder
nahe lagen, keine Aufnahme gefunden.
Von den anderen Künsten des Feuers hat
nur die Töpferkunst weitreichende Ent-
wickelung gefunden. Die Glasmacherkunst
ist den Japanern fremd geblieben; nur von
Versuchen, vielleicht auf chinesische, vielleicht
auf holländische Anregung, wissen wir andeutungsweise
; greifbare Spuren scheinen
sie kaum hinterlassen zu haben.
Die Verfahren der Töpferkunst umfassen
die allermannigfachsten Gebiete, darunter
aber keineswegs dasjenige, auf dem Europa
seit den Tagen der Renaissance die grössten
keramischen Triumphe gefeiert hat. Den
Japanern ist die Fayence fremd geblieben,
bei der eine über den Thonscherben geschmolzene
, durch Zinnoxyd weissgefärbte
opake Glasur als Träger der durch Metalloxyde
hervorgerufenen Farben erscheint, sei
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