Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 124
(PDF, 174 MB)
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-*-s^> DER IMPRESSIONISMUS UND SEIN AUSGANG <^=^

und im Raum zu sondern, sie in ihren
Nebeln auslöschten. Man sah und malte mit
Vorliebe nur die Luft. Besonders wen mehr
das Beispiel anderer als die eigene Natur
auf diesen Weg führte, verstrickte sich in
verhängnisvolle Irrtümer.

Und auch in der Farbe kam es schliesslich
zum Bruch mit der Wirklichkeitstreue, in
deren Namen doch ursprünglich die Kämpfe
begonnen hatten. Da die Malmittel so wenig
wie in Hell und Dunkel, im strahlenden
Glanz der Blau, Rot und Gelb den Wettkampf
mit der Natur aushalten konnten, so
musste auch hier die Vereinfachung und
Betonung der Gegensätze die Stelle zahlreicher
Zwischenstufen einnehmen. So kam
man zur Uebertreibung des wirklich Gesehenen
. Man hielt Kalt und Warm, die
Blau und Gelb, die im Sonnenlicht und
Schatten ihre Rolle spielten, weiter auseinander
als sich mit einer strengen Ehrlichkeit
vertrug. Und als dann einmal die
führende Hand der Natur losgelassen war,
konnten schliesslich die Violett und Gelborange
sich so weit von der Bescheidenheit
entfernen, wie wir es in dem Neoimpressio-
nismus der Signac und Luce gesehen haben.

Diese Willkür, die alles nur mit den stärksten
Gegensätzen sagen wollte, führte gleichzeitig
zu einer Verarmung des Farbengefühls,
indem sie sich nur an den äussersten Enden
der Palette aufzuhalten pflegt. Die tausend
Lieblichkeiten der Uebergänge - - die die Abwechslung
repräsentieren im Gegensatz zu der
Eintönigkeit der stärksten Farbe - - sie fielen
einfach unter den Tisch bei diesen Experimenten
. Andererseits giebt es auch eine
Willkür, die statt zu steigern unterdrückt
und glättet. Die Kraft des Natürlichen wird
als beängstigend empfunden. Man sucht
nicht mehr den hellen Tag mit seinem lauten
Farbengetön, sondern die Dämmerung und das
verschleierte Licht, jede Stunde, welche die
Gegensätze ausgleicht, oder doch weich macht.
Es wird eine Auswahl getroffen, dessen, worin
man dem Wirklichen recht geben kann. Die
Phrase von dem gebleichten Gobelinton kommt
auf, die doch nichts bedeutet als die Angst
vor der wirklichen Schönheit. Diese wird
brutal gefunden und dann wieder so gesund
nüchtern. Man soll sie erträglich machen,
indem man sie zum Traum vergeistigt oder
zum Rausch steigert. Und beide bedeuten
ein Abweichen vom Thatsächlichen.

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