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VON AUSSTELLUNGEN UND SAMMLUNGEN
einem solchen in einem für seine Verhältnisse
kräftigen Bildnisse eines kleinen Mädchens, das sich
lächelnd rechts und links ein Sträusschen roter
Nelken an den Kopf hält. Das Farbenrezept —
Schwarz und Grau mit Rot — stammt von Velazquez,
aber in seiner weichen Malerei ist das Porträt doch
ein echter Carriere. Die beiden anderen Bilder des
Künstlers, eine »Maternite« und eine Allegorie mit
zwei weiblichen Erscheinungen, »Malerei« betitelt,
sagen nichts Neues. Dafür lässt eine weibliche
Porträtbüste von Fritz Klimsch erkennen, dass
dieser talentvolle Berliner Bildhauer in seiner glücklichen
Entwicklung die erfreulichsten Fortschritte
macht. H. R.
ANTWERPEN. Die Belgier beginnen nun auch
in ihrem Lande sich der deutschen Kunst mehr
anzunehmen. Hat man schon bei Einrichtung der
diesjährigen belgischen Landesausstellung deutschen
Kunstwerken gegenüber denjenigen anderer Nationen
den Vorzug gegeben, indem man sie in grösserer
Zahl zugelassen und ihnen in drei schönen Sälen
mit gutem Licht bessere Plätze zur Verfügung
stellte, so will man, und das ist mit Freuden
zu begrüssen, deutsche Kunst in belgischen
Museen auch besser vertreten sehen. Die
Stadt Antwerpen hat den Anfang gemacht und
für das königliche Museum bereits in der
deutschen Abteilung des Salons ein deutsches
Kunstwerk angekauft. Nämlich ein Oelbild
des Düsseldorfer Malers Otto Heichert.
Sein Bild »Sterbestunde« galt als eines der
stärksten Bilder der Ausstellung, man muss
ihm aber auch wegen seines künstlerischen
Wertes, den ein starkes Können und eine
tiefe Ehrlichkeit bestimmen, besondere Achtung
zollen. Es stellt ein totkrankes Kind
dar, das umgeben ist von seinen Eltern, die,
von tiefer Traurigkeit ergriffen, die nahe
Sterbestunde ihres einzigen Töchterleins erwarten
. Die Personen sind mit überzeugender
Lebenswahrheit charakterisiert. Das bleiche
Licht des anbrechenden Morgens und das
künstliche Licht der Lampe fliessen zusammen
zu jener eigenartigen, mysteriösen
Stimmung, welche die Scene, über der schon
eine durch die Darstellung hervorgerufene
stille Wehm»ut ausgebreitet liegt, erst recht
ergreifend gestaltet. Ausser dieser Erwerbung
sind noch andere Ankäufe zu verzeichnen
, und zwar durch die »Societe des beaux
artst für die dreijährige Vereinsverlosung
Bilder von: Hans hermann-Berlin »Holländische
Stadt«, Gilbert von canal-München
»Herbstlandschaft«, Hugo Mühlig - Düsseldorf
»Spätsommer« und Eugen Kampf-
Düsseldorf »Schleuse«. In Privatbesitz gingen
durch Kauf über eine Bronze von Hermann
prell-Dresden und Bilder von Lippisch-
Charlottenburg und Carl Bennewitz von
LoEFEN-Berlin. H. O.
W/'EIMAR. Einen wertvollen Zuwachs hat
" das Goethe - Nationalmuseum in dem
ihm aus dem Nachlass Herman Grimms u. a.
überwiesenen Bilde der Familie Goethe von
Joh. Konr. Seekatz zu verzeichnen.
jDERLIN. Die diesjährige Ausstellung der
1-> „Secession" hat wiederum ein so glänzendes
finanzielles Ergebnis gehabt, dass an
den Garantiefond des Unternehmens abermals
30% zurückbezahlt werden konnten. Nach
drei Ausstellungen sind jetzt insgesamt bereits 80%
getilgt. Am 1. Dezember soll eine neue, auf zwei
Monate berechnete Ausstellung von Handzeichnungen
, Radierungen, Lithographien, Pastellen und Aquarellen
eröffnet werden.
"PvRESDEN. In Arnolds Kunstsalon kamen zwei
neue plastische Arbeiten Max Klinger's zur
Ausstellung. Die eine der Marmorkopf eines jungen
Mädchens von stolzer Jungfräulichkeit, die andere
die % m hohe, skizzenhaft gehaltene Bronzefigur
eines Athleten.
1V/| ÜNCHEN. Aus der am 31. Oktober geschlossenen
»VIII. Internationalen« wurde vom bayerischen
Staate noch das Oelgemälde »Kroaten« von Wilh.
v. Diez und eine Bronzebüste Konst. Meunier's
»Arbeiter im Puddelwerk« erworben. Der Erfolg der
heurigen Ausstellung ist sehr befriedigend. Auch
in finanzieller Hinsicht, sowohl was die Einnahme
aus den Eintrittsgeldern als auch die auf rund
700000 M. sich beziffernden Verkäufe angeht.
Fig. 29. TANZENDER AINO. Japanische Holzfigur
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