Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 121
(PDF, 174 MB)
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FRIEDRICH SCHAARSCHMIDT

VI EN I ■

DER IMPRESSIONISMUS UND SEIN AUSGANG

Von A. L. Plehn

Wer vielleicht seit der Mitte der neunziger
Jahre keine deutsche Ausstellunggesehen
hätte und bekäme nun die deutsche Malerei
von heute zu Gesicht, dem würde sich wahrscheinlich
auf den ersten Blick eine Bemerkung
aufdrängen, die denen entgeht, welche alljährlich
die kleinen Veränderungen sahen,
die den Umschwung zu stände brachten. Und
diese Bemerkung würde sich kurz also zusammenfassen
lassen: Die deutsche Malerei
strebt heute zurück von impressionistischer
Luftstimmung zu plastisch körperlicher Lebendigkeit
, vom dekorativ Verallgemeinerten
zur Intimität des Individuellen und vom
schmachtenden Tonreiz zur natürlichen Kraft
der Farbe.

Die deutsche Kunst hatte sich hauptsächlich
im Gefolge Frankreichs befunden. Es war
eine höchst erfolgreiche Frohn. Auge, Hand
und Geschmack haben eine Kultur erfahren,

(Nachdruck verboten)

die durch nichts anderes hätte ersetzt werden
können. Denn die deutsche Malerei hatte
allzu lange weniger mit den Augen als
mit dem Verstände gesehen, und sie hatte
sich davon merkwürdigerweise weder durch
Menzels noch durch Böcklins Beispiel abreden
lassen. Die Form war daraufhin angesehen
, nicht wie sie sich zeigte, sondern
um einen Einblick in ihre Bedeutung zu
gewinnen, und man hatte sich erfolgreich
gewähnt, wenn dies Thun ein Ding hinstellte,
das alles von dem Leben aussagte, was der
allgemeinen Kenntnis nach in ihm vorhanden
war. Auf der Leinwand erschien nicht nur,
was in diesem einzigen Augenblick geschaut
wurde oder doch unter bestimmten Bedingungen
hatte bemerkt werden können, sondern
alles das dazu, was der Verstand auch nach
dem flüchtigsten Hinblicken aus der Erinnerung
früherer Beobachtungen unbewusst

Die Kunst für Alle XVII. 6. 15. Dezember 1901.

121

in


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