Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 5. Band.1902
Seite: 130
(PDF, 174 MB)
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Hausrat, ihr Leben in Stille zu beschliessen.
Nur Frauen, Kinder und alte Männer giebt
es auf den Halligen zu sehen. Was jung
und kräftig ist, schafft in der Fremde. Die
Halligleute sind meist Seefahrer. Verhältnismässig
spät erst ist Alberts darangegangen,
die Halligen selbst zu malen, diese ärmliche

JACOB ALBERTS „DIE ALTE WIEBKE"

Natur, die meist weder Baum noch Strauch
schmückt und deren salzgedüngter Boden höchstens
in der Frühlingszeit einige Reize entwickelt
, indem ein Dünengewächs den graugrünen
Grund mit einem anmutigen Schleier
von violetten Blüten überzieht. Ein Landschaftscharakter
, den man sonst nirgends trifft.

Streng und eigenartig wie seine Heimat
ist die Kunst von Alberts. Man sieht seinen
Bildern nichts von Düsseldorf, München, Paris

und Berlin an. Sie erinnern, wenn überhaupt
an etwas, an die Arbeiten der Hamburger
Künstler zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts
, an die frühen Bilder der Speckter,
Gensler, Oldach u. a. Herb und trocken in
der Farbe, haben sie oft mehr gegenständlichen
als malerischen Reiz; aber sie erfreuen
durch die sich darin äussernde Ehrlichkeit
und warme Empfindung. Auch eine gewisse
Kraft der Stimmung kann ihnen nicht
abgesprochen werden. Ausserdem sind sie
im Laufe der Jahre besser geworden. Teils
weil die Zeit die Härten der Farbe ausgeglichen
hat, dann aber auch, weil Alberts,
seitdem er landschaftert, harmonischer im
Ausdruck geworden ist. Ihm fehlt jede
äussere Gewandtheit, aber durch die Art,
wie er mit der Natur ringt, ist echte Kunst
in seine Arbeiten gekommen. Sein erstes
grösseres Bild war die „Beichte auf der
Hallig Oland" (Abb. S. 129), dann folgten
„Predigt auf der Hallig Gröde", der jetzt im
Kieler Museum befindliche „Königspesel auf
der Hallig Hooge" das schönste von

Alberts Interieurs —, die „Grüne Stube"
mit den roten Vorhängen und der aus einem
Glase nippenden Friesin (Abb. S. 128), der als
Beleuchtungsproblem nicht üble „Besuch auf
der Hallig", die Landschaften „Blühende
Düne", „Meine Heimat", ferner eine „Vierlander
Gärtnerdiele" und eine Reihe von
Zeichnungen, die den Weg in verschiedene
Museen und Sammlungen gefunden haben.
Alberts ist keiner von den Grossen, aber er
ist einer von denen, für die man Achtung
und Sympathie empfindet, weil sie im Umfang
ihrer Begabung ernsthaft und redlich wirken
und mit ihrem Respekt vor der Natur zu
erkennen geben, dass sie wissen, worauf es
in der Kunst ankommt.

GEDANKEN

Die Studie ist das intime Zwiegespräch des
Künstlers mit der Natur.

Julius von Klever

*

Verlange vom Genie alles, nur keine Konsequenz!

J. Münz

Im Dunkeln liegt das Werden des Kunstwerkes;
und nichts ist diesem Werden gefährlicher als zu
früh hereinfallendes Licht.

W. v. Scholz

*

Die Menschheit wird nie ein Ziel erreichen; sie
wird immer im Werden bleiben; und das ist gut;
denn darin liegt die Bürgschaft für das Fortbestehen
der Kunst.

Joh. Jacob Mohr

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