Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 101
(PDF, 174 MB)
Bibliographische Information
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0121
-*-S^> JAPANISCHES KUNSTGEWERBE

es der den Glasurbrand ertragenden Scharffeuerfarben
, wie sie bei den Majoliken dienten,
sei es der nachträglich auf das Zinnemail
geschmolzenen, weniger feuerbeständigen
Muffelfarben, wie wir sie bei den rosigen
Strassburger Fayencen finden. Als Ersatz
bietet die japanische Töpferkunst technische
Gebiete, für die es uns an Vergleichen unter
den europäischen Töpferarbeiten und infolge
davon auch an treffenden technischen Benennungen
fehlt. Dekorierte Porzellane und
Steingut- oder steinzeugartige Massen zeigen
die Verwendung von Unterglasurmalerei und
von Schmelzmalereien über der Glasur.
Wundersame Ausbildung haben die farbigen
Glasuren selber erhalten, bei denen wir durch
die Wirkung des Oxydationsfeuers im Brennofen
Farbtöne erreicht sehen, die das gewollte
Ergebnis überlieferter Erfahrungen sind,
aber wirken mit dem Reiz des scheinbar zufälligen
Kolorites, das die Natur auf ihren
Gebilden hervorzaubert. Die Keramik der
Japaner lehrt uns aber auch, wie schön die
freie Künstlerskizze wirken kann, ohne
äusserster Feinheit der Technik zu bedürfen.
Malerischer Impressionismus, den unsere zu
allen Zeiten von der Pause beherrschte
keramische Malerei nicht gekannt hat, begegnet
uns schon vor Jahrhunderten an
japanischen Töpferarbeiten.

Völlig unerreicht steht das japanische Kunstgewerbe
in seinen Lackarbeiten. Auch China,
in der Töpferkunst der grosse Rivale Japans,
in der Malerei sein erhabenes Vorbild, muss
hier zurücktreten. Nirgends erscheint die
äusserste, peinlichste technische Vollendung
bewundernswerter als hier. Sogar der Impressionismus
, der das Ding im Fluge erfasst,
und eine suggestive Andeutung seines Wesens
darbieten will, hat auch in der alten Lackkunst
gewirkt und dort bewiesen, wie höchste
künstlerische Freiheit mit höchster technischer
Vollkommenheit Hand in Hand gehen können.
Der japanische Maler bezahlt hier den freien
Flügelschlag seines Impressionismus nicht
mit dem Verzicht auf vollkommene Technik.

Wie der gelackte Ueberzug die meisten
häuslichen Geräte, Gefässe und Möbel bekleidet
, so verschwindet an diesen allen die
reine Holzarbeit, die den Reiz der europäischen
Möbel ausmacht, für die äussere Wirkung
ganz und gar. Weder geschnitzte noch eingelegte
Holzarbeit fallen uns auf. Wo diese
vorkommen, ist es in alter Zeit an bestimmten
Bauteilen der Tempel, ihrer Zugangsthore
und Nebenbauten, in neuerer Zeit in Verbindung
mit gelackter Arbeit und Reliefs aus
Knochen und anderen Schnitzstoffen an

Möbeln, die erst unter europäischen Einwirkungen
entstanden sind, obwohl sich die
Vorbilder dafür schon an den Wandgetäfeln
Jahrhunderte alter Tempelgemächer in Relief-
Intarsien ganz in der Technik der bei uns
als Egerer-Mosaik bekannten Arbeiten nachweisen
lassen.

Ein eigenes Gebiet hat sich der plastischen
Kunst in Japan in den kleinen, Netzuke genannten
Schnitzwerken aus Holz oder Elfenbein
eröffnet, die zur Befestigung der Schnur

RIU-OU SHIMAZAKI ZWEI JUNGE MÄDCHEN

Fig. 6 (Malerei auf Seide)

dienen, an der das Tabakbesteck oder ein
Inro genanntes mehrfächeriges Lackbüchschen
am Gürtel oder in der Hand getragen wird.
Diese Netzukekunst ist eine junge Kunst,
jung, wie es die Sitte des Tabakrauchens und
die des Inrotragens ist. Sie reicht nicht zurück
bis in die Blütezeiten der japanischen Metallarbeiter
, Töpfer und Lackmaler. Im Kleinen
sind hier die Schnitzer gross. Mit den Vorzügen
, die ihrer Naturauffassung innewohnen,
verbindet sich hier die anziehendste Ueber-
windung der Aufgabe, das Motiv in eine
gewisse, dem Zwecke dienliche oder durch

101


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0121