Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 102
(PDF, 174 MB)
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-sr^S- JAPANISCHES KUNSTGEWERBE >C^=^

die Form des Materials begrenzte Gestalt
zu bringen. Der dem Japaner eigene naive
Humor tritt nirgends mehr zu Tage, als in
der Weise, wie er unter heiterem Lachen
hier aus der Not eine Tugend macht.

Zu grossen Werken der Bildhauerkunst
boten die Wohnung und das weltliche Dasein
des Japaners keine Gelegenheit. Sie zu finden
müssen wir uns in die dem Buddhismus
geweihten Tempel begeben. Die der alten
Nationalreligion des Shinto gewidmeten Heiligtümer
versagten sich in ihrer reinen, ursprünglichen
Gestalt dem Bilderdienst und der mit
ihm zusammenhängenden plastischen Kunst.

Die textilen Künste der Japaner verfügten
in technischer Hinsicht über keine reicheren
mechanischen Hilfsmittel, wie wir sie vor Einführung
des Jacquard-Stuhles besassen. Für
die Ausschmückung der Gewebe beschränkten
sie sich aber nicht auf die Hilfsmittel des
Webstuhls und der Sticknadel, sondern sie
riefen in ausgedehntestem Masse den Pinsel
des Malers und eine höchst ausgebildete

SHUKEI NAGANUMA BRONZEBÜSTE

Fig. 7

Färbekunst zu Hilfe, für die es uns an europäischen
Seitenstücken fehlt. Wie nirgends,
waren sie auch hier keine Sklaven einer begrenzten
Technik, sondern bedienten sich,
wo immer es ihnen für die ihnen vorschwebende
künstlerische Wirkung ratsam erschien,
aller vier Hilfsmittel zugleich an einem und
demselben Gewebstücke. Ein Europa fremdes,
in Japan wie es scheint verhältnismässig sehr
junges Verfahren textiler Kunst besteht darin,
in den Schlingen eines Sammetgewebes die
beim Weben eingeschobenen Kupferdrähte zu
belassen, auf das Gewebe zu malen, dann nur
die bemalten Stellen aufzuschneiden, endlich
die Drähte herauszuziehen, wonach das Bild
als Sammet mit der weichen Farbe eines
Sammetgewebes in ripsartigem Grunde wirkt.
Die Gobelintechnik wurde geübt, doch in
geringem Umfange; die Bedürfnisse der japanischen
Wohnung boten ihr nur ein kleines
Arbeitsfeld, da diese Wandteppiche nicht
kannte. Ebensowenig Fussteppiche, deren
Stelle die Matten vertraten.

Weiter haben wir der Korbflechtarbeiten
zu gedenken, die dank der allverbreiteten,
vom Höchsten und Geringsten geteilten Liebhaberei
für geschmackvoll nach bestimmten
Kunstregeln angeordnete Blumenaufzierung
mannigfachste Ausbildung erfahren haben.
Der reine Gebrauchszweck und die technisch
zu seiner Erfüllung dienenden Mittel führen
hier allein das Wort. Der vollkommene Stil
solcher Korbflechtarbeiten, aus denen ohne
jegliches Mitreden von Ornament nur der
Zweck und der Stoff zu uns reden, erhebt
sie zu einer einzigen Höhe unter allen Arbeiten
dieser Art. Eine edlere Bildung und Gliederung
hat sicher auch kein griechischer Korb
gehabt, als die besten dieser japanischen Körbe
sie uns zeigen.

Endlich die Farbenholzschnitte! bereits
haben sie siegreich Einzug gehalten in manche
feste Burg alter abendländischer Kunst in
den Louvre so gut wie in das Dresdener
Kupferstichkabinett. Jedermann kennt sie,
wenngleich es nicht jedermann vergönnt ist,
sich an den edelsten ihrer Art zu weiden.
Nachdem Engländer und Franzosen uns in
der Würdigung dieser Farbendrucke vorausgeeilt
waren, hat jetzt auch ein Deutscher,
W. v. Seidlitz, in einem schönen Buche seinen
Landsleuten die Augen geöffnet darüber, dass
hier echte Kunst zu uns redet, und gleichzeitig
haben Künstler von diesen Farbenholzschnitten
gelernt. In Frankreich und
Deutschland ist die vom Künstler selbst geübte
graphische Technik um den Farbenholzschnitt
glücklich bereichert worden, von dem

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