Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 123
(PDF, 174 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_05_1902/0143
<^s^> DER IMPRESSIONISMUS UND SEIN AUSGANG -C^^

in der er noch mehr ausdrückt, als die un-
bestochene Wahrheitsliebe seines Auges erkannte
, wird das betrachtende Auge etwas
mehr bemerken, als es unter den angenommenen
Verhältnissen in der Wirklichkeit sehen
würde. Das Umdeuten des Gesichtseindruckes
wird zum Teil dem Verstände abgenommen,
eine notwendige Funktion ausgeschaltet, an
die alles Sehen sich gewöhnt hat, und ein
Anderssein als die Natur wird im Bilde empfunden
, obgleich der Grund dafür nicht scharf
zum Bewusstsein kommt. Im Berücksichtigen
dieser Umstände liegt der Anspruch auf besondere
Zuverlässigkeit in der Wiedergabe
des Naturbildes, welcher dem Impressionismus
nachzurühmen ist.

Aber andererseits kann es sich auch für
ihn nur um ein Abwägen zwischen verschiedenen
Graden der Korrektheit handeln.
Da er so wenig wie eine andere Ausdrucksweise
die Mittel hat, die wahren Tonverhältnisse
, die unzähligen Abstufungen der Deutlichkeit
, wie sie in der Wirklichkeit erscheinen
, absolut richtig wiederzugeben, so
wird er nach irgend einer Richtung Konzessionen
machen müssen. Gäbe er die
fernen Gegenstände in dem Grade der Bestimmtheit
wieder, wie sie ihm erscheinen,
so würden ihm die entsprechend stärkeren

Accente für die Nähe fehlen, und er würde
also genötigt sein, alle Abstufungen, die die
Wirklichkeit nach dieser Richtung macht,
abzuschleifen. Nah und fern würden sich
annähernd gleich ausdrücken, und auf das,
was er an erster Stelle erstrebte, den Eindruck
von Weite des Raumes und Luft
würde er verzichten müssen. Entschliesst
er sich dagegen, den Unterschied zwischen
dem bestimmt Gesehenen und dem Verschleierten
mit möglichster Stärke zu geben,
so kann er für jenes nur seine vollen Mittel
einsetzen, die aber weit hinter der Kraft der
Natur zurückbleiben, und also wird er, um
den nötigen Abstand zu erreichen, das Nächste
so deutlich er kann und das Zurücktretende
undeutlicher darstellen, als er es thatsächlich
sieht. Also wird praktisch aus der treueren
Ausdrucksweise doch wieder eine neue Konvention
, die zwar an sich ebenso berechtigt
ist, wie jede andere, die aber ebensowenig
wie jene den Anspruch erheben darf, die
absolute Zuverlässigkeit zu enthalten.

In Wirklichkeit stellte sich das Streben des
Impressionismus vielfach dar als ein Versuch
, zuerst und vor allem die Luft um die
Dinge zu malen, und es kam schliesslich oft
so weit, dass die atmosphärischen Einflüsse,
statt die plastischen Formen zu verklären

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