Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 104
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0124
«^s^> JAPANISCHES KUNSTGEWERBE <ÖsW~

ebenso lebendig und eindrucksvoll aus in den
Landschaftsmotiven, denen der keinem Japaner
verschlossene Zusammenhang mit Stimmungsbildern
alter klassischer Dichtungen in vielen
Fällen noch einen feinen, dem Europäer nicht
ohne tieferes Eindringen fassbaren Duft verleiht
. Vor allem aber können wir von den
Japanern lernen, anstatt abgeschlossener Land-
schafosbilder oder gar der Veduten, für die
dekorative Kunst Landschahsmotive nutzbar
zu machen. Die Konzentration dieser Motive
bei den japanischen Malern und ihr natürliches
Gefühl für das die Stimmung mit den
einfachsten Mitteln suggerierende Landschaftsmotiv
enthalten köstliche Lehren für unsere
Künstler. Je tiefer sie eindringen in die echte
Kunst Japans, desto reichere Anregung werden
sie aus ihr heimbringen. Von dem Scheitern des
Bemühens, von japanischer Kunst zu lernen,
dürfen nur diejenigen noch reden, die sich nie
die Mühe gegeben haben, diese Kunst zu verstehen
, oder diejenigen, denen sich zu der Annäherung
an sie keine Gelegenheit bot. Dieser
Grund mag als Entschuldigung vielen dienen,
die ihr noch teilnahmlos oder abweisend gegenüberstehen
. Aus Büchern allein lernt man diese
Kunst nicht begreifen und die öffentlichen
Sammlungen Deutschlands sind mit wenigen
Ausnahmen arm an ihren Werken.

Fig. 9. Japanische Nippsache (Okimono)
den „starken Knaben Kintoki" (japanische
Legendengestalt) darstellend

Fig. 10. Japanische Nippsache (Okimono). Zwei
Yamabushi heben eine Tritonschnecke empor, in
der Teufelchen (Onis) sitzen, ringsum ebensolche
Teufelchen

KÜNSTLERNEID

Die Schönheit ist sein Ideal
Und sein Gedanke Tag und Nacht,
Doch packt ihn Neid, sobald einmal
Ein andrer etwas Schönes macht.

Er sollte doch der erste sein,
Der offen sich darüber freut
Und an des andren Sonnenschein
Den eignen Schaffensdrang erneut.

Jedoch in seine Seele frisst
Sich nur ein bittrer Unmut ein,
Denn schwerer, als ein Künstler, ist
Es auch ein edler Mensch zu sein.

Max Bewer

LESEFRÜCHTE

Zeichnen, um zu zeichnen, wäre wie reden, um
zu reden.

Goethe

*

Die Naivetät bleibt das Ehrenkleid des Genies,
wie die Nacktheit das des Schönen.

Arth. Schopenhauer

*

Dichter oder Künstler, die ihre Geisteskräfte dazu
verwenden, um über Idealismus, Realismus und
Naturalismus zu streiten, gleichen einem Bauern,
der wegen künstlicher Düngemittel in der Kneipe zankt
und dabei die Aussaat vergisst.

Otto von Leixner

*

Die Wissenschaft dient dazu, unser Denken, die
Kunst, unser Fühlen zu vermitteln. Unsere Empfindungen
gegenüber der Welt, das also bleibt Anfang
und Ende jeder Kunst.

Paul Schultze-Naumburg

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