Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 103
(PDF, 174 MB)
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JAPANISCHES KUNSTGEWERBE

die alte Kunst des Abendlandes nur Vorläufer
in den helldunkeln Holzschnitten gekannt hat.
Wichtiger aber ist der Einfluss, der sich überall
in der Flächenbehandlung farbiger Kompositionen
verrät. Der
Aufschwung der englischen
und amerikanischen
Plakate und einer
Menge diesen stilverwandter
Druckwerke
hat sich ebenso offenbar
unter der anregenden
Einwirkung japanischer
Vorbilder vollzogen,
wie die jüngsten Fortschritte
der Deutschen
auf diesem Felde an
verwandte Eindrücke
anknüpfen. Nirgends
mehr als hier zeigt
sich, dass der Japanismus
begonnen hat, zu
einem Bestandteil unserer
Kultur zu werden,
nicht in dem Sinne
äusserlicher Einführung
unverdauter Nährstoffe
, sondern im
Sinne geistiger Assimilierung
.

Wenn wir noch ein
allen Arbeitsgebieten
des japanischen Kunstgewerbes
Gemeinsames
hervorheben, so geschieht
das nicht ohne
auf seine lehrhafte Bedeutung
hinzuweisen.
DiesGemeinsame sehen
wir darin, dass Japan,
wenigstens jenes Alt-
Japan, das noch nicht
von falschverstandenen
abendländischen Vorbildern
angekränkelt
war, den Gebrauchsgegenstand
nicht vom
Ziergegenstand unterschied
. Dieser hätte
ohne vernünftigen Gebrauchszweck
keine Daseinsberechtigung
gehabt
; bei jenem wurde die höchste Zweckmässigkeit
immer mit den einfachsten Mitteln
gesucht und wohl stets erreicht; der Schmuck
durfte nie die Gebrauchsfähigkeit beeinträchtigen
oder gar verdrängen. Bei uns werden
an die „Nippsache" die tüchtigsten Kräfte

SOJIRO OGURA
Fig. 8

verschwendet, während die Gebrauchssachen
vielfach nicht einmal bescheidenen Ansprüchen
an Zweckmässigkeit genügen und
des Schmuckes entbehren oder mit banalem

Schmuck abgefunden
werden. Dass diese Erscheinung
vom Uebel,
haben uns freilich nicht
erst die Japaner gelehrt
sie ist eine
alte, oft wiederholte
Klage. Aber wir können
von den Japanern lernen
, wie es möglich
ist, solcher Klage den
Boden zu entziehen.

Erschöpft ist mit diesen
kurzen Betrachtungen
bei weitem nicht
alles, was uns die japanische
Kunstgeschichte
lehrt. Die Anhänger des
naturalistischen Ornaments
können in ihr
ebenso ihre Rechnung
finden wie die Bewunderer
wappenmässig
streng stilisierter Ornamente
; beide aber
mögen lernen, wie feinfühlig
im allgemeinen
der japanische Künstler
diese Gebiete auseinanderhält
, jenem das
weltliche Alltagsleben,
diesem die kirchliche
Kunst und die durch
Religion, Mythus und
Volksglauben in eine
höhere Daseinssphäre
erhobenen Pflanzen und
Tiere zuweist. Die Bewunderung
japanischer
Tier- und selbst der
Pflanzenbilder wird
nicht selten dort Halt
machen müssen, wo
der Masstab systematischer
Naturwissenschaft
angelegt wird.
Naturstudien liegen
ihnen in weit geringerem
Umfange zu Grunde, als man unter dem
Eindruck ihrer Lebenswahrheit gemeiniglich
anzunehmen geneigt ist. Diese Lebenswahrheit
ist aber trotzdem von zwingender Ueber-
zeugungskraft.

Das Nachempfinden der Natur spricht sich

VIOLINSPIELERIN
(Silberstück)

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